Das Wörtchen "Leo" und seine Folgen

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"Leo" darf eigentlich doch nur der Torwart rufen. Oder doch nicht?Jürgen Schmitt
"Leo" darf eigentlich doch nur der Torwart rufen. Oder doch nicht?Jürgen Schmitt

Leo ist ein Name, aber auch ein Begriff im Fußball. Und da geht die Verwirrung schon los.

Plötzlich war es da. Keine Ahnung, wo es herkam. Es hat sich wohl draufgeschlichen auf die Fußballplätze. Einfach so. Und geht nicht mehr weg - das kleine Wörtchen "Leo". Torhüter rufen es, wenn sie im Strafraum ungehindert den Ball fangen wollen. Verteidiger ducken sich dann instinktiv weg. Sie wissen: Bleibe ich da stehen, werde ich wahrscheinlich vom herauseilenden Keeper umgerannt.

Wieso Leo eigentlich Leo heißt? Keine Ahnung. Eine allseits beliebte Wissens-Datenbank im Internet kennt viele Bedeutungen, weist es aber als Bezeichnung für einen Schutzraum bei Fangspielen aus. Könnte passen. Ein schlauer Mensch hingegen stellt in einem Frage-Antwort-Forum eine Verbindung zum Wiener Stephansdom her. Unter dem unvollendeten Nordturm befinde sich das Adlertor. An einer Säule des Portals prange ein Eisenring, der einer Spule ähnele - der sogenannte Asylring, auch "leo" genannt. Weil Kaiser Leopold VI diesen Ort als Zufluchtstätte bestimmte, sei man dort unantastbar. Der Torwart rufe Leo, weil er sich sicher sei, den Ball unter Kontrolle zu haben und damit unantastbar zu sein. Klingt logisch, aber viel zu kompliziert.

Fakt ist: Leo bereitet Probleme. Vor allem Schiedsrichtern, wie rege Diskussionen im Netz zeigen. Wissen manche Referees doch nicht, ob Leo überhaupt legal ist. Ursprünglich wurde der Begriff eingeführt, um Täuschungsversuche gegnerischer Spieler zu verhindern. Rufe wie "Lass gehen" oder "Mein Ball" gelten als unsportlich. Verschaffen sich doch garstige Fußballer so unter Umständen einen Vorteil, weil der Gegenspieler vom Ball wegbleibt und sie es daher leichter haben, ein Tor zu schießen. Solcherlei Täuschungsversuche sind vom Schiri mit Gelber Karte und indirektem Freistoß für den Gegner zu ahnden, zitiert Sebastian Wieber, Lehrwart der Schiri-Gruppe Bad Kissingen aus Ramsthal, auf Anfrage das Regelwerk.

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Alle Unklarheiten beseitigt? Mitnichten. Denn das Leo-Rufen kann ja auch argwöhnisch gemeint sein und vom Verteidiger missverstanden werden. Und was passiert, wenn man einen "Leo" in der Mannschaft hat, dem der Ball zugespielt werden soll? Wird dieser Zuruf, der ja die Aufmerksamkeit des Genannten wecken soll, auch geahndet? Oder was ist, wenn einer im Team Nikolas heißt. Das könnte der Schiri als ein unerlaubtes "Niko, Lass" deuten. Und darf der Name Leo nach Einführung der neuen Datenschutzverordnung noch gesagt werden? Aber bleiben wir sachlich.

Sebastian Wieber zufolge muss für eine Bestrafung die täuscherische Absicht erkennbar sein. Egal was gerufen wird. Sonst läuft das Spiel weiter. Oder wie es ein Internetnutzer formulierte: "Man kann rufen, was man will, solange man niemanden irritiert. Das Risiko trägt der Rufer allein und ist unabhängig davon, ob der Ruf "Leo", "Waldi" oder "Himbeergelee" lautet."

Aber vielleicht ist das Thema Leo und Täuschung im Raum Bad Kissingen gar kein so großes. Winfried Hehn und Gerd Hartung, zwei langjährige Schiri-Cracks, sind ihm in der Praxis seltenst begegnet. Oder haben es einfach nicht gehört. Schiri-Lehrwart Wieber erinnert sich nur an einen Fall, wo der Stürmer deutlich hörbar etwas rief, um den Verteidiger zu täuschen. Brave Fußballer!(?)