Drei prominente Tiere hat Jochen Willecke bei sich zu Gast. Er päppelt wahrscheinlich bis Sonntag drei Storchenküken auf. "Im Nest hätten sie keine Überlebenschance", erklärt er.

Denn es ist kein gutes Jahr für die Störche. Die Freude über den zahlreichen Nachwuchs auf dem Mönchsturm währte nicht lange: Am Donnerstagabend hatte Christian Fenn noch gemeldet, dass er ein fünftes Küken auf einem der Bilder der Webcam entdeckt
hat. Am Freitagvormittag ist dann ein totes Küken am Rande des Nests auszumachen.

Für Willecke ist das der Zeitpunkt, zu handeln. "Ich habe lange gewartet und die Situation mit Sorge beobachtet", sagt der Vogelexperte des Bund Naturschutz. Denn der Mensch dürfe nicht so einfach eingreifen. Wegen des schlechten Wetters bekommt Willecke aber von der Naturschutzbehörde "grünes Licht", wie er berichtet. Der Dauerregen kann für die Küken tödlich sein, vor allem weil sich in der Feuchtigkeit der Aspergillus-Schimmelpilz gut entwickelt. Im Jahr 2009 hatte dieser den ersten Storchennachwuchs dahingerafft.

Mit der Feuerwehrleiter zum Nest

Mit der Drehleiter der Hammelburger Feuerwehr fährt Willecke zum Nest hinauf, einen Eimer mit Hühnerküken hat er als "Gastgeschenk" für die Jungstörche dabei. Oben am Nest packt er diese in eine mit Stroh gefüllte Plastiktüte, um sie warm und sicher nach unten zu transportieren. Am Mönchsturm versammeln sich derweil Passanten und Schaulustige.

Sie zücken ihre Kameras, als Fenn am Boden die Tiere aus der Tüte in einen Bottich umbettet. Einer der Jungstörche verschlingt ein Hühnerküken. Aus der Nachbarschaft bringt jemand eine Wärmflasche. Sie wird zu den drei Küken unter das Stroh gelegt. Die drei haben den Regen überlebt. Zwei Küken sind jedoch tot.

Bei einem zweiten Aufstieg holt Willecke die Kadaver aus dem Nest. Feuerwehrkommandant Winfried Kleinhenz fischt mit einer Mistgabel das durchweichte Heu und Stroh aus der Nestmulde. Die Küken saßen buchstäblich im Wasser. Neues, trockenes Stroh soll dem Schimmelpilzbefall vorbeugen. Leider ist es nicht möglich, ein Dach über das Nest zu bauen. Stattdessen könnte aber ein Drainageschlauch helfen, wie Kleinhenz vorschlägt.

Wann genau die Küken wieder auf den Mönchsturm kommen, hängt vom Wetter ab. "Bis zu zwei Tage kann man sie aus dem Nest nehmen. Wenn man die Küken dann wieder hineinsetzt, werden sie von den Elterntieren angenommen", erklärt Willecke. Er päppelt zum ersten Mal Störche auf. Dafür hat der Experte schon viele andere Vögel bei sich aufgenommen. Seine Frau Hannelore meint: "Was wir nicht alles schon durchgebracht haben."
Die Rettungsaktion bleibt etwas Einmaliges. Deshalb mahnt Willecke, keine anderen Küken zu ihm zu bringen. "Die Leute sollen die Finger von den Jungvögel lassen, wenn sie sie irgendwo sehen."