War ja wirklich Zeit, dass ein Steilpass auch mal bei einer Frau ankommt. Bestens verwertet von Christina Seidl, die nicht nur mit dem runden Leder hervorragend umzugehen weiß. Die 25-Jährige, die aus Oerlenbach kommt und in Bad Kissingen wohnt, ist in Sachen Sport ein wahres Multi-Talent.

Wer hat Sie angespielt?

Christina Seidl: Daniel kenne ich vor allem über den Basketball. Als er in Arnstein gespielt hat, ist man sich ab und zu auf Turnieren über den Weg gelaufen. Das änderte sich spätestens mit dem Wechsel nach Oerlenbach, außerdem sind wir mittlerweile Arbeitskollegen auf der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Da Daniel ebenfalls sportlich vielseitig aktiv ist, kann ich so in verschiedenen Dienstsportarten gegen ihn antreten.

Wie sieht ihr Laufweg aus?

Bereits im Alter von fünf Jahren begann ich mit Basketball bei der SG Oerlenbach/Ebenhausen. Ein Jahr später kam dann der Fußball beim TSV Oerlenbach hinzu. Beim Basketball hatten wir erfolgreiche Jugend- und Damenmannschaften in der Bayernliga, so dass ich mit dem Nachwuchs in Auswahlmannschaften bis auf Landesebene Erfahrungen sammeln durfte. Bei der TG Würzburg habe ich in der Jugendbundesliga gespielt, war in dieser Zeit aber auch Juniorenfußballerin beim SV Langendorf und der SpVgg Haard und habe in diversen Auswahlmannschaften gekickt, mit Jungs übrigens. So mit 18 Jahren bekam ich die Möglichkeit, Basketball-Erfahrung in der 2. Frauen-Bundesliga zu sammeln bei einer Mannschaft, die zum FC Bayern München gehörte. Doch die Liebe zum Fußball war so stark geblieben, dass ich danach erst bei den Frauen des SV Albertshausen und schließlich beim FC Schweinfurt 05 gelandet bin. Dort spiele ich aktuell in der Landesliga und zusätzlich in der bayerischen Auswahlmannschaft der Polizei. Beim Basketball bestreite ich auch noch Spiele in der Bezirksoberliga, wenn es zeitlich ausgeht.

Wie sehr fiebern Sie für die Männer des FC 05 Schweinfurt mit, die ja aktuell um den Aufstieg in die 3. Liga spielen?

Natürlich fiebert man für den eigenen Verein mit. Ein Aufstieg würde mit Sicherheit in einigen Bereichen des Vereins Neuerungen mitbringen, was ich durchaus als Vorteil sehe. Man hat die letzten Jahre so intensiv auf den Aufstieg hingearbeitet und es wird dort wirklich gute Arbeit geleistet. Verdient hätten die Männer es auf jeden Fall. Jetzt noch das Quäntchen Glück und das Ding läuft doch hoffentlich (lacht).

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Auf welcher Position spielen Sie im Schweinfurter Frauen-Team eigentlich?

Ich bin auf jeden Fall Offensivspielerin. In der Defensive wurden Versuche gewagt, die kläglich scheiterten (lacht). Am liebsten agiere ich im Mittelfeld, wo ich mit Lauffleiß und meiner Schnelligkeit etwas bewirken und das Spiel mitgestalten kann. Zuletzt wurde ich überwiegend als Flügelspielerin eingesetzt. Die Konkurrenz an Spielerinnen, von denen eine Vielzahl auch bereits auf Bundesliganiveau gespielt hat, macht einen Positionswunsch aber nicht möglich. Gespielt wird, wo die Trainer einen sehen und jede Spielerin ist für Spielminuten dankbar.

Ihre Fitness scheint Ihr geringstes Problem zu sein. Gibt es eine Art Ranking Ihrer bevorzugten Sportarten?

Der Fokus liegt schon auf Fußball. Mittlerweile habe ich aber auch wieder den Spaß am Basketball gefunden. Während der Coronazeit genieße ich die Möglichkeit, mich spezifischer dem Kraftsport, Joggen oder dem Downhill-Mountainbiken zu widmen. Gerade bin ich dabei, meine Fitnesstrainerlizenz zu absolvieren. Im Winter dürfen das Snowboarden und Skifahren nicht fehlen. Ich liebe einfach die Abwechslung.

