In seiner Entschuldigung nannte er es einen "verspäteten Abischerz". Schüler des Jack-Steinberger-Gymnasiums und deren Eltern war am Montag allerdings wenig zum Lachen zumute. Ein 22-jähriger ehemaliger Schüler veröffentlichte im Netz Videos, in denen er Schulleiter Frank Kubitza, in Rap-Songs beschimpft und mit einem Baseball-Schläger bedroht. Die Aufnahmen verselbstständigen sich: Zwischenzeitlich gingen Gerüchte einer Bombendrohung und eines Amoklaufs um. Eine Gefahr bestand laut Polizei nie. Kurz vor Schulbeginn wurde der 22-jährige Tatverdächtige am Montagmorgen in Freising festgenommen.

"Er ist aus allen Wolken gefallen", sagt Christian Pörtner stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Die Kissinger Beamten haben mit den Kollegen aus Oberbayern kooperiert: "Wir haben zweigleisig gearbeitet." Ein Team hat eine Adresse des 22-Jährigen im Landkreis angefahren, das andere Team aus Freising hat zeitgleich eine zweite Anschrift vor Ort angesteuert und den jungen Mann schließlich in Gewahrsam genommen.

Am Sonntagabend hatte ein besorgtes Elternteil bei Schulleiter Frank Kubitza angerufen und ihm von Videos erzählt, in denen er bedroht wird. Die Polizei war bereits verständigt. Frank Kubitza begibt sich auf die Suche nach dem Schüler, der hinter dem Pseudonym steckt, von dem die Rap-Songs stammen. Er fährt nachts ins Schulhaus, durchforstet Akten und hält bis in den frühen Morgen immer wieder Rücksprache mit den Kissinger Beamten. Für ihn war klar: "Kühl rangehen, ohne Emotion und beruhigt überlegen, was zu tun ist." Dann endlich ist klar, wer der Verfasser sein könnte.


Schüler entschuldigt sich

Der 22-Jährige meldete sich noch am Montagvormittag bei Frank Kubitza mit einer Entschuldigung. Er meinte, er habe nicht beabsichtigt, ihn zu bedrohen oder persönlich anzugreifen. Die Rap-Songs waren nur als Spaß gemeint gewesen und sollten sowieso nur ein paar bestimmte Leute erreichen. Der ehemalige Gymnasiast unterschätzte die Reichweite im Netz: Gerade einmal ein paar Tage alt, verbreiteten sich die Videos über Facebook und Whatsapp rasend. Gespickt mit immer neuen Gerüchten - bis hin zu Bombendrohung und Amoklauf. Schüler, Lehrer und Eltern sind alarmiert. "Sobald die Kinder morgens ihre Handys anschalten, läuft die Tauschbörse", sagt Christian Pörtner. Zwischen 6.30 und 7.30 Uhr brodelt es in der Gerüchteküche. Die Videos, Posts und Meldungen entwickelten ein Eigenleben und verselbstständigten sich bis in eine Hysterie. In den Morgenstunden werden die Beamten in der Kissinger Polizeiinspektion von einer Telefon-Lawine besorgter Eltern überrollt. Noch vor Schulbeginn können die Beamten Entwarnung geben.


Außer Kontrolle im Netz

"Es gab nie eine Gefahr", sagt Frank Kubitza. "Alles lief virtuell." Und doch sieht er die Gefahr der digitalen Medien: Das Netz schaffe eine eigene Realität, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Der Vorfall bestätigt ihn im Anspruch der Schule, Schüler und Eltern zu sensibilisieren: "Die Eltern sind dafür verantwortlich, was die Schüler im Netz treiben." Dinge können außer Kontrolle geraten und schließlich sei man dem Internet hilflos ausgeliefert. "Alle, die mich kennen wissen wies gemeint war", schreibt der 22-Jährige in seiner öffentlichen Entschuldigung auf Facebook. Eine "so große Welle" habe er nicht auslösen wollen.


Kinder bleiben zu Hause

"Es war gut, dass sich die Eltern schon in der Nacht gemeldet hatten", sagt Christian Pörtner. "Es ist alles richtig gelaufen." Einige Kinder sind am Montag nicht zur Schule gegangen: "Alle Eltern waren zurecht vorsichtig", sagt Frank Kubitza. Schüler, die das Gespräch suchen, können sich an die Schulpsychologen wenden, für seine Kollegen hatte er eine Lehrerkonferenz einberufen. Die Inhalte der Rap-Songs lässt der Schulleiter nicht an sich heran. Bedroht habe er sich nicht gefühlt: "Man ist im falschen Job, wenn man in solchen Situationen zu emotional reagiert." Die Entschuldigung des 22-Jährigen hat er angenommen. Trotzdem wird der sich vor einem Gericht verantworten müssen. Ob Frank Kubitza als Nebenkläger auftreten wird, weiß er noch nicht.

"Das war ein Tag, der durchgerüttelt hat", meint Christian Pörtner. Inzwischen hat der ehemalige Schüler die beiden Videos von der Plattform genommen. Die Kinder, Lehrer und Eltern werden diesen Schultag allerdings nicht so schnell löschen können.