Mit Standing Ovations bedankten sich die 150 Besucher, die zu einem Konzert mit der Sopranistin Lisa Bauer, begleitet von Anton Mangold auf der Harfe, in die Pfarrkirche gekommen waren. Die schwedische Künstlerin ist die Urgroßnichte von John Bauer, dem berühmten schwedischen Maler, dem in Ebenhausen ein Museum und die "trollige Riedelgrube" gewidmet sind und dessen Vater Josef Bauer in Ebenhausen geboren wurde.

Lisa Bauer absolvierte nach dem Abitur in Stockholm und
Göteborg ein Musik- und Gesangsstudium, das sie 2011 abschloss. Seitdem wirkt sie in der "Nordic Chamber Opera", einem Ensemble für Kinderopern, mit. "Unsere Tourneen führen uns durch ganz Schweden, um die Kinder für Musik und Gesang zu begeistern", sagt sie. Der Auftritt in der Kirche in Ebenhausen sei ihr erstes großes Konzert außerhalb Schwedens. "Großen Einfluss auf mein Wirken haben die Bilder von John Bauer, denen ich im Hause meiner Oma laufend begegne. Wie er die Welt sah und wertete, inspiriert mich immer aufs Neue, vor allem wie er vom Äußeren in das Innere vordrang und mit dem Herzen das Wesen entdeckte."

Das Konzert selbst begann mit einigen schwedischen Liedern, darunter ein Gebet zur Nacht, eine Ballade von Elfen am Bachrand und ein Liebeslied. Höhepunkt waren drei Ave Maria von Mascagni, Bach/Gounod und Caccini. Die Künstlerin belegte ihr vielfältiges Repertoire mit französischen und amerikanischen Songs sowie Mantren aus Indien, ehe sie mit "Wiegenlied" und "Morgen" von Richard Strauß das Programm abrundete. Mit ihrer einfühlsamen, voluminösen Stimme erfüllte sie den Kirchenraum, wunderbar untermalt vom Harfinisten Anton Mangold aus Schweinfurt. Einige Werke, teilweise selbst komponiert und getextet, begleitete sie selbst auf der Hammondorgel.

Feste Bindung zu Schweden

"Wir durften ein ganz besonderes Konzert miterleben. Sie brachten Musik aus Schweden in wunderbarer Weise zu uns, aus einem Land, zu dem wir über John Bauer tiefe, feste Bindungen haben", sagte Bürgermeister Franz Kuhn. Er dankte vor allem Anja Erz-Holschuh, die das Konzert arrangiert hatte und die als "Schwedenfan" eigene Texte und Gedichte in Anlehnung an die Liedinhalte und an die Mittsommerzeit in den Programmablauf einfügte.
Den Besuch der Sängerin begleiteten ihre Mutter Lena Larsson und ihre Großmutter Margaretha Blomberg-Bauer, die in einem Gruß verdeutlichte: "Wir sind so glücklich hier in Ebenhausen, wo wir auf den Spuren unserer Vorfahren wandeln können." Sie schilderte in recht gutem Deutsch ihre Familiengeschichte: "Mein Großvater Josef Bauer wurde 1849 in Ebenhausen geboren und hatte acht Geschwister, von denen der Älteste namens Caspar in jungen Jahren nach Göteborg in Schweden auswanderte. Josef hatte vier Kinder, darunter mein Vater Hjalmar und John. Beide einte die Freude am Malen und die Liebe zur Natur. Mein Vater musste aber als Ältester die Metzgerei übernehmen, während der acht Jahre jüngere John schon als Kind dem Zeichnen frönte und mit 18 Jahren an der Königlichen Akademie der freien Künste in Stockholm studierte.

Bekannte Malereien

Berühmt machten ihn seine Illustrationen in Märchenbüchern. In seinen Bildern vereinen sich physische Wirklichkeit und mystische Welt. 1902 besuchte er auf dem Weg nach Italien Ebenhausen und zeichnete sein Vaterhaus, das südlich des Schlosses stand, inzwischen aber abgerissen ist. 1906 heiratete er. 1915 kam sein Sohn Bengt zur Welt. 1918 geriet die Familie bei einer Schiffsüberfahrt auf dem Vättersee in einen Sturm. Keiner überlebte. John wurde nur 36 Jahre alt. In Jonköping erinnern an ihn ein Denkmal im Stadtpark und ein Museum mit einer großen Sammlung seiner Werke. Mein Elternhaus schmückten viele Bilder von John", erzählte die 85-Jährige.

Der Kontakt zu Ebenhausen entstand über Siegfried Erhard, der vor Jahren als Bürgermeister das Museum in Jonköping besuchte. Margaretha Blomberg-Bauer griff die hinterlegte Adresse auf und traf sich später mit Anja Erz-Holschuh. Beide vereinbarten diese Form der Begegnung, die die Bande, die Kreisheimatpfleger Werner Eberth mit seinen Nachforschungen zu John Bauer wesentlich förderte, weiter festigte.