Finanzen sind in der Großen Kreisstadt ein heikles Thema. Da trifft es sich, dass der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) als Festredner zum Neujahrsempfang der Stadt in den Tattersall gekommen ist. Weil die Stadt stark auf Zuschüsse und Investitionen des Freistaates angewiesen ist, gingen entsprechend viele Lobesworte von Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) in Richtung des Gastes. "Wenn in Bad Kissingen investiert wird, ist oftmals der Freistaat beteiligt. Wir sind stolz, ein Staatsbad zu sein und freuen uns, wenn der Freistaat auch stolz auf sein Staatsbad ist", so der Oberbürgermeister. Er dankte Söder für sein Engagement bei der Suche nach einem Investor für ein neues Kurhaushotel.

Blankenburg hofft, dass sich der Freistaat auch in Zukunft an die Seite seines bekanntesten Kurortes stellt. Denn trotz Investitionen von derzeit mehr als 80 Millionen Euro, bestehe weiter Handlungsbedarf, etwa beim Kurtheater, beim Gradierbau sowie in der Unteren Saline. "Ich möchte Dr. Söder nicht auf die Nerven gehen, aber wenn ich jetzt nichts fordere, sind 22 000 Bad Kissinger sauer auf mich", merkte der OB launig an.


Söder im Wahlkampfmodus

Der Minister nahm den Ball mit Humor auf, präsentierte sich der Stadt verbunden und gab sich nahbar. "Ich komme gern nach Bad Kissingen, aber es ist für mich immer eine außerordentlich teure Veranstaltung", entgegnete er. Trotzdem war es Formsache, dass er weitere Unterstützung für das Staatsbad an der Saale und auch für die Region Rhön im Zuge der bayerischen Heimatstrategie zusagte. "Bad Kissingen ist ein Juwel und Juwelen muss man polieren, bis sie strahlen", so der Minister. Sollte dann noch ein neues Kurhaushotel realisiert werden, befände sich Bad Kissingen "im politischen Paradies". Söder nutzte seine Redezeit auch, um auf die Bundestagswahl einzugehen, insbesondere auf die Themen Integration und innere Sicherheit. Zwar habe Deutschland die Pflicht zu helfen, aber eine unkontrollierte Zuwanderung dürfe es nicht geben. "Es braucht einen klaren Plan, humanitäre Hilfe und den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten", sagte er.


Hübsche Stadt mit Kostenproblem

Söders Bekenntnis zu Bad Kissingen wurden von den rund 300 Gästen positiv aufgenommen. In lokalen CSU-Kreisen war allerdings leises Gemurre zu hören, der Minister habe den SPD-Oberbürgermeister doch etwas zu sehr gelobt.

Dessen Rede wiederum lässt sich so zusammen: Finanzen sind deshalb ein heikles Thema, weil Bad Kissingen einerseits zwar viel Geld einnimmt, andererseits aber die Kosten in manchen Bereichen wie in Schulen, Kindergärten und beim Heilquellenschutz davonlaufen. Trotzdem: "In Bad Kissingen geht etwas", sagte Blankenburg. Vom Neubau des Rosenhofs und dem Hotelanbau beim Cup Vitalis über das Behördenzentrum im Luitpoldbad bis zur Ansiedlung der Außenstelle des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im Kurhausbad. Die Stadt sei attraktiv, was sich an Millioneninvestitionen von Privatunternehmern und der öffentlichen Hand zeige.


Stimmen zum Neujahrsempfang

Liane Keßler (DBK-Vorsitzende) findet die Aussagen sowohl vom OB, als auch vom Minister treffend. "Es waren passende Worte", sagt sie. "Es wäre schön, wenn sie auch in die Tat umgesetzt würden." Beide Politiker zeigten sich rhetorisch gut aufgelegt. "Es war kurzweilig, humorvoll und kam sympathisch rüber. Es wurde Positives wie auch Kritisches angesprochen, aber nicht verletzend, sondern auf angenehme Art."

Helmut Beck: "Es war eine Runde Sache", meint der Vorsitzende des Seniorenbeirates. "Söder hat zwar nichts Neues, aber viel Wahres gesagt. Und es gehört sich in der Politik so, dass der Oberbürgermeister den, der das Geld hat, loben muss." Der Abend hatte hohen Unterhaltungswert. "Es waren kurzweilige, rhetorisch gute Reden beider Politiker, bei denen man auch viel zwischen den Zeilen lesen konnte."

Dagmar Kiesel (Obst- und Gartenbauverein Reiterswiesen) ist vor wenigen Jahren aus Mittelfranken nach Reiterswiesen gezogen und engagiert sich mittlerweile in verschiedenen Vereinen. "Es war ein gelungener Auftakt ins Jahr. Die Reden haben das widergespiegelt, was ich mir persönlich auch vorgenommen habe. Es wartet so viel darauf, dass wir es angehen. Ich habe einige Anregungen mitgenommen, wie man es umsetzt", sagt sie.

Veronika Loose: Die Veranstalterin des Umsonst & Draußen-Festivals hatte vorab keine konkrete Erwartung an den Abend. "Die Rede vom Oberbürgermeister war erwartungsgemäß unterhaltsam und informativ", findet sie. "Die Rede von Minister Söder hat mich überrascht. Ich fand es aber gut, dass Söder gekommen ist und dass er seine Verbundenheit zur Stadt gezeigt hat", sagt Loose.