Dominik Engelbrecht ist Pflegeazubi im Burkardus Wohnpark Bad Kissingen. "Man bekommt viel zurück von den Menschen", sagt er. Deshalb hat er sich für den Beruf entschieden. Im Jahr 2032 ist er 42 Jahre als und eine begehrte Pflegefachkraft. Auch wenn Engelbrecht heute noch nicht weiß, wo er später arbeitet; die Wahrscheinlichkeit, dass er als Altenpfleger einen Job hat, ist im Landkreis Bad Kissingen riesig.

Warum? Weil in Zukunft deutlich mehr ältere
Menschen als jetzt im Landkreis leben werden . Das bedeutet zugleich, dass die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Ganz konkret aus Datenmaterial des Statistischen abgeleitet, heißt das: In 18 Jahren werden etwa 400 Pflegebedürftige mehr im Landkreis versorgt. "Der Pflegebedarf in Bad Kissingen ist höher als anderswo. Das ist ein Berufszweig, in dem man gut eine Stelle kriegt", sagt Ralf Grosch, Leiter der Caritas-Einrichtungen Burkardus Wohnpark und St. Elisabeth-Pflegeheim in Bad Kissingen. Die Pflegebranche hat schon länger Probleme, ausreichend Fachkräfte zu finden.

"Das Älterwerden ist nicht das Schlimme. Die Versorgung der älteren Menschen wird die große Herausforderung der Zukunft", sagt Silvio Wiltschek, Leiter des Azurit Pflegezentrums in Bad Bocklet. Die Pflegeheime in der Region werden viel Energie dafür verwenden, gutes Fachpersonal zu finden. "Ausbildung ist deshalb das A und O", meint Wiltschek. Ansonsten sind die Alten- und Pflegeheime gezwungen, sich ihr Personal deutschlandweit oder international zu suchen. Das ist aufwendig und nicht immer erfolgreich. Junge Fachkräfte zieht es laut Wiltschek eher in Metropolenregionen, statt aufs Land.

Gehalt zumeist unproblematisch
Wo liegt das Problem? Nach Ansicht von Wiltschek und Grosch jedenfalls nicht am Lohn. "Bei uns in der Gegend gibt es nur wenige Träger, die schlecht bezahlen", sagt Grosch. Sowohl die Caritas, als auch die Azurit Gruppe zahlen einer Pflegefachkraft im Durchschnitt zwischen 2200 und 2600 Euro Brutto im Monat, plus Zulagen und bei der Caritas eine Betriebsrente.

Problematisch sind vielmehr die Arbeitsbedingungen, sagt Annette Erb, Pflegedienstleitung im St. Gertrudis-Pflegeheim in Bad Kissingen. "Die sind extrem anstrengend." Zu wenige Pflegekräfte müssten sich um zu viele Patienten kümmern und gleichzeitig eine enorme Bürokratie bewältigen, so dass wieder Zeit fehlt, um sich um Patienten zu kümmern.

Weniger Pflegekräfte, mehr - bedürftige: Diese Dynamik trifft die Stadt Bad Kissingen besonders. Grosch: "Wir sind eine bevorzugte Zuzugsstadt für Ältere." Während bei den meisten Kommunen im Landkreis die Einwohnerzahlen schrumpfen, bleiben die Zahlen in Bad Kis singen konstant, weil ältere Menschen ihren Ruhestand in der Kurstadt verbringen wollen.

Grosch schätzt, dass in Zukunft viele Senioren in der Region stationär betreut werden. Erstens, weil ambulante Pflege Grenzen habe, und zweitens, weil "hier viele pflegebedürftige Senioren leben, die kein verwandtschaftliches Netzwerk haben." Es sind oft keine Angehörigen da, die die Pflege übernehmen. Insgesamt müsse die Versorgung flexibler werden. "Im Moment ist alles sehr starr reglementiert", sagt Grosch. Man brauche günstige grundlegende Betreuungsangebote sowie spezialisierte Einrichtungen. Das St. Elisabeth-Pflegeheim will Grosch langfristig auf Demenzerkrankungen ausrichten.

Heime für kleine Kommunen
Die bestehenden Einrichtungen sind in der Regel voll belegt, schätzt Grosch. Es sei denkbar, dass auch abseits der Städte Heime entstehen. "Viele Bürgermeister kleiner Gemeinden wünschen sich die Möglichkeit, dass die Leute vor Ort versorgt werden", sagt Grosch. Nüdlingen und Oberthulba suchen bereits nach einem geeignetem Träger, andere Kommunen werden sicher folgen. Egal, wie es sich entwickelt: Pflegeazubi Dominik Engelbrecht wird 2032 kaum arbeitslos sein.



So alt ist der Landkreis in 18 Jahren

Studie Das Statistische Landesamt hat eine Vorausberechnung bis ins Jahr 2032 veröffentlicht. Die Autoren zeigen "wie sich die Bevölkerung unter bestimmten, aus heutiger Sicht plausiblen Annahmen entwickeln würde".

Alter 1992 waren 24 100 Menschen (22,54 Prozent) älter als 60 Jahre. Bis 2032 verdoppelt sich der Anteil auf 42 Prozent.

Pflege Laut Pflegestatistik sind fast 70 Prozent aller pflegebedürftigen Bayern älter als 60. Wenn der Landkreis altert, steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen: von rund 3836 im Jahr 2011 auf 4220 im Jahr 2032. lbo




In Zahlen

3836 Pflegebedürftige wohnten 2011 im Landkreis Bad Kissingen. 69,91 Prozent sind älter als 60 Jahre.

29 900 Menschen im Alter über 60 Jahre lebten 2011 im Landkreis. Das sind 28,83 Prozent der Einwohner.

39 100 Menschen werden laut Zahlen des Statistischen Landesamtes im Jahr 2032 älter als 60 Jahre sein.

4220 Pflegebedürftige könnten 2032 im Landkreis leben (Berechnung auf Basis der Zahlen des Landesamtes).