Von einem Tag auf den anderen Tag war das Würzburger Kaufhaus der Unternehmenskette Woolworth bundesweit und über die Grenzen hinaus bekannt. Aus schrecklichem wie traurigem Grund. Am späten Nachmittag des 25. Juni 2021 tötete ein damals 31 Jahre alter Mann in dem Kaufhaus am Barbarossaplatz drei Frauen mit einem Messer und verletzte weitere neun Menschen, einige von ihnen schwer.

Plötzlich war Woolworth Tatort. Der Eingangsbereich vor dem Kaufhaus in der Stadtmitte verwandelte sich in den Tagen danach in ein Meer aus Blumen, Kerzen und Plakaten wie "Würzburg trauert". Viele Hunderte von Menschen versammelten sich dort, um der Opfer des Messerangriffs zu gedenken, darunter auch viele Politiker aus Würzburg und der Region.

Noch am Abend des Angriffs war Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) an den Tatort gekommen. Am Gedenkgottesdienst im Würzburger Kiliansdom zwei Tage später nahmen auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der damalige Bundesinnenminister Horst Seehofer (beide CSU) teil.

Team zeigte mit Plakaten sein Mitgefühl

In den Tagen nach der Messerattacke blieb das Kaufhaus geschlossen, die Fensterscheiben wurden mit großen weißen Folien abgeklebt, um Gaffern und Neugierigen den Blick ins Innere zu verwehren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Woolworth hatten Plakate aufgehängt, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Einen Tag nach der Tat äußerte sich auch Roman Heini, Vorsitzender der Geschäftsführung der Woolworth GmbH, öffentlich: "Je mehr wir über die Tat wissen, desto weniger verstehen wir sie", sagte Heini. "Es erfüllt uns mit großer Trauer, dass ein Mann in unserer Filiale mit einem Messer drei Menschen getötet und weitere verletzt hat." Knapp zwei Wochen später dann wurden die Türen des Kaufhauses wieder für Kundinnen und Kunden geöffnet.

Wie geht das Unternehmen jetzt, knapp ein Jahr später, mit dem Ereignis um? Wie blickt es auf den kommenden 25. Juni? Auf Nachfrage dieser Redaktion heißt es aus der Zentrale im nordrheinwestfälischen Unna, man habe sich selbstverständlich im Vorfeld Gedanken zum nahenden Jahrestag gemacht. "Da unser Kaufhaus allerdings aus reinem Zufall zum Tatort wurde, haben wir uns dazu entschlossen, keine eigenen Gedenkmaßnahmen zu ergreifen", teilt Roland Rissel, Referent in der Abteilung Unternehmenskommunikation, mit.

Nur Seiteneingänge geöffnet

"Auch unser Team vor Ort möchte nicht in den Mittelpunkt rücken, sondern besinnt sich auf eigene, private Momente des Gedenkens", sagt Rissel. Im Kaufhaus am Barbarossaplatz werde man an diesem Tag "auf unseren Außenverkauf verzichten und den Haupteingang geschlossen halten".

Denn, so erklärt Rissel: "So wollen wir den Menschen in Würzburg Platz und Ruhe geben, um Blumen und Kränze niederzulegen." Das Kaufhaus selbst sei am 25. Juni über die Seiteneingänge geöffnet. Auch der zuständige Bezirksleiter werde einen Blumenkranz ablegen, "um unsere Anteilnahme zu verdeutlichen". Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten den Wunsch geäußert, keine öffentlichen Stellungnahmen abzugeben, sagt der Unternehmensreferent. Er bitte, diesen Wunsch einzuhalten.

Mit Blick auf die Aufarbeitung der schrecklichen Geschehnisse des 25.  Juni 2021 sagt Rissel: "Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kaufhauses Würzburg, die direkt oder indirekt mit der schrecklichen Tat in Berührung kamen, haben seitens Woolworth psychologische Hilfe angeboten bekommen." Es sei schnellstmöglich für Unterstützung durch Seelsorger gesorgt worden, teilt der Referent für Unternehmenskommunikation mit. "Unserer Kenntnis nach haben einige Kolleginnen und Kollegen diese Hilfe gerne angenommen."

Wurde Sicherheitskonzept angepasst?

Auf eigenen Wunsch hatte das Kaufhausteam knapp zwei Wochen nach dem Attentat wieder seine Arbeit aufgenommen. "Ob und wie schnell ein ,normaler Arbeitsalltag' hergestellt werden konnte, ist dabei sicherlich eine Frage der individuellen Einstellung und Gemütslage", sagt Rissel. Pauschal einschätzen lasse sich das nicht. Auf die Frage, ob und wie das Sicherheitskonzept nach der Tat verändert wurde, teilt das Unternehmen mit: "Da es sich bei der Tat nach Meinung der Ermittlungsbehörden um einen spontanen Akt der Gewalt handelte, sahen und sehen wir keine Veranlassung, unser Sicherheitskonzept anzupassen."

Wie zuvor würde ausgebildetes Sicherheitspersonal, also Kaufhausdetektive, beschäftigt, und weiterhin seien Überwachungskameras installiert, sagt Rissel: "Sicherlich ist das Personal in Würzburg aufgrund der Erfahrungen wachsamer und vorsichtiger geworden. Das ist aber eher eine persönliche Veränderung und keine Folge irgendeiner Arbeitsanweisung seitens Woolworth."

Katja Glatzer