880 Kinder im Landkreis Bad Kissingen gehen heute zum ersten Mal in die Schule. Aber nicht nur an den 22 Grundschulen im Landkreis, sondern auch an den Förder-, Mittel- und den Realschulen, den Gymnasien und der staatlichen Berufsschule beginnt wieder der Unterricht. "Die Schülerzahl ist insgesamt gestiegen, nicht nur wegen der Ukrainer", sagt die Leiterin des Staatlichen Schulamts Bad Kissingen, Cornelia Krodel.

Lag die Prognose für die Schülerzahlen vor einigen Jahren für das Schuljahr 2022/23 noch unter 5000 Schüler für Grund- und Mittelschulen, so sind es dort aktuell rund 5300. Das ist ein allgemeiner Trend. Wie die Regierung von Unterfranken mitteilt, sind unterfrankenweit 5,2 Prozent mehr Grund- und Mittelschüler als im vergangenen Schuljahr im Unterricht.

Der Lehrermangel bestimmt auch die Situation in Bad Kissingen. Die Situation sei besser als in anderen unterfränkischen und bayerischen Landkreisen. Dennoch muss sie nach den Schilderungen Krodels auch hier als angespannt bezeichnet werden. Es werden pensionierte Lehrer reaktiviert und es unterrichten Lehramtsstudenten sowie Honorarkräfte. Die mobile Reserve, die im Vertretungsfall einspringt, ist laut der Schulamtsdirektorin im neuen Schuljahr personell nur dünn ausgestattet.

Ausfälle bedrohen Präsenzunterricht

Das Schulamt ist als Fachaufsicht für die Grund- und Mittelschulen zuständig. Rund fünf Prozent der dort eingesetzten 500 Lehrkräfte stehen nicht für den Unterricht in den Klassen zur Verfügung. Lehrer mit Vorerkrankungen sind pandemiebedingt vom Präsenzunterricht befreit, schwangere Kolleginnen stehen ebenso wenig zur Verfügung, genauso wie Langzeitkranke. Im Moment sind die Schulen aber versorgt. "Wenn wir weitere große Ausfälle haben, schaut es nicht rosig aus", sagt Krodel. Dann droht im Einzelfall den betroffenen Klassen der Ausfall von Präsenzstunden. Immerhin können schwangere Kolleginnen aus der mobilen Reserve via Distanzunterricht Vertretungsstunden übernehmen und so die Ausfälle abmildern.

Sprachunterricht für Ukrainer

Der Ukrainekrieg und die Integration der ukrainischen Kinder in den Unterricht ist die nächste große Aufgabe im neuen Schuljahr. In den Grundschulen sind die ukrainischen Kinder ganz normal auf die Klassen verteilt worden und nehmen regulär am Unterricht teil. Für sie gibt es allerdings zusätzliche Deutschstunden. Den Sprachunterricht übernehmen vor allem Honorarkräfte, die ukrainisch sprechen und Erfahrung mit Deutsch als Fremdsprache haben.

An den weiterführenden Schulen gibt es Brückenklassen für die Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine. An der Anton-Kliegl-Mittelschule in Bad Kissingen wurden zwei eingerichtet, an den Mittelschulen in Bad Brückenau und Hammelburg, an der Realschule Bad Kissingen, sowie den Gymnasien in Bad Kissingen und Münnerstadt gibt es jeweils eine Brückenklasse.

"Die Brückenklassen sind schulartunabhängig. Wir haben die Kinder altersmäßig aufgeteilt", erklärt Krodel. In den Brückenklassen sind die Jugendlichen, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen für den Regelunterricht. In den Brückenklassen erhalten sie zehn Stunden Deutsch pro Woche, und zusätzlichen Unterricht in Mathematik und Englisch. Es wird derselbe Stoff unterrichtet und es gibt keine Unterscheidung zwischen den Schulformen. Die Brückenklassen sollen die Schüler fit für den normalen Unterricht machen.

Für die übrigen Schüler mit Migrationshintergrund und sprachlichen Defiziten gibt es am Mittelschulverbund Landkreis Bad Kissingen Mitte (Bad Kissingen, Burkardroth, Oberthulba und Bad Bocklet) zwei Deutschklassen mit Sprachförderung, an Grundschulen und Kindergärten werden sprachliche Vorkurse angeboten.

Pandemie als große Unbekannte

Inwiefern die Corona-Pandemie im neuen Schuljahr den Unterrichtsbetrieb beeinflusst, lässt sich aus Sicht der Schulamtsleiterin bisher schwer abschätzen. "Es soll unter keinen Umständen zu Schulschließungen kommen", betont Krodel. Zum Ende des alten Schuljahres habe es viele Corona-Infektionen an den Schulen gegeben und es gelang, den Schulbetrieb aufrechtzuhalten. Zum Schulstart sei die Lage ruhig.

Neue Köpfe an den Schulen

Schulleitung Carolin Arand übernimmt die Schulleitung an der Grund- und Mittelschule Bad Bocklet. Katja König wird stellvertretende Schulleiterin an der Sinnberg-Grundschule in Bad Kissingen, Ellen Erhard wechselt von der Anton-Kliegl-Mittelschule, Bad Kissingen, als Konrektorin an die Mittelschule Hammelburg. Wer ihr an der Anton-Kliegl-Mittelschule nachfolgt, ist bislang noch nicht bekannt, soll aber voraussichtlich mit Beginn des neuen Schuljahres geklärt werden.

Referendare 13 Lehramtsanwärter für Grundschulen und drei Lehramtsanwärter für Mittelschulen beginnen im Landkreis Bad Kissingen heute ihren Dienst.