Zuversichtlich waren die drei Organisatoren zwar schon vorher. Aber mit einem solchen Erfolg hatten Frank Schmitt, Alexander Albert und Benno Schneider wirklich nicht gerechnet: 120 Gäste aus der ganzen Region, von Oerlenbach bis Bischofsheim, waren zum ersten offenen Wirtshaussingen nach Steinach gekommen und hatten Festsaal und Wirtsstube im Gasthaus Schneider in Beschlag genommen. Sogar ein Auto aus der Schweiz war vor dem Eingang geparkt.
"Ich fürchtete schon, ich müsste Gäste abweisen", sagte Gastwirt Benno Schneider kurz nach Beginn der Veranstaltung erleichtert. Im Wirtshaus war zwar kein Durchkommen mehr. Freundesgruppen hatten sich schon Tage vorher Tische reservieren lassen. Der erste Gast war aus Angst um einen guten Platz schon 90 Minuten vor Veranstaltungsbeginn erschienen.
Frank Schmitt hatte anfangs noch befürchtet, allein mit seinem Akkordeon für die musikalische Begleitung der Sänger sorgen zu müssen. Vielleicht hatte er deshalb seinen Sohn Nils (4) mitgebracht, der ihn nach Kräften am kindgerechten Akkordeon unterstützen oder mit Holzlöffeln den Rhythmus schlagen sollte. Aber dann fanden sich doch noch rechtzeitig ein paar Musiker mit Harmonika, Gitarre, Bass und Tuba ein, so dass eine richtige Kapelle den Sängern ihre Melodien vorgab - ohne Mikros und Verstärkeranlage.

Auf der Straße zu hören

Auf den Tischen des Festsaals und in den Nischen der Wirtsstube waren Liedertexte ausgelegt, so konnten auch unsichere Sänger mithalten. An Lautstärke mangelte es jedenfalls keinem. Schon von weitem war auf der Straße der kraftvolle Gesang aus 120 Kehlen zu hören.
Eine Nische hatten sich zehn Freunde aus Bad Neustadt und Burglauer gesichert. "Wir sind alle aus Freude an der Volksmusik gekommen", erklärte Gerhard Hippeli. Er spielt daheim Akkordeon und sorgt hin und wieder in Altersheimen für Stimmung. "Hier suche ich neue Anregungen."
Auch aus Niederlauer und Oberelsbach waren sangesfreudige Gäste im Saal ebenso wie aus Bad Kissingen. "Aus Liebe zum Wirtshaussingen" ist Michael Alef extra aus Bastheim gekommen. Er spiele zwar Akkordeon, "aber nicht so gut wie der Frank".
Textsicher und besonders kräftig sangen natürlich die Profis der "Sängerlust 1921 Steinach". Für sie war dieses erste Wirtshaussingen ein willkommenes Heimspiel. "Vielleicht bekommt unser Gesangsverein dadurch neue Mitglieder", hofft Lorenz Bocklet aus Bad Bocklet. Wie viele andere stammte auch er nicht aus Steinach. Doch einige echte "Stänicher" seien tatsächlich unter den Gästen gewesen, war zu erfahren. Wie lange sollte der Abend dauern? Schmitt: "Gesungen wird, bis die Stimme bricht." Das war erst kurz vor Mitternacht.
Dieses erste offene Wirtshaussingen in Steinach hat jedenfalls - gemessen an Gästezahl, Einzugsgebiet und Stimmung - bewiesen, dass Volksmusik wieder im Kommen ist. Es hat aber auch gezeigt, dass fröhliche Musik grenzenlos in Raum und Zeit ist und Menschen unterschiedlichen Alters aus Nah und Fern im Gesang zusammenführt. Genau dies war die Absicht der drei jungen Veranstalter Frank Schmitt, Alexander Albert und Benno Schneider. Ihr Plan ging auf. Ein zweites Wirtshaussingen wird es in Steinach garantiert geben, steht für sie fest.