Langeweile ist ein Beziehungs-Killer. Aber nach vielen Jahren ist Wieslaw Karwacki immer noch die Nummer Eins bei den Volleyballerinnen des TSV Wollbach. Der Patriarch, der sich auskennt mit Frauen und deren Launen. "Du musst streng, aber auch Kumpel-Typ sein, damit du als Trainer akzeptiert wirst", sagt der Zahlbacher. Der 52-Jährige, der in seiner oberschlesischen Heimat einst in der ersten polnischen Liga spielte, setzt Emotionen gezielt ein. Wer nicht zuhört, muss einen verbalen Orkan fürchten. "Das ist normal und passt auch. Sonst kommt es bei uns nicht an", sagt Vera Müller. Ist der Trainer zufrieden, werden die Protagonisten schon mal mit Rosen überrascht, "weil man die Spielerin immer auch als Frau sehen muss". Kavalier und Despot. Ein Spannungsbogen, der funktioniert.

Der Trainer trifft die richtigen Entscheidungen

"Der Trainer kennt unsere Stärken und Schwächen ganz genau.
Daher brauchen wir ihn", gibt Caro Fischer zu. Knapp über 20 Jahre liegt das Durchschnitts-Alter der Mannschaft. Erfahrung ist da Luxus. "Wenn es zu gut läuft, neigen wir zu Leichtsinn. Wieslaw schaut sich aber jeden Gegner genau an und trifft dann die richtigen Entscheidungen. Er hat einfach Ahnung", weiß Vera Müller. Einst hatte Karwacki ein Damenteam des TSV Wollbach bis in die Landesliga geführt. Nach Jahren der sportlichen Stagnation ist mittlerweile eine neue Generation herangewachsen, die an solche Erfolge anknüpfen kann. Im Vorjahr hatte das Team freiwillig auf die Aufstiegs-Relegation verzichtet. "Die Saison war nicht so gut verlaufen und wir waren vielleicht auch noch nicht so weit. Außerdem wollten wir unbedingt als Meister aufsteigen. Wenn, dann g'scheit", so Vera Müller, die Kapitänin. Gefeiert wird noch. Nach dem letzten Spieltag und bei der Abschluss-Fete im Sommer. Stilecht mit Meister-T-Shirts. In schwarz mit Schrift in pink. Weil es auffallen soll.

Karwacki vertraut seinem Team

In der Bezirksliga traut Karwacki seinem Team auf Anhieb einen Platz im Mittelfeld zu. Weil die TSV-Damen eine verschworene Einheit sind und seit Kindesbeinen an gemeinsam auf dem Feld stehen. Abwerbungs-Versuche gibt es immer wieder, aber Wechsel sind die absolute Ausnahme. Und weil die Truppe enorm heimstark ist. Die kleine Schulturnhalle in Burkardroth liegt vielen Gegnern nicht. 30 Zuschauer kommen im Schnitt zum Anfeuern. Erstaunlich, weil sich ein Spieltag mit drei Matches über vier Stunden hinziehen kann. Edel-Fan Frank Schlereth ist genauso immer da wie der umtriebige Abteilungsleiter Hajo Müller. Auch viele Fußballer sorgen für Stimmung - und Umsatz. Um das Catering kümmern sich die Eltern. Man hilft sich, man vertraut sich. Selbstbedienung funktioniert, weil jeder seinen Obolus freiwillig entrichtet.

"Positiv überrascht"

Gewachsene Strukturen helfen, Herausforderungen zu meistern. Die Vorbereitung auf die Saison war nämlich denkbar schlecht gelaufen, da die Renovierungsarbeiten in der Halle erst unmittelbar vor dem ersten Heimspiel abgeschlossen waren. Ein paar Mal konnte in Lauter trainiert werden. Ansonsten hielt sich das Team fit mit Kursen in Zumba und Body-Styling. "Daher waren wir vom Saisonverlauf positiv überrascht", sagt Caro Fischer.
Nur Karwacki nicht: "Mir war klar, dass wir aufsteigen. In Sachen Technik und Spielvermögen ist unser Niveau wirklich gut. Die Truppe muss aber selbstbewusster werden, um unter Druck nicht den Faden zu verlieren." Kleine Psycho-Kniffe kommen bislang nur vom Trainer, der abgesehen von einer kleinen Auszeit seit über 15 Jahren den Volleyballsport beim TSV Wollbach forciert. Und damit weiterführt, was Walter Kuhn aufgebaut hatte. "Ich bin dem Team aber auch etwas schuldig. Denn ich weiß es zu schätzen, dass die Spielerinnen ihrem Heimatverein immer wieder treu bleiben."

Für Nachwuchs ist gesorgt

Zweimal in der Woche wird trainiert. Und das intensiv. "Volleyball ist wie Schach mit 200 Stundenkilometern", sagt Karwacki. Weshalb Spielintelligenz genauso wichtig ist wie die Fitness. Für "Nachschub" wird beim TSV Wollbach bestens gesorgt. Die vor den Damen trainierenden Kinder merken bei den Anweisungen von Karwacki schnell, dass Erfolg auf harter Arbeit basiert. Liegestützen und den anstrengenden Pendel-Lauf haben auch die aktuellen Champions bereits zig-mal gemacht. Es hat sich gelohnt.