Für Lena ist es das Normalste der Welt, mit ihrer kleinen gelben Schaufel zwischen den Kühen und dem Heu herumzuflitzen. Die Zweijährige ist den allermeisten Kindern etwas voraus: Sie erlebt, wie es auf einem modernen landwirtschaftlichen Hof zugeht. Welche Arbeit erledigt wird, bis die Milch den Stall verlässt - bis sie von dem großen Lkw abgeholt wird, um in der Molkerei weiterverarbeitet zu werden, damit sie schließlich als Joghurt, Käse und Co. die Regale im Supermarkt füllt, aus denen sich die meisten ganz selbstverständlich bedienen. Geht es nach dem Landwirtschaftsamt, soll sich das bald ändern. Klappen soll das mit dem Projekt "Fridays on Farms".

Lenas Abenteuerspielplatz ist der Arbeitsplatz ihres Papas. Daniel Kiesel hält hier am Ortsrand von Reiterswiesen 70 Milchkühe. Früher wäre er wohl einer von vielen gewesen, meint Peter Will vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bad Neustadt. "Heute ist ein Landwirt ein Exot im Dorf." Und genau da fängt das Dilemma an.

"Ich finde es wichtig, dass sich die Jugend Gedanken über die Zukunft macht", sagt Theresia Dietz vom AELF. Sie will mit ihrer Idee vom Bildungsprojekt "Fridays on Farms" nicht nur namentlich, sondern auch inhaltlich an die Freitagsdemos "Fridays For Future" anknüpfen. Themen: Wasserqualität, Bodenqualität, Biodiversität. Sie will Schüler sowie Lehrer aus dem Klassenzimmer auf die Höfe holen. Starten soll das Projekt im Herbst, wenn das neue Schuljahr angelaufen ist - wie der Titel sagt: freitags. Drei Betriebe im Landkreis Bad Kissingen und zwei im Kreis Rhön-Grabfeld werden ihre Tore für einen Blick hinter die Kulissen öffnen. Daniel Kiesel aus Reiterswiesen ist einer von ihnen. Er stellt sich auf viele Fragen ein: Wo kommt das Futter her? Was passiert als Nächstes mit der Milch? Die Gesellschaft habe den Bezug zur modernen Landwirtschaft, wie sie heutzutage betrieben wird, verloren, sind sich die Verantwortlichen einig. Viele haben eine "einseitige Sichtweise", meint Peter Will vom AELF. "Und das kann man ihnen nicht mal vorwerfen."