Weihnachten - für viele bedeutet das Planungschaos und die alljährliche Frage: Was ist das richtige Geschenk für die Verwandten, die aus der Rhön etwa für das Studium oder wegen der Arbeit in die Stadt gezogen sind und dennoch die Heimat im Herzen tragen? Ein geeignetes Geschenk ist das Kochbuch "Graud und Rüewe".

Dabei handelt es sich um eine Sammlung an alten Rhöner-Rezepten: Suppen, Hauptgerichte, Braten, Kuchen - aber auch Plätzchen fanden Eingang in das Buch. Zusammengestellt hat es die "Arbeitsgruppe Kunst und Kultur der Leonie und Helmut Schmitt Stiftung" aus Langenleiten. Federführend am Projekt beteiligt war die Grafik-Designerin Rosa Strauß-Carl. Sie besuchte für das Projekt Langenleitner Hausfrauen und leidenschaftliche Köche, um die alten Rezepte zu verschriftlichen und vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Suche nach alten Rezepten

"Es handelt sich um überlieferte Rezepte, die zum Teil von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Manche waren in alten Büchern, andere auf handgeschriebenen Zetteln und wieder andere auch nur mündlich überliefert", sagt Strauß-Carl. Diesen Fundus galt es zu ordnen. Der Rechercheaufwand war nicht unerheblich: "Alles in allem werden das so zwei Monate gewesen sein", meint sie. Strauß-Carl ging die Quellenlage praktisch an: Sie kochte die Rezepte nach - teils mit den Rezeptgebern oder für sich alleine. Dabei lernte sie selbst einige Kniffe aus der Rhöner Küche kennen. Auch diese fanden Eingang in das Kochbuch.

Experimente in der Küche

Ein Großteil der Recherche war für sie das Experimentieren. Die Ursachen waren die speziellen Rhöner Mengenangaben in den Rezept-Überlieferungen. Diese fehlten häufig oder gaben keine konkrete Grammzahl vor. Der Grund: "Die alten Köchinnen hatten die richtigen Mengen im Gefühl." Allerdings: "In einem modernen Kochbuch braucht es Mengenangaben."

Ein Anliegen von Strauß-Carl war es, die Gerichte nicht zu modernisieren. Die Gerichte sollten ursprünglich bleiben. Dazu tragen auch die Zutaten einen großen Teil bei. Bei ihnen handelt es sich vornehmlich um regionale Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter. Hinzu kommen noch Grundnahrungsmittel wie Mehl, Eier oder Milchprodukte.

Saisonal entspricht dem Zeitgeist

"Damals kochte man mit dem, was man selbst anbaute und vorrätig hatte - also sehr saisonal", erklärt Strauß-Carl. Das Kochbuch treffeden Zeitgeist. Denn durch die Pandemie erleben Hobbys wie Gärtnern oder Hühnerhalten eine Renaissance. "Der Reiz von selbstproduzierten Lebensmitteln ist wieder da", konstatiert sie. Viele Gerichte im Buch sind vegetarisch, denn Fleisch kam damals selten auf den Tisch. "Es gab häufig nur einmal in der Woche Fleisch, etwa am Sonntag", sagt Strauß-Carl. Aber: Gedanken über die Kalorien dürfe man sich nicht machen. "Es sind einige deftige Gerichte, die Rhöner haben damals schwer gearbeitet und daher Energie gebraucht."

Basaltabbau oder das Arbeiten im Wald sorgten für das tägliche Brot - rhönübergreifend. "Das Buch lässt sich als eine Art Grundstock an Rhöner Rezepten sehen, denn in vielen Orten ist ähnlich gekocht und gebacken worden", ist Strauß-Carl überzeugt.

Erhältlich ist das Kochbuch der Leonie und Helmut Schmitt Stiftung in Langenleiten. Ansprechpartnerin ist Anna Keßler. Sie ist über die Tel.Nr.: 0151 68 166 191 oder über die E-Mail-Adresse info@hausfüralle.de zu erreichen.