Wo die Liebe hinfällt

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Christiane und Michaela Glaser stehen in Liebe zueinander. Foto: Glaser
Christiane und Michaela Glaser stehen in Liebe zueinander. Foto: Glaser

Sie haben Ja gesagt: Michaela und Christiane Glaser haben eine Lebenspartnerschaft begründet.

Sie lieben sich, sie haben sich vor Kurzem im Hammelburger Rathaus das Ja-Wort gegeben und Ringe getauscht: Michaela Glaser und Christiane Glaser (geborene Wüscher) haben mit ihren Unterschriften eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft begründet. Gemeinsam wollen beide in der Saalestadt alt werden.
"Wir gehen ganz offen damit um", sagt Michaela Glaser. Die 38-Jährige macht mit dem Zusammenziehen den größeren Schritt. Sie kommt von ihrem Heimatort Kürnach nach Hammelburg. Vom Dorf in die Kleinstadt, in der Christiane Wüscher (52) geboren ist. Deren Elternhaus aus dem Jahr 1929 richten die beiden gerade her.
Das Bekenntnis des Paares zur Saalestadt ist auch ein Ausdruck für die Offenheit, die sie hier genießen. "Wir spüren keine Nachteile", sagt Christiane Glaser. Das macht auch einen Teil der Lebensqualität aus. Was sie vor Jahren für undenkbar gehalten hätten: Sie laufen auch mal händchenhaltend durch die Straßen
Näher kennengelernt haben sich die beiden vor zweieinhalb Jahren. Vorher hatten sie öfters beruflich miteinander telefoniert. Der berufliche Weg des gleichgeschlechtlichen Näherkommens sei eher noch unüblich. "Ich fand ihre Stimme schon immer nett", schwärmt Christiane. Sie arbeitet in der Falken-Apotheke, Michaela im pharmazeutischen Großhandel in Würzburg.
Kontakte entstehen sonst eher bei Veranstaltungen in größeren Städten oder im Internet. Doch je mehr gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften vom Rand in die Mitte der Gesellschaft rücken, umso weniger Lesben- und Schwulenpartys gebe es wohl. "Oder vielleicht nehmen wir sie wegen unseres Alters nicht mehr so wahr", schmunzelt Michaela.


Glückwünsche von Kollegen

Sie ist dankbar dafür, dass entgegen einer ersten Absage auch die Eltern bei der Hochzeit mitfeierten. "Wenn ihr euch liebt, dann liebt ihr euch", bekam das Paar gelegentlich von Verwandten mit auf den Weg. In die Gratulantenschar reihten sich die beiden Söhne und die Enkelin von Christiane ein sowie die TV/DJK-Handballerinnen, bei denen sie lange auch in der Abteilungsleitung mitmischte. In der Nachbarschaft fühlt sich das Paar bestens angenommen.
Beste Wünsche kamen jeweils auch von den Kollegen. "Vor zehn Jahren hätte ich das wahrscheinlich noch niemandem gesagt", gesteht Michaela. Eine weitere Parallele eint das Paar. Zu ihrer Neigung stehen beide etwa seit Anfang des Jahrtausends.
Humor ist den beiden besonders wichtig. "Wir könnten so viele Geschichten erzählen", sagen sie über ihre Lebenserfahrung. Die Vermählung schien zunächst nicht unter einem guten Stern zu stehen. Bei den Vor-Flitterwochen in der Türkei fehlte abends plötzlich einer der beiden Trauringe, der im Hotel verloren gegangen war. Doch der wurde vom Personal entdeckt. Am nächsten Morgen bekamen sie ihn zurück.
Entspannt schauen sie jetzt nach vorne: Michaela kann sich vorstellen, durch künstliche Befruchtung Mutter zu werden.


Fünf Begründungen in 2016

Zunächst steht aber erst einmal die Sanierung des Hauses mit Hilfe von Freunden und Nachbarn an. Darin fühlen sich auch zwei Katzen und Hund Mudi wohl. Mit ihm streift das Paar gerne durch die nahe Natur. Doch auch reisen wollen beide. Der farbenfrohe Christophers Street Day in Hamburg ist bei früheren Besuchen gut in Erinnerung geblieben und einen Reisetipp wert. Und nach Afrika könnte es einmal gehen. "Auf den Spuren der Menschheit", sagt sie.
Mit der Begründung von fünf gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften gab es in Hammelburg 2016 so viele wie nie zuvor, sagt Standesbeamter Dieter Densch. Vier Paare kamen allerdings von auswärts. "Ich mache da keinen Unterschied", vergleicht er seine Haltung zur Zeremonie bei Eheschließungen zwischen Frau und Mann.
Ja, es komme ihm manchmal sogar so vor, als ob es in solchen Festgesellschaften noch herzlicher zugehe, wenn die ganze Familie und die Freunde dahinterstehen. "Jeder muss sein Glück finden", begrüßt er die neue Offenheit. Laut Stefan Stöth vom Einwohneramt gibt es aktuell in Hammelburg neun Personen, die in begründeten Lebensgemeinschaften wohnen. Darunter sechs Frauen und drei Männer. dübi