Ausgelassener Jubel ausgerechnet nach einer Derbyniederlage? Vor fast 40 Jahren war das tatsächlich der Fall, als der FC Fuchsstadt im Mai des Jahres 1981 am viertletzten Spieltag zwar mit 1:2 gegen den FC Thulba verlor, aber dennoch den bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte: die Meisterschaft in der A-Klasse Schweinfurt (jetzt Kreisliga) samt Aufstieg in die Bezirksliga. Und das nur ein Jahr nach dem Aufstieg aus der B-Klasse, der heutigen Kreisklasse. "Den Titel hatten wir neben einer spiel- und kampfstarken Mannschaft vor allem unserem Trainer zu verdanken, den ich zu Beginn der Saison 1979/80 aus Hammelburg geholt hatte", sagt mit Georg Stöth der damalige Vorsitzende, der lange Jahre auch als Trainer und Abteilungsleiter beim FC Fuchsstadt fungierte.

Ein bescheidener Übungsleiter

Der Gelobte heißt Jürgen Sykora, der nicht nur den taktischen Taktstock außerhalb des Spielfeldes schwang, sondern auch als torgefährlicher Akteur (30 Saisontreffer) bei den Gegnern gefürchtet war. "Die meisten meiner Treffer habe ich allerdings mit Frei- und Strafstößen erzielt", bleibt Sykora bescheiden. Forschere Töne über den Übungsleiter kommen dafür von Dieter Schaupp, der zusammen mit Willibald Kippes das Angriffsduo bildete: "Eigentlich war Jürgen unser Libero, aber unser Spielertrainer hat sich eher im Mittelfeld herumgetrieben. Dafür hat unser überragender Vorstopper Berthold Volpert die Abwehr zusammengehalten und organisiert."

Also zog Sykora offensiv die Fäden mit dem technisch versierten Spielmacher Franz Kubo, von dem Gegner später behaupteten, dass sie keinen faireren Spieler erlebt hätten. "Franz hat mir immer mit dem Finger angezeigt, wohin er den Ball haben wollte. Das hat das Pass-Spiel ungemein erleichtert", sagt Sykora. Die Kohlenbergler waren jedenfalls geachtet für ihren Offensivgeist, den nicht zuletzt der wieselflinke Josef Stockmann verkörperte. "So ein pomadiges Hin- und Hergeschiebe wie bei unserer Nationalmannschaft hat es bei uns nicht gegeben", so Sykora, der in der Defensivarbeit vom jungen Bernd Heid entlastet wurde. "Bernd war zusammen mit Willibald aus der Fuschter Jugendmannschaft zu den Herren gewechselt und bis zum Karrierende ein absoluter Leistungsträger, der sich nie schonte", sagt Sykora.

Um dem designierten Meister ein Bein zu stellen, griffen die Thulbaer in die Trickkiste und verlegten das Derby kurzerhand auf den Ausweichplatz. 1000 (!) Zuschauer erlebten hochmotivierte Gastgeber, die durch zwei Freistöße mit 2:0 in Führung gingen: Erst zirkelte Gottfried Gerlach das Leder in den Winkel zirkelte, dann wurde ein Gerlach-Schuss unhaltbar für Fuchsstadts Keeper Charly Stockmann abgefälscht. Erst jetzt erwachten die Fuchsstädter aus ihrer Lethargie, aber es sollte nur zum Anschlusstreffer von Franz Kubo reichen.

Der Verfolger lässt Federn

Nach dem Abpfiff standen die Gäste nach der erst zweiten Saison-Niederlage etwas belämmert da, doch weil Verfolger DJK Schweinfurt beim SV Schwanfeld nur Unentschieden spielte, war die Meisterschaft fix. Es folgte ein lautstarker Autokorso bei der Heimfahrt. "Wir hatten die Meisterschaft verdient. Wir waren nicht nur technisch gut und kampfstark, sondern auch in konditioneller Hinsicht den Kontrahenten überlegen", sind sich die Protagonisten einig.

Kondition wurde am Kohlenberg groß geschrieben. "Da kannte der Jürgen keine Gnade", so Dieter Schaupp, dem sein Trainer einen großen Torriecher bestätigte: "Der Dieter konnte wahnsinnig gut antizipieren." Allerdings sollte dessen Karriere wenige Tage später ein abruptes Ende nehmen, denn beim Pokal-Halbfinale beim FC Hösbach zog sich Schaupp einen offenen Schienbeinbruch zu. "Als ich den Knochen aus dem Bein herausstehen sah, habe ich die Spieler gleich weggeschickt. Ich habe in meiner langen Laufbahn als Spieler und Trainer keine schlimmere Verletzung gesehen", erinnert sich Jürgen Sykora. Das Team war von der Verletzung jedenfalls so geschockt, dass es gegen einen eigentlich unterlegenen Gegner mit 1:2 verlor. Als Funktionär und Mannschaftsbetreuer ist Dieter Schaupp immer noch nah dran am Fuchsstädter Fußball, der längst in der Landesliga stattfindet.

Vom Westen in den Osten

"In der Bezirksliga wurden wir aus geografischen Gründen in die Westgruppe geschickt, hatten viele und weite Fahrten an den Untermain und in den Spessart zu absolvieren und trafen auf Mannschaften, denen der Ruf vorausging, einen im Vergleich zur Ostgruppe technisch besseren Fußball zu spielen", weiß Willibald Kippes. Als die Einordnung in die Westgruppe bekannt wurde, gab es zeitweilig sogar Überlegungen, auf den Aufstieg zu verzichten. Aber die Kohlenberg-Jungs sollten sich mit dem fünften Platz in ihrer Premierensaison mehr als achtbar schlagen. Eine Saison später fanden sich die FC-Kicker dann doch in der Bezirksliga Ost, der sie bis zum Ende der Saison 1986/87 angehörten. Diese schloss man als Tabellensechster ab, was die Qualifikation für die neu geschaffene Bezirksoberliga bedeutete. "Wir waren also quasi Gründungsmitglied", so Kippes.