Aus Kostengründen, aber auch wegen des veränderten Kundenverhaltens schließt die VR-Bank Schweinfurt acht ihrer 27 Filialen. Darüber werden die Kunden derzeit durch Aushänge informiert. Betroffen sind zum 1. April die Filialen Poppenhausen, Üchtelhausen, Eßleben, Sulzheim und Heidenfeld sowie Gauaschach im Landkreis Bad Kissingen. Gauschach verliert auch seinen Geldautomaten, dafür wird die bisherige Filiale in Obersfeld ohne Geldautomaten zu einer Selbstbedienungsfiliale. Sie besteht eben nur aus einem Automaten. Die Filiale in Waigolshausen schließt, wenn der Neubau in Werneck im kommenden Jahr fertiggestellt ist.


Keine Kündigungen

"Wir bleiben in der Fläche", versicherten in einem Gespräch mit dieser Redaktion die Vorstände Peter Oppholzer, Wolfgang Schech und Frank Hefner.
Im Schnitt betrage künftig die Entfernung zu einer Filiale vier Kilometer beziehungsweise fünf Minuten Fahrzeit. "Mit dem Schritt haben wir lange gewartet", betont Schech, der für das Filialnetz verantwortlich ist. Die dauerhaft niedrigen Zinsen zwängen jetzt dazu, einzusparen. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Durch Fluktuation frei werdende Stellen würden jedoch nicht 1:1 wieder besetzt.
Mit bisher 27 Zweigstellen war die VR-Bank deutlich dichter vernetzt als vergleichbare Genossenschaftsbanken, die es im Schnitt auf 13 bringen. Der Durchschnittswert aller Banken liegt bei elf. Auch nach den jetzt anstehenden Schließungen sei man immer noch dichter aufgestellt als andere, betonen die Vorstände.


Verändertes Kundenverhalten

Für die Verdünnung des Filialnetzes spricht nach Ansicht der Vorstände neben den Kosten auch das veränderte Verhalten der Kunden. Fast jeder besitze heutzutage ein Mobiltelefon, habe somit "die Bank in der Tasche". Das normale Geschäft, wie Überweisungen, der Wertpapierhandel oder Versicherungen, ja selbst Kleinkredite würde heute online getätigt. Die Kundenquote in den Filialen ist seit 2009 um 40 Prozent gesunken und werde bis 2020 noch einmal in dieser Größenordnung schrumpfen.
Bei der VR-Bank Schweinfurt werden 92 Prozent aller Barauszahlungen über den Geldautomaten abgewickelt, 72 Prozent der Überweisungen erfolgen online. Der Durchschnittskunde besucht die Filiale ein bis zwei Mal pro Jahr, tätigt Bankgeschäfte online 119 Mal und 132 Mal über die App. Die VR-Bank Schweinfurt hat durchschnittlich 9000 Online-Kontakte pro Tag.


Bringdienst geht weiter

Unverändert bleibt der Bringdienst für nicht-mobile Kunden. Ihnen wird einmal im Monat Bargeld ins Haus gebracht, beispielsweise die Rente. Darüber hinaus nimmt die Zahl der Supermärkte und Discounter zu, die bei Vorlage einer Bankkarte Bargeld ausgeben. In Sennfeld beispielsweise ist dies in vier Geschäften möglich.
Stärken will die Bank ihr Beratungsangebot bei immer komplexeren Bankgeschäften. Dazu gehören Themen wie die Baufinanzierung oder die Vermögensverwaltung. Berater stehen nach Terminvereinbarung von 8 bis 20 Uhr zur Verfügung. Sie werden mit mobilen Arbeitsplätzen ausgerüstet. In den Beratungszentren Arnstein, Gochsheim, Schonungen, Werneck und Schweinfurt (dort sogar durchgängig) werden die Öffnungszeiten an allen Werktagen (Ausnahme Mittwoch) um zwei Stunden bis 18 Uhr erweitert.


Unverständnis vor Ort

In Gauaschach herrscht teilweise Unverständnis, warum dort mit seinen 615 Einwohnern auch der Geldautomat abgebaut wird, während in Obersfeld mit 291 jetzt einer aufgestellt wird. "Wir wollen dort das Dorfladenkonzept unterstützen", sagt Vorstand Wolfgang Schech auf Nachfrage. Außerdem liege Obersfeld an der Verkehrsachse durch den Bachgrund. Zukunft habe der Automat aber nur, wenn er entsprechend genutzt wird. Es gehe nicht darum, die beiden Orte gegeneinander auszuspielen. "Unter 2000 Einwohnern brauchen wir über die Rentabilität eines Geldautomaten gar nicht zu diskutieren", sagt Schech zur vergleichsweise geringen Zahl an Buchungen. Mit der Nähe zu den Automaten in Obersfeld (3,4 Kilometer), Schwebenried (6,5), Fuchsstadt (6,7), Hammelburg (7,9) und Arnstein (8,1) bleibe Gauaschach aber vergleichsweise gut versorgt.
"Ich wollte erst kämpferisch sein", sagt Ortssprecher Edmund Schaupp zum Schicksal der Gauaschacher Bankfiliale samt Automaten. Die Buchungszahlen mit dem Wandel zum Onlinebanking sprächen jedoch eine andere Sprache. Bedauerlich sei, dass nach der Gaststätte nun auch der Geldautomat abziehe und für den Laden wohl kein Nachwuchs zur Übernahme in Sicht sei. Es gebe immer weniger soziale Begegnungspunkte. "Das Leben auf dem Dorf wird ärmer", sagt Schaupp. Überraschend sei der kommende Abschied für ihn aber schon gekommen, sagt der Ortssprecher.
Der Vereinsring als Zusammenschluss aller Gauaschacher Vereine hatte die Lagerhalle vor rund drei Jahren von der Raiba Schweinfurt gekauft und der Bank den Schalterraum mietfrei überlassen. Vorher hatte man im Zuge der Dorferneuerung 15 Jahre mit der Bank um den Erwerb gerungen. Foto: Karl-Heinz Körblein