Christian Heilmann ist so etwas wie der Dauerbrenner im Team des FC 06 Bad Kissingen. Seit einer Dekade kickt der selbstständige Vermögensberater, der mit Frau und Kind in Reiterswiesen lebt, für die 06er. Auch in dieser Saison war der 36-Jährige in fast allen Spielen mit von der Partie und dirigierte die Abwehr der Kurstädter mit Ruhe, Übersicht und Biss. Für Coach Daniel May ist er wegen seiner Erfahrung und seinem überragenden Zweikampfverhalten unverzichtbar. Vor dem Derby gegen den TSV Münnerstadt unterhielten wir uns mit dem sympathischen, eingefleischten Fan von Borussia Dortmund.

Hallo Herr Heilmann, nach der Winterpause stehen für den FC 06 Bad Kissingen ein Sieg, zwei Remis sowie zwei ausgefallene Spiele zu Buche. Wie bewerten Sie die Bilanz?

Christian Heilmann: Der Start mit dem Derbysieg gegen den FC Thulba war gut. Die zwei folgenden Remis nach Führungen ärgern mich und sind für uns natürlich vier verschenkte Punkte.

Sie erwähnten gerade die unnötigen Punktverluste in den Heimspielen gegen Hirschfeld (2:2) und Rödelmaier (2:2). Was waren die Ursachen?

Wir haben in beiden Spielen den "Deckel" nicht drauf gemacht und das dritte Tor nicht nachgelegt. Die Möglichkeiten, die wir hatten, haben wir nicht sauber zu Ende gespielt. In manchen Situationen müssen wir daher noch ruhiger am Ball und auf dem Platz sein.

Sie haben als Fußballer schon einiges erlebt. Von der Jugend des FC 05 Schweinfurt ging es zum TSV Großbardorf in die Bayernliga, von da als Spielertrainer zum Kreisklassisten BSC Lauter, ehe Sie letztlich in Bad Kissingen landeten. Erzählen Sie doch mal von Ihren Stationen?

Der Wechsel nach Großbardorf war noch zu meiner Juniorenzeit, die ich eigentlich in Schweinfurt zu Ende spielen wollte. Der FC 05 hatte damals Insolvenz angemeldet, der ganze Jahrgang hat den Verein verlassen und bei mir hatte sich Großbardorf gemeldet. Dort war es eine sehr geile Zeit, in der ich mich als Spieler weiterentwickeln wollte und konnte. Der BSC Lauter hatte seinerzeit einen neuen Trainer gesucht, und da ich mit meinen beiden älteren Brüdern noch mal zusammenspielen wollte, habe ich zusammen mit Thomas Strauch die Herausforderung angenommen. Danach bin ich für ein Jahr wieder nach Großbardorf gewechselt. Als ich dann zum FC 06 kam, habe ich geheiratet und wollte den zeitlichen Aufwand zumindest ein wenig reduzieren. Ervin (Gergely) war schon hier, Mario (Wirth) und Lausi (Christian Laus) sind auch mit zum FC gewechselt, von daher war es eine leichte und schnelle Entscheidung. Mit den Genannten spiele ich noch heute ein Fußball-Managerspiel mit Gruppennamen "Die Experten" (lacht). Egal bei welchem Verein ich war, es waren immer tolle Zeiten mit vielen schönen Momenten.

Mittlerweile sind Sie seit zehn Jahren beim FC 06, sind Kapitän und waren zwischenzeitlich auch mal Interims-Co-Trainer. Was gefällt Ihnen am FC so?

Die Menschen um den Verein herum, egal ob in der Vorstandschaft oder der Mannschaft selbst, sind geile Typen. Mir macht es immer noch unheimlich viel Freude im Sportpark zu sein. Die geringe Entfernung von meinem Wohnort Reiterswiesen ist auch wichtig. Ich könnte theoretisch mit dem Fahrrad fahren (lacht).

Dürfen wir Sie noch länger im Trikot der Kurstädter sehen?

Es macht aktuell richtig viel Spaß mit den "Wilden". In der Truppe steckt noch viel mehr Potenzial, als wir bisher abrufen. Für einen Rücktritt habe ich mir kein festes Datum gesetzt. Für mich ist es neben dem Spaß auch wichtig, verletzungsfrei zu bleiben. Sobald eins von den zwei Dingen nicht mehr der Fall ist, höre ich sofort auf.

Angeblich haben Sie gleich drei Spitznamen? "Heili" lässt sich leicht ableiten, aber "Pfeili" und "Eggi" sind durchaus erklärungsbedürftig?

"Eggi" - der Name kommt eigentlich vom meinem Dad, der selber so genannt wird. Früher war ich der "kleine Eggi" (lacht). Den Spitznamen habe ich als Kind bekommen. "Pfeili" ist dagegen eigentlich kein wirklicher Spitzname.

Am Samstag geht es mit dem Derby gegen den TSV Münnerstadt in der Liga weiter. Die Bilanz in dieser Saison ist ausgeglichen. Sieg für Euch im Hinspiel, dafür revanchierte sich Münnerstadt nur wenig später im Pokal. Wie stehen die Chancen diesmal?

