"Nachhaltigkeit ist heute ein Qualitätsmerkmal", versicherte Referent Torsten von Borstel den etwa 30 Teilnehmern aus Wirtschaft, Hotellerie und Gastronomie. Im Rahmen ihrer "Heiligenfelder Gespräche" hatte die Akademie Heiligenfeld am Mittwoch zu seinem Vortrag "Green Meetings - Wahn oder Wirklichkeit" eingeladen.
"Sie müssen nicht gleich radikal dunkelgrün werden", nahm der Fachmann für Durchführung von "grünen Tagungen" den Teilnehmern die Angst vor dem Umdenken. "Es reicht schon, wenn Sie schrittweise anfangen, wo sich ein Wechsel anbietet." Mit großen und kleinen "Fußabdrücken", mit denen als Maßeinheit der CO 2 -Ausstoß eines einzigen Tagungsteilnehmers gemessen wird, zeigte er auf, wie auch im Veranstaltungsgeschäft die Umwelt mit einfachen Methoden geschont werden kann.

Schon die Wahl des Verkehrsmittels, um eine Tagung in Bad Kissingen zu besuchen, kann diesen CO 2 -Fußabdruck erheblich verkleinern. Mobilität habe den höchsten Anteil an Umweltverschmutzung. Statt jeden Teilnehmer einzeln mit Pkw anreisen zu lassen, könne der Veranstalter schon in der Einladung die Bahn und notfalls einen Bustransfer von Fulda oder Würzburg in die Kurstadt anbieten. Möglich sei auch die Organisation von Mitfahrgelegenheiten.

"Das machen wir schon bei Großveranstaltungen", freute sich Christine Oßwald, Marketingleiterin vom Hotel Sonnenhügel. Ihr Hotel arbeite inzwischen auch mit Energie aus dem eigenen Blockheizkraftwerk und kaufe regional ein. Aber sonst sei Nachhaltigkeit noch kein Kriterium bei ihrer Tagungsorganisation. "Im Vertrieb spielt das bei uns noch keine Rolle."

Ähnlich ist es bei der Staatsbad GmbH. "Wir haben das Thema schon länger auf dem Schirm." Veranstaltungsmanager Bruno Heynen zählt spontan einige Maßnahmen auf, mit denen sein Team und die technische Abteilung die Umwelt schonen. Die Temperaturen in den Veranstaltungsräumen werden möglichst niedrig gehalten und der jeweiligen Nutzung angepasst, Scheinwerfer wurden auf LED-Technik umgestellt und beim Catering wird auf regionale Produkte geachtet. Aber eine Veranstaltung komplett nachhaltig organisiert, hat Heynen auch noch nicht. Jetzt will er einen Leitfaden mit erforderlichen Maßnahmen erstellen. "Diese Idee habe ich für mich heute mitgenommen."

Wo wir besser werden müssen

Gastgeberin Anita Schmitt hat für ihre Akademie Heiligenfeld schon mal eine Ökobilanz erstellt. Sie weiß genau, wo bei der Organisation ihrer Tagungen und Kongresse noch Nachholbedarf ist. "Unsere Ökobilanz zeigt uns, wo wir besser werden müssen."

Mit Beispielen aus der Praxis gab Referent Torsten von Borstel den Teilnehmern etliche Anregungen, "die nicht viel Kosten, sondern am Ende sogar Geld sparen". Seit vier Jahren ist der Unternehmensberater als Pionier in der Veranstaltungsbranche mit diesem Thema unterwegs. Sogar ganze Städte hat er schon auf den "grünen Weg" gebracht. Man müsse nicht alles auf einmal machen. "Aber fangen Sie doch wenigstens an."

So können dicke Konferenzunterlagen den Teilnehmern statt auf Papier auch auf einem USB-Stick ausgehändigt oder im Internet zum Download angeboten werden. Ortsansässige Partner und lokale Produkte sollten genutzt werden, um weite Transportwege zu vermeiden und so den CO 2 -Ausstoß zu verringern. Beim Catering sollten regionale und saisonale Produkte verwendet werden. "Wir brauchen keine argentinischen Weine in Franken." Bei Tagungen sollte hinter den Kulissen auf strikte Mülltrennung geachtet werden.

Nachhaltigkeit ist nicht teuer

Borstel räumte mit den Vorurteilen auf, Nachhaltigkeit sei teuer, mache mehr Arbeit und interessiere die Kunden nicht. "Viele Großfirmen geben sich heute betont umweltbewusst." Entsprechend würden sie auch von ihren Tagungsorganisatoren dasselbe verlangen. "Der Druck auf die Event-Veranstalter wächst." Könnten diese mit dem wachsenden Trend zur Nachhaltigkeit nicht mithalten, würden sie Aufträge verlieren.

Die Mahnung machte Eindruck. Unmittelbar nach dem Vortrag bildete sich spontan der Arbeitskreis "Green Meeting in Bad Kissingen". Mit dabei sind die Tagungsorganisatoren der Großhotels Frankenland, Kaiserhof Victoria und Sonnenhügel, aber auch die Staatsbad GmbH und die Akademie Heiligenfeld. Anita Schmitt: "Wir wollen das Thema weiter entwickeln und unsere Erfahrungen und Ideen austauschen." Zu den Treffen dieser neuen offenen Gruppe will sie alle Hoteliers, Gastronomen und Catering-Unternehmen aus dem Landkreis einladen.