Eine Freiwillige Feuerwehr, deren komplette Mannschaft droht, hinzuwerfen, Rücktrittsforderungen aus dem Gemeinderat an die Bürgermeisterin, vakante Stellen in der Verwaltung, Knatsch zwischen Bürgermeisterin und Kindergartenleitung und Kindergartenträger. In Motten brodelt es derzeit gewaltig. Darum geht es - die Streitpunkte und die Positionen der Beteiligten im Überblick.

1. Hintergrund: Katja Habersack (parteilos) ist seit 2020 Bürgermeisterin in Motten. In den vergangenen Tagen und Wochen haben sich offenbar viele Konflikte derart zugespitzt, bis die zweite Bürgermeisterin Ute Becker (Wählergemeinschaft Motten) in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Bombe platzen ließ, Habersack das Vertrauen der Wählergemeinschaft entzog und den Rücktritt der Bürgermeisterin forderte. Habersack wiederum lehnt einen Rücktritt ab.Sie versichert, dass sie auf den Bürgerversammlungen der vergangenen Tage einen großen Rückhalt für ihre Arbeit wahrgenommen hat. Damit bleibt sie im Amt, die Amtszeit endet regulär 2026. Nach Auskunft der Rechtsaufsicht am Landratsamt kann ein Bürgermeister in Bayern nicht abgewählt werden, auch der Gemeinderat kann ihn nicht absetzen. Nur bei schweren Verstößen oder bei Dienstunfähigkeit kann die Amtszeit früher beendet werden.

2. Verwaltung: Das größte Konfliktfeld ist für Ute Becker und die WG Motten das Rathauspersonal. "Wir hatten im Rathaus über Jahre ein tolles Team, das gut zusammengearbeitet hat. Das hat sich zerschlagen", sagt sie. Die Mitarbeiter würden weglaufen, die Schuld sieht sie in der Personalführung der Bürgermeisterin. Stellen bleiben lange vakant. Becker und die WG befürchten, dass die Gemeinde irgendwann nicht mehr handeln kann. "Unsere Angst ist, dass wir das Ding an die Wand fahren", sagt Becker. Es hat ein moderiertes Gespräch mit Habersack, den Mitarbeitern und den Gemeinderäten gegen, welches allerdings keine Lösung gebracht hat. Ein weiteres Treffen sei angedacht gewesen, aber nicht zustande gekommen. Becker betont aber, dass die WG Motten weiterhin für eine vernünftige Arbeit im Gemeinderat zur Verfügung stehe.

Die Bürgermeisterin weist die Kritik zurück. Dass die Personalsituation angespannt ist, begleite sie seit ihrem Amtsantritt. Sie betont, Personalentscheidungen wurden im Gemeinderat immer mit großer Mehrheit oder einstimmig getroffen. Abgänge erklärt sie mit persönlichen Gründen der Mitarbeiter und einem grundsätzlichen Wandel der Arbeitswelt. Mitarbeiter verbringen heute nur selten ihr gesamtes Berufsleben bei einem Arbeitgeber. Lange Vakanzen erklärt sie mit der grundsätzlichen Schwierigkeit, Fachpersonal zu gewinnen. "Damit haben alle Verwaltungen zu kämpfen", sagt sie. Erschwerend hinzu kommen die Arbeitsbedingungen in einer kleinen Verwaltung, die in den vergangenen beiden Jahren viele große Projekte abzuwickeln hatte, zusätzlich zu Themen wie Pandemie und Energiekrise. Um Personal zu gewinnen, will Habersack Aufgabenbereiche anders aufteilen. Kurzfristig müsse die Gemeinde Themen priorisiert bearbeiten, um handlungsfähig zu bleiben. "Die Mitarbeiter sind hochmotiviert und engagiert", sagt sie. Dennoch bleibe es nicht aus, dass weniger akute Themen nicht bearbeitet werden.

3. Kindergarten: Die Leiterin des Kindergartens, Claudia Lieb, beschreibt das Verhältnis zu Habersack als zerrüttet - das gelte sowohl für sie persönlich, als auch die Mitarbeiterinnen der Einrichtungen und für den Träger. Das Problem bestehe seit April, in Zusammenhang mit dem Umzug des Kindergartens in den Neubau. Sie berichtet von einem konflikthaften Schriftwechsel zwischen beiden Seiten, und wirft Habersack eine schlechte Zusammenarbeit vor. "Viele Sachen wurden über unseren Kopf entschieden, wir hatten nur wenig Mitspracherecht", kritisiert sie. Außerdem wirft sie der Bürgermeisterin einen üblen Umgang vor. Sie sei nicht mehr bereit für ein Vier-Augen-Gespräch.

Habersack bestätigt den Konflikt. Dieser sei in Zusammenhang mit dem Umzug entstanden, der eine "Herausforderung für die Mitarbeiter" gewesen ist. Bauliche und finanzielle Problempunkte seien gelöst. Auf persönlicher Ebene sei sie zur Konfliktlösung bereit, wenn die Gegenseite sich ebenfalls offen zeige.

4. Feuerwehr: Tobias Leitsch war die vergangenen sechs Jahre Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Speicherz. "Bei uns ist das Problem, dass wir seit 60 Jahren ein neues Feuerwehrhaus wollen", erklärt er. Damals war die Wehr gezwungen, ihr altes Haus zu räumen und in ein Übergangsquartier zu ziehen, in dem sie sich bis heute befindet. Das Quartier weist erhebliche Mängel auf, unter anderem ist es dort nicht möglich, die Ausrüstung schimmelfrei zu lagern. In seiner Amtszeit habe er versucht, den Neubau voranzutreiben, was aber verschleppt wurde.

Aus Unzufriedenheit mit der Situation hat er sich nicht mehr zur Wahl gestellt und die aktiven Kameraden drohen aufzuhören, wenn die Gemeinde nicht handelt. Inzwischen hat der Gemeinderat beschlossen, als Übergangslösung zwei Container anzuschaffen. "Eigentlich reicht das nicht, aber als Übergang für den Winter ist es ausreichend", meint Leitsch. Er habe der Bürgermeisterin eine Frist bis Ende 2024 gesetzt - bis dahin erwarten sich die Wehrleute eine Lösung. Leitsch betont, dass die Kritik sich nicht allein an Habersack richtet, sondern an ihre Vorgänger und an den Gemeinderat.

Habersack sieht ebenfalls dringenden Handlungsbedarf. "Ich kann die Kritik verstehen", sagt sie. Das Problem sei lange bekannt. Eine schnelle Lösung könne sie nicht bieten, die Container verschaffen der Gemeinde Zeit für eine große Lösung. Ein Neubau sei nicht bis 2024 realisierbar. Aber eine verbindliche Entscheidung, was passieren soll, soll es geben. Aus ihrer Sicht ist zu diskutieren, ob für die Wehren in Speicherz und Kothen ein gemeinsamer Neubau realistisch ist. Dies will sie mit den Wehren und der Kreisfeuerwehrführung erörtern. "Mein Wunsch ist es, eine Konsenslösung zu finden, aber ich kann nicht alle Wünsche erfüllen. Wir müssen schauen, was finanziell machbar ist", sagt sie.