In der Postfiliale an der Münchner Straße in Bad Kissingen herrscht reges Treiben. Ständig kommen und gehen Leute; vor den Schaltern hält sich stetig eine Schlange, teilweise bis über den Fußgängerüberweg. Jeder hat noch etwas zu erledigen, so kurz vor Weihnachten. Eigentlich normal vor den Festtagen.

Doch dieses Jahr scheint es ein bisschen mehr zu sein. Das merkt auch Marcus Leitner in der Zustellstützpunktleitung, hinten im Posthof. Der 52-jährige Chef sagt, dass vor allem das Paketaufkommen im Zustellbereich um 20 Prozent gegenüber einem normalen Weihnachtsverkehr zugenommen hat.

Corona und der Lockdown

Weil das Land im zusätzlichen harten Lockdown steckt. Weil viele dann doch nicht zu ihren Lieben fahren, Geschenke aber dennoch rechtzeitig ankommen sollen. Weil in Corona-Zeiten der Versandhandel allgemein zugenommen hat.

Der Zustellbereich, den Marcus Leitner mit seinen sieben Innendienstlern von Bad Kissingen aus koordiniert, ist groß. Er umfasst die Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Main-Spessart. Rund 309.000 Menschen leben dort.

360 Zustellkräfte kümmern sich draußen darum, dass jeder Adressat sein Paket bekommt. Es sind zehn bis 15 mehr als vor den heißen Weihnachtswochen. Und 30 mehr als vor Corona.

Auswahl bei Bewerbungen

Leitner und Co. haben personell aufgestockt. Dabei profitierten sie davon, dass viele Studenten zurzeit nicht in Vorlesungen oder Seminaren präsent sein müssen. Und auch, dass viele Beherbergungsbetriebe längere Winterpausen fahren und in der Zeit Personal freisetzen. "In Sachen Bewerbungen sind wir gut bestückt. Da haben wir die Auswahl", sagt der Hassenbacher. Viele würden auch gern länger bleiben.

Trotz der personellen Auffrischung betont der 52-Jährige aber auch: "Die Zustellkräfte haben schon sehr zu kämpfen. Sie sind an der Belastungsgrenze."

Paketaufkommen an Weihnachten stark zugenommen

Allgemein, sagt der Stützpunktleiter, habe das Paketaufkommen in den vergangenen Jahren an Weihnachten stark zugenommen. Vor zwei bis drei Jahren sei es eher ungewöhnlich gewesen, wenn ein Zusteller mal auf 100 Pakete pro Tag gekommen sei. Nachdem das Zustellgeschäft coronabedingt schon seit März angezogen habe, lieferten einige Zusteller in ihren Bezirken derzeit 200 und mehr Stück aus.

Weil das so ist, wurde die Zahl der Zustellbezirke kurzfristig erhöht - von 200 auf 250. Im Bereich des Zustellstützpunktes Bad Kissingen, der neben der Kurstadt auch Oberthulba, Euerdorf, Nüdlingen und Bad Bocklet samt Ortsteile umfasst, besteht eigentlich aus 31 Bezirken. Jetzt sind es 39. Wobei zwei von ihnen mit dem Fahrrad bedient werden. Sie liegen in der Stadt selbst; meist fallen dort nur Briefe und kleinformatige Sendungen an.

Ein Bezirk umfasst etwa 600 bis 700 Haushalte und wird in der Regel von einem Zusteller bedient. Angesichts dessen wirkt die Mitarbeiterzahl von 360 üppig. Doch Leitner muss auch Urlaubs- und Krankheitsvertretungen einplanen; viele seien auch nur Teilzeitkräfte.

Durchgehend mit Mundschutz

Und dann noch die Corona-Gefahr allgemein. Sollte jemand Covid-19 in einen der zwölf Zustellstützpunkte im Zustellgebiet (unter anderem Hammelburg, Bad Brückenau, Burkardroth, aber auch Bad Neustadt, Mellrichstadt, Lohr und Gemünden) hineintragen, wäre das extrem schlecht. Es könnte den Auslieferbetrieb massiv stören. Deswegen wird laut Leitner in den Stützpunkten "durchgehend mit Mundschutz" gearbeitet. Zusätzlich aufgestellte Kartonagen trennen die einzelnen Zustellspinte voneinander ab. Hygiene- und Desinfektionsmittel sind ausreichend vorhanden. Kontakt zum Kunden sollen die Zusteller möglichst vermeiden. Die sehen das zum größten Teil ein, sagt Leitner.

Um Kontakte auch im Stützpunkt zu vermeiden, nehmen die Zusteller ihre Pakete, die in vier Lkw mit Anhängern aus dem Verteilzentrum in Kitzingen geliefert werden, in zwei Wellen in Empfang. Die einen kommen um 6 Uhr morgens und haben den Posthof in der Münchner Straße längst wieder verlassen, wenn die zweite Welle eintrifft.

Niedriger Krankenstand

Die Arbeitsmoral und der Zusammenhalt sind hoch, sagt Marcus Leitner. Und das trotz der hohen Belastung. "Die Mitarbeiter setzen zusätzliche Kräfte frei", ergänzt er. Der Krankenstand sei niedrig. Den derzeitigen Personalstand will der Bereichsleiter auch im Januar und vielleicht Februar aufrecht erhalten. Auch wenn weit weniger Paketaufkommen zu erwarten ist. Man weiß ja nie, was Corona noch bringt.