Im Frühjahr 2021 hatte die Catering-Firma Marcus Beran (Hammelburg) am Tagungs-, Event- und Retreatzentrum Sinneszeit im früheren Bad Kissinger Salinenblick einen Biergarten mit Sandstrand eingerichtet. Doch die Pandemie verzögerte den Start. Erst Anfang April konnte der selbstständige Koch im Freien zumindest Speisen zum Mitnehmen anbieten. Mitte Mai durfte die Außengastronomie dann, unter Beschränkungen, wieder öffnen. Doch die Freude der Kissinger über das neue Ausflugsziel in der Au währte nicht lange, denn Ende Juli wurde der Biergarten geschlossen.

In seiner Sitzung am 7. Juli hatte der Bad Kissinger Bauausschuss erst den Sandstrand als Ergänzung zu dem bereits bestehenden gewerblichen Betrieb Sinneszeit genehmigt. Damals war von 172 weiteren Sitzplätzen und einer kleinen Hütte die Rede gewesen. Der Ausschuss hatte sich seinerzeit ausbedungen, bei der Möblierung in Farbigkeit und Gestaltung mitreden zu wollen, um ein "ansprechendes und harmonisches Erscheinungsbild" zu erreichen. Denn schließlich zählen die Gebäude des früheren Salinenblick zur historischen Kulturlandschaft der Stadt und gehören zum Bad Kissinger Welterbe dazu, hieß es. Jetzt zirkuliert in der Stadt das Gerücht, dass es an der Sinneszeit "Zoff gegeben" habe. "Kein Kommentar", sagt Sinneszeit-Geschäftsführerin Patricia Purkert zu diesem konkreten Sachverhalt. Im Gespräch mit dieser Redaktion wird aber klar, dass es zwischen ihr und dem früheren Mieter des Biergartens Marcus Beran tatsächlich Unstimmigkeiten gab.

Das Ziel der Firma Beran habe nicht zu dem Lounge-Strand-Konzept der Sinneszeit gepasst, das geplant war, sagt Purkert. "Wir wollten dort keinen Biergarten mit roter Bank-Bestuhlung, sondern Strandstühle und kleine Pavillons. Unsere Zielgruppe für Events hat der Biergarten nicht angesprochen", sagt die Geschäftsführerin mit Verweis auf die Eigentümergemeinschaft Transparek (Sitz Bischofsheim), der das Anwesen in der Au gehört. Generell sei "zu viel Aufmerksamkeit auf die Außengastronomie gelegt" worden, hätten die Eigentümer bilanziert. "Unserem Konzept eines Tagungs-, Event- und Retreat-Zentrums hat das nicht entsprochen", sagt Purkert. "Deshalb haben wir uns gegen Herrn Beran entschieden." Der Biergarten soll, laut Purkert, gar nicht wiederbelebt werden. Die Eigentümer hätten beschlossen, künftig mit der Sinneszeit "neue Wege" zu gehen und nicht nur einen einzigen Caterer zu verpflichten. Geplant sei, eine Betreibergesellschaft zu gründen, in die unter anderem zwei neue Caterer, ein Event-Service und der Coaching- und Yoga-Bereich integriert sind, so die Sinneszeit-Chefin weiter. Auch Beran sei gefragt worden, ob er in dieser neuen Gesellschaft mitwirken will. Das habe dieser jedoch abgelehnt. Marcus Beran und sie hätten zunächst im September 2020 beschlossen, gemeinsame Wege zu gehen, sagt Purkert. Für die Außengastronomie sei ein Mietvertrag für ein Jahr abgeschlossen worden. Die zunächst ins Auge gefasste Gründung einer GbR sei aber nicht umgesetzt worden. Das bestätigt Caterer Marcus Beran (Hammelburg) auf Anfrage. Die Zusammenarbeit mit Purkert habe er im September 2020 mündlich als künftige "Partnerschaft" abgesprochen. Im Frühjahr 2021 sei angekündigt worden, eine GbR zu gründen, in welcher die Geschäftsführerin und er gleichberechtigte Geschäftspartner gewesen wären. Beran: "Die gemeinsame Aufgabe sollte sein, das Areal in Schuss zu halten, innen Umbauten zu tätigen und Vermietungen vorzunehmen."

Die GbR sei auf dem Papier zwar gegründet worden, aber "nicht zum Tragen gekommen", sagt Beran. Folglich sei der Pachtvertrag für die Sinneszeit, nach Angaben des Caterers, nicht auf die Geschäftsführerin und ihn überschrieben worden, sondern weiter auf Purkerts Namen allein gelaufen. Die Geschäftsfähigkeit der GbR herzustellen, sei mehrfach verschoben worden, so Beran weiter.

Dienstleistungsgesellschaft im Gespräch

Ihm sei dies aber ein wichtiges Anliegen gewesen, denn er habe bis Frühjahr 2021 an der Sinneszeit schon sehr viel Geld investiert gehabt, sagt der Unternehmer und nennt einen mittleren fünfstelligen Betrag. Neben den baulichen Anlagen für den Biergarten habe er für den Gastrobereich dort zum Beispiel auch einen Kombi-Ofen, ein Kassensystem, sowie Kaffee- und Spülmaschine auf eigene Rechnung beschafft. Er habe stets bereitwillig bei anderen Arbeiten an der Sinneszeit mitgeholfen, sagt er. Beispielsweise hätten in erster Linie er und seine Mitarbeiter nach der Entrümpelung der Gebäude 16 Fuhren Sperrmüll und Grüngut an der Sinneszeit aufgeladen und entsorgt.

Als die Villa der Sinneszeit Anfang 2021 gemeinschaftlich hergerichtet wurde, habe er dort zum Beispiel die Rechnungen für neues Mobiliar beglichen und mit seiner Familie die Wände gestrichen, so der Caterer weiter. Vor ein paar Monaten habe er an einem Donnerstag noch 50 Tonnen Sand für den Strand gekauft und aufgeschüttet. Eine Woche später habe es dann geheißen, dass es demnächst eine neue Dienstleistungsgesellschaft geben solle, in die er sich mit einkaufen könne, sagt Beran. "Ich sollte also erneut investieren." Das sei dann für ihn der Wendepunkt gewesen, sagt er, denn als einer unter vielen Dienstleistern hätte er "weiter kein Mitspracherecht für die Planungen" gehabt, weil Purkert in dem neuen Konstrukt die Event-Leitung übernehmen sollte. Deshalb habe er sich im Salinenblick verabschiedet und den Mietvertrag gekündigt. Jetzt müssten noch finanzielle Angelegenheiten zwischen ihm und der Geschäftsführung geklärt werden. Isolde Krapf