Solchen Nachwuchs wünscht sich die Armee. Maximilian Bauer (20) aus Immenstaad am Bodensee ist Fallschirmjäger und Zeitsoldat. Drei Tage nach seinem Abi-Ball ist er zum Offiziersanwärterbataillon 2 (OA Btl) in Hammelburg eingerückt. Zusammen mit 530 Kameradinnen und Kameraden sowie 60 Soldaten der siebten Kompanie der Infanterieschule hat er in Bad Bocklet seinen feierlichen Diensteid abgelegt.
Warum zum "Bund"? Die Antwort: "Es gibt immer noch Leute, die trotz der schrecklichen Vergangenheit Deutschland dienen wollen." Es gebe aber auch finanzielle Aspekte. Die Werte, die die Bundeswehr vertrete, spielten eine Rolle und die körperlichen Anforderungen. "Das alles in Verbindung mit dem Studium ist für mich das Optimum", sagt Bauer.
Vater Jens stimmt ihm zu. Kein Wunder, er war Offizier in Volkach und Hammelburg. Jetzt arbeitet er bei General Dynamics, einem Rüstungskonzern.
Am Donnerstag wird Sina Hilkenmeyer 19. Wegen des Studiums will sie Offizierin werden. Das sei "auch mal etwas ganz anderes". Mit ihren Kameraden habe sie kein Problem, "man gewöhnt sich an den rauen Ton". Die künftige Feldjägerin sagt, ihr Papa habe das - zunächst - nicht so gut gefunden. Die Mama sei ja immer besorgt. Aber beide unterstützten sie. Dass sie auch mit Auslandseinsätzen rechnen müsse, schrecke sie nicht ab: "Hätte ich damit ein Problem, wäre ich nicht dabei."
Für sie und für Maximilian Bauer war es eine Ehre, dass Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) zur Vereidigung gekommen war. Der Festakt fand im Kurpark des Bades statt, das mit dem OA-Bataillon seit sechs Jahren eine Patenschaft pflegt. War das dem Wahlkampf geschuldet? Nein, sagt Oberstleutnant Frank Moritz. Es handele sich um die Sommerreise des Ministers. Der habe nach Hammelburg kommen wollen, man habe sich für Bad Bocklet entschieden.
Er sei stolz, der Bataillonskommandeur zu sein, sagte Moritz bei seiner Ansprache. Es sei ihm eine tägliche Freude, so viel Motivation und pflichtbewusste Einstellung zu erleben.
Minister de Maizière bekundete den jungen Menschen seinen großen Respekt für ihre Entscheidung, Soldat zu werden. Denn von niemandem sonst werde Tapferkeit im Beruf verlangt; "wir verlassen uns auf Sie, wir vertrauen Ihnen". In seiner klugen Rede betonte er, die Bundeswehr sei im freiheitlichen Rechtsstaat fest verankert. Sie sei eine Armee der Demokratie.
Am Rande der Veranstaltung sagte er, Hammelburg bleibe Herz und Hirn der Infanterie. Bei der Umstellung zum Ausbildungszentrum werde es nicht unerhebliche Probleme geben.
Bad Bocklets sichtlich nervöser Bürgermeister Wolfgang Back (CSU) sagte, er hoffe, dass die künftigen Offiziere nur sinnvolle Befehle und Aufträge erhalten - und nur solche erteilen.

Geschichte Das OA-Btl 2 der Bundeswehr wurde am 1. Januar 2006 bei der Infanterieschule in Hammelburg aufgestellt. Es ist Teil der Streitkräftebasis und untersteht dem Schulkommandeur, Brigadegeneral Gerd-Johannes Hagemann. Die ersten 385 Offiziersanwärter wurden im Juli 2006 aufgenommen. Der Verband besteht aus drei Ausbildungskompanien mit Kompanieführung und jeweils vier Ausbildungszügen. Er hat hat eine Lehrgangskapazität von über 500 Teilnehmern und bei voller Auslastung einen Personalumfang von insgesamt 525 Soldaten. Kommandeur ist derzeit Oberstleutnant Frank Moritz (47). Ein weiteres Offiziersanwärterbataillon ist in Münster stationiert.

Aufgabe Das OA-Btl 2 führt im ersten Halbjahr den Lehrgang Überleben im Einsatz durch. Es nimmt zum 1. Juli Rekruten auf, die Offiziere im Heer werden wollen. Dieser Lehrgang dauert sechs Monate. Er umfasst Grundausbildung, Waffendienst, Sport und Unterrichte. Dazu kommen ein Aufenthalt auf einem Übungsplatz und weitere Ausbildungen. Danach absolvieren die Anwärter Praktika in der Truppe, einen Sprachkurs und den ersten Teil der Offiziersausbildung an der Offiziersschule des Heeres in Dresden sowie ein Studium an einer Bundeswehr-Uni. Das blaue Verbandsabzeichen zeigt das Eiserne Kreuz, zwei gekreuzte Säbel und den Schriftzug Hammelburg.