Der Händedruck ist fest. So wie man ihn von einem Eishockey-Spieler erwartet. Mit seinen 65 Jahren steht Douglas Kacharvich natürlich nicht mehr aktiv auf dem Eis. Doch steht die Begrüßung stellvertretend für den Stil, den der neue Trainer der Kissinger Wölfe bevorzugt. Physisch soll Eishockey sein, kanadisch halt. Der Gegner soll spüren, wer auf der anderen Seite wartet. "Wir wollen in jedem Spiel Kampfgeist und Biss zeigen", kündigt Kacharvich an. Das ist das Ziel. Nicht ein Tabellenplatz, nicht eine Punktzahl. Solche Statistiken interessieren Kacharvich nicht. "Nur nicht absteigen" heißt die einzige sportliche Vorgabe.

Das zweite Landesliga-Jahr wird ein schweres. Weil viele Spieler den Verein verlassen haben. Weil nur eine Handvoll neuer Akteure den Weg an die Saale fand. Ein Eugen Nold wird aufgrund einer Sperre noch drei Spiele aussetzen, ein Manuel Wehner, ebenfalls ein Ex-Haßfurter, stand mit seinen neuen Kollegen noch nicht einmal auf dem Eis. Beim ersten Saisonspiel in Mitterteich hatten die Kurstädter zwei Reihen aufgeboten, gerade so. Im Vorjahr konnten die Wölfe aus zu vier Formationen wählen. Und doch blickt keiner mehr zurück. Bringt nichts. Kacharvich hat sich damit arrangiert, aus wenig viel machen zu müssen. Geringe Eiszeit, dünner Kader. Taktik-Training? "Ich kann nur Grundlegendes einstudieren. Eine Taktik ist bei uns derzeit immer auch vom Personalstand abhängig." Zumindest die Voraussetzungen passen. "Wir haben eine eigene Halle, wir haben eine eigene Kabine. Es ist o.k." Kacharvich hat eine beachtliche Trainer-Karriere hinter sich mit vielen Stationen, auch international. Zuletzt war der Sohn eines Jugoslawen und einer Deutschen Nachwuchs-Trainer bei den Jungadlern in Mannheim, wo seine Lebensgefährtin wohnt und arbeitet.


Hoffnungsträger der Wölfe


Einsam ist der mit seinen Eltern früh nach Kanada ausgewanderte Kacharvich nicht. "So langsam kenne ich mich hier aus. Bad Kissingen ist wirklich sehr schön. Natur und Kultur sind beeindruckend. Und auch sportlich gibt es neben Eishockey einiges", sagt der Wahl-Reiterswiesener, der mit Akribie das Kissinger Eishockey voranbringen will. Und da ist das Landesliga-Team nur einer von vier Bausteinen. Denn der Verein will mit Kacharvich auch die Nachwuchsarbeit neu beleben. Dazu gehört eine Eishockey-Schule ebenso wie angedachte Kooperationen zwischen Schulen und dem Verein, speziell für Erst- bis Drittklässler.

Und das Training mit dem vereinseigenen Eishockey-Nachwuchs, der unter anderem betreut wird von Al Joanette. Der 25-Jährige ist der sportliche Hoffnungsträger der Wölfe. Der smarte Kanadier mit Universitäts-Abschluss kommt aus derselben Stadt wie Kacharvich. Man kennt sich, man schätzt sich. "Ich gebe dir eine Chance, in Kissingen zu spielen und sich dort ohne großen Druck weiterzuentwickeln", hatte der Trainer geworben. Der Stürmer mit der "9" auf dem Rücken, der an seiner Uni mehrere nationalen Meisterschaften feierte "ist auch menschlich eine Bereicherung", sagt Kacharvich.

Am Sonntag (18 Uhr) findet gegen den ERSC Ottobrunn das erste Heimspiel statt. Auf Teamgeist und Charakter wird es ganz besonders ankommen. Ehrliches Eishockey. Die Fans sollten es honorieren.