Eigentlich wollten die Anwohner eine Tempo-30-Zone. Damit Autofahrer auf den Straßen im Viertel "Schusterwald" langsamer fahren. Damit die etwa 20 Kinder, die hier wohnen, künftig ungestört spielen und die Straßen auch zum Fahrrad- oder Bobbycar-Fahren nutzen können. Deshalb haben sie den Waldfensterer Gemeinderat Martin Wehner, der selbst hier wohnt, beauftragt, sich zu kümmern.

Das hat der Kommunalpolitiker auch getan, Unterschriften gesammelt und einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Gemeindeverwaltung zeigte sich dem gegenüber aufgeschlossen und verabredete zu Monatsbeginn einen Ortstermin mit der Polizei.


Nur Schrittgeschwindigkeit

Doch die rät von einer Geschwindigkeitsbegrenzung in dem Wohngebiet ab und empfiehlt stattdessen in den Straßen Zum Schusterwald, Talblick sowie in der St.-Pius-Straße einen verkehrsberuhigten Bereich einzurichten. "Die Voraussetzungen dafür sind ideal, einen Gehweg gibt es nicht. Es muss künftig Schrittgeschwindigkeit gefahren werden", erläuterte Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) in der Gemeinderatssitzung. Zudem dürfe in einer solchen Zone, die früher als Spielstraße bezeichnet wurde, nur auf ausgewiesenen Flächen geparkt werden.
Bei den Gemeinderäten kam der Vorschlag zur Verkehrsberuhigung im Wohngebiet "Schusterwald" durchweg gut an. Schließlich hatten sie sich selbst ein Bild bei einem Vor-Ort-Termin am 10. Mai machen können. Lediglich Mario Urschlechter, Ortsreferent von Zahlbach, hakte in der Sitzung nach. "In dem Wohngebiet gibt es doch nur Verkehr von den Anwohnern. Ist Ihnen bewusst, dass es mit der Verkehrsberuhigung heftige Einschränkungen gibt? Legt Ihr Euch damit nicht selbst ein Ei?", fragte er konkret bei Martin Wehner nach. Der antwortete, dass es im Viertel nach wie vor ein paar Unbelehrbare gebe. "Es ist ein zweischneidiges Schwert, dennoch halte ich die Verkehrsberuhigung für gut", fügte er hinzu.


Landwirte müssen durch

Bürgermeister Bug ergänzte, dass die Verwaltung im nächsten Schritt konkrete Parkflächen festlegen werde. "Schließlich muss die Durchgängigkeit der Straßen gewährleistet werden, da diese auch die Landwirte nutzen, um auf ihre Felder zu gelangen", sagte er.
Doch Mario Urschlechter gab sich mit der Argumentation nicht zufrieden. "Muss es im verkehrsberuhigten Bereich überhaupt Parkplätze geben? Sollten wir die beiden Punkte nicht trennen?", gab der Zahlbacher zu bedenken. Doch er fand in der Sitzung kein Gehör. Die Gemeinderäte beschlossen schließlich einstimmig, dass das Waldfensterer Wohngebiet künftig als verkehrsberuhigter Bereich gilt. Es ist somit der erste seiner Art im Markt Burkardroth.
Johannes Vorndran, Peter Ziegler und Peter Schlereth wohnen in der St.-Pius-Straße und können diesen Beschluss nicht nachvollziehen. Sie waren Gäste der Gemeinderatssitzung und hätten sich gerne in die Diskussion eingebracht. Doch das Rederecht wurde ihnen nicht gewährt.


Gefahr für Kinder größer?

Nun befürchten sie, dass der Gemeinderatsbeschluss zu neuen Problemen führt. "Wenn hier parkende Autos stehen, ist die Gefahr für unsere Kinder doch größer als bisher. Sie werden nämlich nicht mehr gesehen", so Johannes Vorndran, der dreifacher Vater ist. Selbst bei Schrittgeschwindigkeit könne ein Autofahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen, wenn ein Kind hinter einem parkenden Auto hervorspringt oder mit dem Bobbycar aus der Hofeinfahrt saust.
"Unsere Straßen hier sind doch eh viel zu eng, um Parkplätze auszuweisen. Zudem gibt es viele Einfahrten", nennt Peter Schlereth weitere Argumente. Die St.-Pius-Straße sei nur 4,50 Meter breit, die Straße "Zum Schusterwald" an ihrer ausgedehntesten Stelle 5,50 Meter. Zudem gebe es links und rechts davon keine Gehwege, so dass Fußgänger immer die Straße nutzen müssen. "Deshalb hieß es hier von Anfang an, dass nicht auf der Straße geparkt werden darf", erklärt Peter Ziegler. Er und seine Familie waren 2000 eine der ersten, die sich in dem Wohngebiet niederließen.


1,5 Stellplätze vorgegeben

Jeder habe außerdem ausreichend Parkplätze auf seinem Grundstück. "1,5 Stellplätze sind laut Bebauungsplan pro Wohneinheit vorgegeben", weiß er. Auch durften die Grundstücke nur beschränkt mit Toren und Mauern versehen werden, wegen der beengten Straßenverhältnisse. Die bereiten besonders in den Wintermonaten Probleme. "Der Winterdienst kommt hier nur mit Ketten rauf", berichtet Peter Schlereth von seinen Erfahrungen. "Und wenn dann ein Auto auf der Straße parkt, kehrt er wieder um", fügt er hinzu.
Ähnliches befürchten die Anwohner mit der Müllabfuhr. "Die Müllautos kommen an einem parkenden Fahrzeug gar nicht erst vorbei", sagt Peter Ziegler. "Was ist, wenn mal jemand nicht auf einem solchen gekennzeichneten Parkplatz steht? Wird er dann von einem Nachbarn angezeigt? Das bringt doch Unruhe ins Viertel", argumentiert Johannes Vorndran.


Besucher-Parkplätze ?

Doch wie ließen sich die drohenden Parkplatzprobleme lösen? Martin Wehner hat darauf auch keine Antwort. Eine Möglichkeit wäre, spezielle Besucherparkplätze einzurichten. Platz dafür gebe es an der Stelle, wo die Erweiterung des Wohngebietes möglich ist. Darüber sei jedoch nicht nachgedacht worden, räumt der Gemeinderat ein. Schließlich sagte Wehner seinen Nachbarn zu: "Wir müssen jetzt erst mal schauen, wo Parkplätze machbar sind. Dann werden wir die Parkflächen in Absprache mit Euch festlegen."