Seit Beginn des Schuljahres gibt es im Sonderpädagogischen Förderzentrum Saaletal-Schule eine Sozialarbeiterin: Diplom-Sozialpädagogin Melanie Faulhaber (26) wurde im Rahmen des Projektes "Jugendsozialarbeit an Schulen", kurz JaS, eingestellt. "Ich finde gut, dass sie Menschen hilft, sich untereinander besser zu verstehen", sagt Schülerin Annalena. Die Zwölfjährige besucht die 6. Klasse und trifft Melanie Faulhaber regelmäßig in der Mittagsbetreuung.
"Die Lehrer erklären alles einmal, und dann ist die Sache für sie erledigt", beschreibt Annalena den Unterschied zur Sozialpädagogin. Melanie Faulhaber hat vor allem eines: Zeit für Einzelgespräche. Das kommt bei Schülern und Lehrern super an.

Breit gefächertes Spektrum

"Ich find's gut, dass sie da ist", sagt auch der 13-jährige Justin aus der 7. Klasse. Er freut sich vor allem über Ausflüge in den Kurpark. "Ich klettere gerne", erzählt er vom Lieblingsbaum der Schüler. Sein 14-jähriger Mitschüler Mario erinnert sich spontan an die Zubereitung von Smoothies: "Die haben lecker geschmeckt." Was sie sonst so mit der Sozialarbeiterin besprechen, darüber reden die Schüler dagegen nicht so gerne.
"Wir machen ganz unterschiedliche Sachen", fasst Melanie Faulhaber ihre Arbeit zusammen. Zum Beispiel gestaltete die 26-Jährige mit den Schülern den Aufenthaltsraum "Relaxo" neu, entwarf Foto-Leinwände oder machte in Zusammenarbeit mit einem Drogeriemarkt ein Projekt über Körper-Hygiene und Schminken. Die Sozial-Pädagogin organisiert jedoch nicht nur kreative Angebote, sondern kümmert sich auch um viele andere Problemfelder: "Die Schüler wissen, dass da jemand ist, der auch mal zuhört und etwas mehr Zeit hat." Gerade die Einzelgespräche würden Schüler und Eltern oft weiterbringen.

Initiative gegen Mobbing

Das sieht auch Schulleiter Norbert Paul so: "Die Sozialarbeiterin ist ein großer Gewinn für unsere Schule, sie hat frischen Wind gebracht." Sie habe viel mehr Möglichkeiten, etwa in der Elternarbeit: "Sie kann eben auch während der Unterrichtszeiten mit einem Schüler ins Elternhaus oder zum Arzt fahren." Zudem habe die Sozialarbeiterin an einer Klassenfahrt teilgenommen und in einer Initiative gegen Mobbing "sehr fruchtbar gewirkt". Auch Projekte wie das Hygiene-Seminar bezeichnet der Schulleiter als Bereicherung: Melanie Faulhaber könne Mädchen viel besser betreuen, unter anderem berate sie eine schwangere Schülerin.
Deshalb wäre es Paul am liebsten, wenn zum einen die halbe auf eine ganze Stelle aufgestockt würde und Melanie Faulhaber auch für die Grundschule zuständig wäre, denn: Weil die in Caritas-Trägerschaft ist und der Landkreis lediglich für die Schüler ab der 5. Jahrgangsstufe zuständig ist, ist auch die Jugendsozialarbeit auf die älteren Schüler beschränkt.
Melanie Faulhaber ist zur Hälfte in der Saaletal-Schule und zur Hälfte in der Berufsschule tätig. Dort betreut sie unter anderem Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Das Konzept für Faulhabers Stelle hat Jugendamtsleiter Siegbert Goll erarbeitet. Träger ist die Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi), eine Tochter der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Schweinfurt. "Die Jugendsozialarbeit an Schulen ist sehr wichtig", zieht Goll nach dem ersten Schuljahr Bilanz.

Kreisräte kritisieren Freistaat

Landrat Thomas Bold erinnerte in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses daran, dass die Kommunen zunächst nicht bei dem Projekt mitzogen. Mittlerweile haben sich die positiven Erfahrungen mit JaS an der Saaletal-Schule aber herumgesprochen: Hammelburg möchte eine Sozialarbeiter-Stelle für die Grund- und Mittelschule, Bad Brückenau eine für seine Mittelschule, Münnerstadt und Nüdlingen wollen sich eine teilen.
Kritik gab es im Jugendhilfeausschuss daran, dass der Freistaat nur einen Teil der Kosten übernimmt: 16 360 Euro kommen aus München, für Kommunen und Landkreis bleiben je nach Besetzung zwischen 14 000 und 19 000 Euro pro Stelle. Der Beschluss fiel trotzdem einstimmig, allerdings können die neuen Schul-Sozialarbeiter erst für das Schuljahr 2015/16 beantragt werden.