Der Saaletal-Radweg zwischen Bad Kissingen und Euerdorf ist eines dieser Infrastrukturprojekte, über die seit Jahren gesprochen wird, ohne dass es spürbar vorwärtsgeht. Zuletzt hatte das Staatliche Bauamt Schweinfurt im Frühjahr 2021 seine Ideen im Euerdorfer Gemeinderat vorgestellt, war dort aber nicht wirklich auf offene Türen gestoßen. Dass der Radweg abseits der Bundesstraße verlaufen soll und deshalb Euerdorf und Bad Kissingen sich die späteren Unterhaltskosten teilen sollen, hat den Verantwortlichen in Euerdorf nicht geschmeckt.

Das Staatliche Bauamt hat an dem Projekt weiter gearbeitet, der zuständige Abteilungsleiter Konstantin Arnold zeigt sich zuversichtlich. "Jetzt werden die Weichen gestellt und es geht voran. Ich bin optimistisch. Für uns ist es ein wichtiges Projekt", betont er. Das Bauamt will den bestehenden Radweg auf der östlichen Saaleseite ausbauen und asphaltieren. Die Trasse verläuft von Euerdorf aus ab der Saalebrücke in Richtung Arnshausen, zwischen dem Golfplatz und der Ruine Eiringsburg hindurch und mündet bei der Bahnunterführung an der B 286 auf den Radweg Bad Kissingen - Arnshausen. Den Radweg entlang der Bundesstraße zu führen, wäre technisch zu aufwendig und mit zu großen Einschnitten in die Landschaft verbunden. "Mit einem externen Ingenieurbüro arbeiten wir die Vorentwurfsplanung aus", berichtet Arnold.

Als Nächstes wird die Trasse mit dem Natur- und Umweltschutz abgestimmt, außerdem kümmert sich das Bauamt parallel um den Grunderwerb. Der Weg verläuft teilweise über private Grundstücke. Für den Ausbau muss der Grund aber komplett den beiden Kommunen gehören. "Den Grunderwerb werden wir machen, das macht in diesem Fall Sinn", sagt der Planer. Die Kosten dafür tragen allerdings die Gemeinden. Ziel des Bauamts ist es, in den nächsten zwei bis drei Jahren mit dem Ausbau zu beginnen. Der Bund trägt die Kosten für die Planung und die Bauarbeiten, die Gemeinden die für den Grunderwerb. "Die sind eher untergeordnet", meint Arnold.

In der Sitzung am 20. Oktober wird ein Vertreter des Staatlichen Bauamts den Sachstand im Euerdorfer Gemeinderat vorstellen. Gute Nachrichten in Bezug auf den Unterhalt sind da aus Euerdorfer Sicht allerdings nicht zu erwarten. Weil der Radweg auch für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr gedacht ist und abseits der B 287 verläuft, sind die Kommunen automatisch Baulastträger, erläutert Arnold. Allerdings erhalten die Kommunen eine Ablöse vom Bund, sprich es gibt einmalig Geld dafür, dass Bad Kissingen und Euerdorf sich künftig um den Unterhalt kümmern. Das Bauamt stehe dazu mit den Kommunen in Kontakt, zuletzt habe es ein größeres Treffen mit Vertretern aus Bad Kissingen und Euerdorf, dem Bauamt sowie dem Landkreis Bad Kissingen gegeben.

Bürger warten auf den Radweg

In Euerdorf wird gespannt auf die Gemeinderatssitzung im Oktober gewartet. "Wir wollen die Infos aus erster Hand haben und sind gespannt, was angedacht ist", sagt 2. Bürgermeister Michael Röder (ödp) mit Blick auf die Unterhaltskosten. Der Radweg sei ein wichtiger Lückenschluss und die Gemeinde sehr an der Umsetzung interessiert. "Die Bürger warten darauf", sagt er. Gerade in der aktuellen Energiekrise, wenn mehr Menschen auf das Rad umsteigen, ist der Ausbau der Radinfrastruktur wichtig. Auch in Bad Kissingen ist das Interesse an dem Radweg groß. Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) zeigte sich unlängst in einer Ausschusssitzung zuversichtlich, dass der Weg nach langem Warten in den nächsten Jahren endlich Wirklichkeit wird. Im Verkehrsentwicklungsplan, den die Stadt aktuell erstellt, ist der Radweg nach Euerdorf als eine Hauptroute in Richtung Süden mit aufgenommen.