Münnerstadt hat eine richtig gute Mannschaft. Sie spielen einen schönen Fußball und lassen den Ball sehr gut laufen. Wie die zwei Partien gezeigt haben, wird es ein schweres und enges Spiel, daher sehe ich die Chancen bei 50:50.

Der Meistertitel dürfte, da muss man kein Prophet sein, nach Dampfach gehen. Aber sowohl der FC 06 als auch Münnerstadt können sich theoretisch noch Hoffnungen auf Platz zwei machen. Realistisch oder ist der Zug schon abgefahren?

Vom Potenzial können beide Teams noch Platz zwei erreichen. Wir müssen Woche für Woche unser Leistungsvermögen abrufen, dann wird man sehen, was am Ende raus kommt.

Ihr Tipp fürs Spiel?

2:0, weil ich endlich mal im Sturm spiele (lacht).

FC 06 Bad Kissingen - TSV Münnerstadt (Samstag, 16 Uhr)

Formcheck: Der FC 06 Bad Kissingen (5./29) wartet auf eigenem Platz seit vier Spielen auf einem Sieg. Nicht nur deshalb möchte die Truppe von Trainer Daniel May den 2:0-Hinspielerfolg gerne wiederholen. Nicht gerade förderlich dürfte da der fehlende Spielrhythmus durch die ausgefallenen Partien gegen Ettleben/Werneck und Bergrheinfeld sein. Zudem stellt der TSV Münnerstadt (3./36) alles andere als eine Laufkundschaft dar. Daniel May, der sich bezüglich des eigenen Kaders bedeckt hält, erwartet eine hitzige Partie: "Die Spiele gegen Münnerstadt in Liga und Pokal waren jeweils intensive Auseinandersetzungen. Für beide Teams geht es durchaus noch um etwas. Bitter ist es für unseren Kontrahenten, dass die Leistungsträger Simon Snaschel und Lukas Fleischmann nicht zur Verfügung stehen."

Gegnercheck: Die Mannschaft von Trainer Goran Mikolai zeigte sich zuletzt mit zwei Siegen in Folge von der 1:4-Pleite in Forst gut erholt und befindet sich laut Co-Trainer Simon Snaschel "in einer spannenden Phase, aus der gerade die jungen Spieler viel mitnehmen können. Beim 2:1-Sieg in Stadtlauringen haben wir nach schwacher erster Hälfte im zweiten Durchgang tolle Moral gezeigt. Daran sieht man ganz gut, dass wir an unsere Leistungsgrenze gehen müssen, um Spiele zu gewinnen." Das Derby in Bad Kissingen sieht Snaschel auf Augenhöhe. "Beide Mannschaften haben jeweils noch eine Rechnung offen. Unsere Jungs müssen dafür bereit sein." Nico Markert wird am Samstag fehlen. Ein Fragezeichen steht noch hinter den Einsätzen von Niklas Markart (muskuläre Probleme) sowie Leo Pfennig und Patrick Balling (beide krank).

FC Thulba - TSV Ettleben/Werneck (Samstag, 17 Uhr)

Formcheck: Der FC Thulba (13./15) verpasste bei der 1:4-Niederlage in Hirschfeld eine gute Gelegenheit, weiter Druck auf die Teams auf den Nichtabstiegsrängen auszuüben. Die Mannschaft von Interimscoach Gerald Betz hatte dort vor allem in der Offensive die nötige Durchschlagskraft vermissen lassen. Abteilungsleiter Christoph Adrio: "Die Hirschfelder haben uns mit ihrer Erfahrung weitgehend kontrolliert und ihre wenigen klaren Torchancen verwertet. Das 2:0 vor der Pause war eine hohe Hypothek und mit dem 3:1 nach unserem Anschluss war es endgültig erledigt." Das Heimspiel gegen den TSV Ettleben/Werneck (6./26) sollten die Frankonen nutzen, um weiter zu punkten. Wenngleich der Aufsteiger schon eine Hausnummer ist, was beim 0:5 im Hinspiel klar zu sehen war. Mit Keeper Andreas Kohlhepp sowie Mittelfeldstratege Florian Heim dürften zwei wichtige Akteure in die Startelf zurückkehren.

Gegnercheck: Die Mannschaft von Trainer Mario Schindler tritt mit dem Manko im Thulbatal-Stadion an, seit dem 05. März kein Pflichtspiel mehr absolviert zu haben. Das 1:1 gegen die SG Stadtlauringen/Ballingshausen war bis dato die einzige Partie des Aufsteigers in 2022. Nach Spitzenreiter Dampfach stellt der TSV die Truppe mit den wenigsten Gegentoren und mit dem Ex-Schwebenried/Schwemmelsbacher Simon Michel (9 Treffer) hat man einen Torschützen von Format. Christoph Adrio: "Wir haben aus dem Hinspiel noch was gutzumachen und werden hoffentlich ein anderes Gesicht zeigen, auch wenn der Gegner unter anderem mit Frederik Weiß sowie Maximilian Mosandl hohe Qualität im Kader hat und mit Mario Schindler einen Top-Trainer an der Linie."