Das hört sich so an, als wären Sie ein sehr strukturierter Mensch. Ist das so?

Also ich persönlich würde mich eher als eine Chaotin bezeichnen, die es irgendwie letztendlich doch meistens schafft, alles wieder unter einen Hut zu bekommen. Wie das manchmal klappt, weiß ich letztendlich selbst nicht. Aber eine gewisse Struktur muss wohl doch zwangsläufig vorhanden sein.

Eine Portion Ehrgeiz gehört sicher zu Ihrer Persönlichkeit...

Wenn ich mir im Leben etwas vorgenommen habe, ziehe ich das eigentlich auch durch und versuche mich selbst zu verbessern. Dafür nehme ich viel in Kauf. Manchmal will ich aber auch zu viel und muss mich selbst etwas bremsen. Beim Sport speziell äußert sich der Ehrgeiz sicherlich oftmals durch mein lautes Organ auf dem Platz (lacht).

Stichwort Regeneration. Können Sie einem gemütlichen Fernsehabend oder einem guten Buch etwas abgewinnen?

Regeneration gehört natürlich dazu. Wenn man tatsächlich mal Zeit für einen gemütlichen Fernsehabend findet, genieße ich ruhigere Stunden auf jeden Fall. Am nächsten Tag darf dann aber gerne wieder Action auf dem Programm stehen.

Wie sehr achten Sie auf die Ernährung? Was ist als kulinarische "Sünde" erlaubt?

Ernährung ist beim Sport natürlich ein sehr wichtiger Punkt, deshalb liegt diese mir auch am Herzen. Ich koche gerne und schaue grundsätzlich, was ich esse, damit mein Körper gut versorgt ist. Ich bin aber immer für ein gesundes Mittelmaß und halte nicht so viel von grundsätzlichem Verzicht. Wenn ich Appetit auf etwas habe, dann esse ich es auch.

Sind Sie diejenige, die bei Mannschafts-Feiern die anderen nach Hause bringt?

Ich bin ein geselliger Mensch, der auch gerne feiert. Ich bin als Fahrer bekannt, der gerne ausgiebig und bis zum Angehen der Lichter mitfeiert. Aber natürlich genieße ich es auch mal, wenn das Fahren jemand anderes übernimmt...

Sie sind viel auf Achse, aber auch heimatverbunden. Was hält Sie in der Region?

In erster Linie sind es Familie, Freunde und ganz allgemein die Leute. Ich bin hier aufgewachsen, durfte hier viele schöne Dinge erleben, die mich mit der Heimat verbinden. Wenn man mal weiter weg war, schätzt man das umso mehr.

Ihr Bruder Simon ist Torhüter bei den Fußballern der SG Oerlenbach/Ebenhausen. Schauen Sie dort ab und an mal zu?

Klar schaue ich meinem Bruder gerne zu und unterstütze ihn von außen. Danach folgt natürlich die geschwisterliche Spielanalyse. Bei der Gelegenheit trifft man natürlich auf viele Leute aus dem Dorf und ich genieße die Atmosphäre am Spielfeldrand.

Was kann Ihr Bruder von Ihnen lernen und umgekehrt?

Mein Bruder und ich profitieren schon immer voneinander. Wir spielten jahrelang in den gleichen Mannschaften und haben einen ähnlichen Bekanntenkreis. Als Geschwisterteil ist man in vielen Belangen direkter und ehrlicher, wodurch man das eigene Verhalten oder die eigene Leistung eher hinterfragen kann. Das bringt für uns beide einen Vorteil.

Sie waren mal ein großer Fan von Philipp Lahm. Wieso eigentlich?

Er war für mich immer ein Fußballer, der trotz legendärer Karriere scheinbar auf dem Boden geblieben ist. Diese Konstanz in Leistung und Bescheidenheit in Person habe ich immer bewundert. Zuletzt war er einfach ein sehr guter und schlauer Fußballer.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele an Lisa Hofmann weiter. Sie war mir als Physiotherapeutin sehr behilflich. Wir sind auf einer Wellenlänge und unternehmen gerne was zusammen. Lisa hat eine herausragende Karriere als Leichtathletin hinter sich und ist für mich eine bemerkenswerte Sportlerin, die vielseitig aktiv ist. Dies halte ich bei Frauen eher für eine Seltenheit.