Ein alter Wunsch der Bad Kissinger Saaletal-Schule ist in Erfüllung gegangen: Endlich hat man eine eigene Sozialarbeiterin, Melanie Faulhaber. Sie betreut auch die Berufsschule. An beiden Bildungseinrichtungen besteht Bedarf. Die Saaletal-Schule ist ein Sonderpädagogisches Förderzentrum und auch "Joas", Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz, brauchen manchmal Hilfe.

Die erste sehr vorläufige Zwischenbilanz von Melanie Faulhaber fällt positiv aus.
Ihren Dienst hat sie im September angetreten.Zunächst musste sie die Schulen und ihre Jugendlichen kennen lernen, musste Öffentlichkeitsarbeit leisten. Außerdem sammelte sie Erfahrungen.

Bei der Saaletal-Schule seien "Einzelfallhilfen in sämtlichen Lebensbereichen" gefragt. Es gehe um Drogen, Konflikte, Abbrüche von Praktika und Ängste. So sei sie gemeinsam mit einem Kind in einem Bus mitgefahren, um dessen Bedenken zu zerstreuen. Oft spiele die Familiensituation eine Rolle. Es gebe Streit, Leistungsverweigerung, Selbstverletzungen und Kriminalität - "die volle Bandbreite".

Sie sehe sich, sagt Melanie Faulhaber, als Ansprechpartner für Kinder und Eltern. Damit diese stärker auf sie zukommen, müsse sie Vertrauen aufbauen. An der Berufsschule stünden die "Joas" im Fokus. Sie habe Gespräche geführt über Werdegang, Ziele und Berufswünsche. Es gehe aber auch um die Angst zu versagen vor Prüfungen. Auch um eine Schwangere kümmere sie sich.

Die Arbeit, sagt Melanie Faulhaber, mache ihr viel Spaß. Sie wurde mit offenen Armen aufgenommen. Das Projekt sei zwar "mit heißer Nadel gestrickt", passe aber sehr gut in das Konzept der Saaletal-Schule, sagt Arnold Lippert. Rudolf Hoffmann sagte, "Akat", ein ähnliches Projekt sei nach drei Jahren an der Berufsschule ausgelaufen. Er nannte das Vorhaben "eine sehr schöne Sache". Denn eine externe Kraft erfahre von den Jugendlichen bei Problemen mehr als ein Lehrer.

Weiterer Ausbau geplant

Landrat Thomas Bold (CSU) sagte bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses, die Regierung habe das Vorhaben angeboten. Es sei aber aus finanziellen Gründen nicht gelungen, im Bereich der Grund- und Mittelschulen einen Partner zu finden. Der Kreis habe die Stelle nicht zurückgeben wollen und sich entschieden, das Vorhaben an zwei seiner Schulen umzusetzen, "jetzt steigen wir ein."

Das Konzept hat Jugendamtsleiter Siegbert Goll erarbeitet. Es hat 111 Seiten, baut auf einem Vorbild aus Nürnberg auf. Lokale Akzente flossen dabei ein. Bold sagte dazu, das Werk brauche, wenn man es ausdruckt, viel Papier. Und wenn man es nicht ausdrucke, brauche es viel Speicherplatz. Kinderschutz spiele in der Arbeit des Jugendamts eine große Rolle. Das Vorhaben solle auch ein Signal setzen.

Als Partner wurde die Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) gewonnen. Das ist eine Tochter der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Schweinfurt. Dessen Chef Stephan Zeller sagte, das bfz habe viele einschlägige Erfahrungen. Zwar sei der Ausbildungsmarkt in der Region gut, doch bekämen viele ohne einen Schulabschluss keine Lehrstelle.

Das Jugendamt ist beauftragt, im kommenden Jahr das Vorhaben noch weiter auszubauen. Beteiligen können sich Grund- und Mittelschulen aus Bad Kissingen, Hammelburg, Bad Brückenau und Wildflecken.