Rund 100 Tage nach dem Fund einer Leiche an einem Radweg in Bad Neustadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) haben die Schweinfurter Ermittler viele Aspekte des mutmaßlichen Mordfalles geklärt. Im Mittelpunkt der Nachforschungen steht aber immer noch offen die Frage: Warum wurde Josef D. getötet? Spaziergänger hatten die Leiche des 26-Jährigen am Morgen des 22. Novembers neben einem Radweg am Rand von Bad Neustadt in Richtung Hohenroth entdeckt. Die Obduktion in Würzburg ergab: Der Familienvater hatte durch einen oder mehrere spitze Gegenstände tödliche Verletzungen erlitten. Dreieinhalb Monate später ist der Fall von seinem Abschluss noch ein Stück entfernt: "Eine Anklage ist noch nicht in Arbeit", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Axel Weihprecht auf Nachfrage.

Erst ausgesagt, dann geschwiegen: Drei Verdächtige festgenommen

Das Opfer soll sich von seiner Lebensgefährtin am Vorabend zu einem Treffen "mit Kumpels" verabschiedet haben. Ein Freund, der später befragt worden war, schließt aus Äußerungen der Polizei ihm gegenüber: Die mutmaßlichen Täter hätten Josef D. wegen Drogenschulden zu einem Treffen bestellt und am Radweg abgepasst. Dort sollen sie ihm dann eine Bierflasche über den Kopf geschlagen und ihn mit mehreren Stichen getötet haben.

Oberstaatsanwalt Reinhold Emmert hatte im Januar diese Schilderung auf Anfrage nicht ausdrücklich dementiert, sondern gesagt: "Ob diese Darstellungen zutreffen, wird derzeit aufgeklärt." Drei nach dem Leichenfund festgenommene Bekannte von Josef D. im Alter von 18, 20 und 21 Jahren hatten zunächst Aussagen gemacht, dann aber geschwiegen. Als Geständnis wollten die Ermittler ihre Aussagen nicht bewerten.

Staatsanwalt: Zwei Beteiligte am Tatort

Konkret sagt der Leiter der Staatsanwaltschaft Schweinfurt jetzt: "Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand besteht der dringende Verdacht, dass der Getötete von zwei der Beschuldigten an den Tatort gelockt und dort getötet wurde." Noch sei die Auswertung von Informationen zu der Bluttat aber im Gange, sagt Weihprecht: "Die bisherigen Hinweise auf ein Tatmotiv bedürfen noch weiterer Überprüfungen, die bisher nicht abgeschlossen sind."

Zu Vermutungen im Umfeld des Opfers, es sei um Geldforderungen oder unbezahlte Schulden gegangen, äußerten sich weder er, noch die Ermittler. Unter Federführung der Staatsanwaltschaft ist eine zeitweise 25-köpfige Ermittlungskommission dabei, den genauen Tathergang zu rekonstruieren und die Hintergründe des Verbrechens aufzuklären.

Nach der Tatwaffe war laut Aussage der Staatsanwaltschaft lange vergeblich gesucht worden. Im Haftbefehl werden die beiden 18 und 21 Jahre alten Männer des gemeinschaftlichen Mordes verdächtigt, einem 20-Jährigen wurde Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Für den besonders gravierenden Vorwurf des Mordes müssen spezielle Merkmale wie Habgier oder Heimtücke vorliegen, von denen die Ermittler ausgehen. Die drei Verdächtigen kommen nach Angaben der Ermittler aus dem sozialen Umfeld des Opfers, sind aber nicht verwandt mit dem 26-Jährigen. Der dritte Mann hat für die Tatzeit ein Alibi.Manfred Schweidler