Wolfgang Dünnebier "Wir wurden anfangs regelrecht überrannt." So lautet das Fazit von Jonathan Schneider, Inhaber der Marbach-Apotheke Bad Kissingen und Sprecher des Bayerischen Apotheker-Verbandes, auf die Frage, wie die Schnelltests in seiner Apotheke angenommen wurden. Seit Mitte März haben Bürger den Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest pro Woche. Und offensichtlich nutzen sie ihn reichlich, wie eine Umfrage unter den Test-Anbietern im Landkreis zeigt. Und auch vonseiten des Landratsamtes wird bestätigt, dass alle Angebote von der Bevölkerung gut angenommen werden.

So ist die Marbach-Apotheke, bei der es die Schnelltests nur nach Anmeldung gibt, oft eine komplette Woche ausgebucht. Das Telefon klingle manchmal pausenlos, sagt Jonathan Schneider. Entsprechend müsse man viele Absagen erteilen.

70 Testpersonen pro Tag

Die Testungen bedeuteten auch eine extreme Belastung für das Personal, da ja auch das normale Geschäft abgewickelt werden müsse. Aktuell zeichne sich aber eine leichte Entspannung ab. Als Ursache dafür sieht Schneider die Teststrecke, die Laboklin noch im März in Betrieb genommen hat.

Ähnlich sieht das seine Apotheker-Kollegin Sabine Eisenmann aus Bad Bocklet. Das Angebot der kostenlosen Schnelltests wird auch in ihrer Apotheke sehr gut angenommen. Gerade auch, weil Tests vor Ort in der Marktgemeinde möglich sind, gebe es dazu viel positive Resonanz. Inzwischen werde in der Brunnen-Apotheke dreimal am Tag eine Stunde lang getestet. Wenn es die Personalsituation zulasse, auch am Samstag. Auch deshalb, weil viele das Angebot eines Tests pro Woche nutzen und wiederkämen. In ihrer Apotheke gibt es das Testzertifikat in schriftlicher Form nach etwa 20 Minuten Wartezeit. Wenn das Wetter besser ist als derzeit, könne man die sehr angenehm im Kurpark überbrücken.

Dass es eine enorme Nachfrage nach den kostenlosen Schnelltests gibt, bestätigt auch Sabine Böhmer. Die Koordinatorin der Schnelltest-Strecke von Laboklin in der Steubenstraße gibt die Zahl der Tests derzeit mit etwa 70 pro Tag an. Und sie verweist darauf, dass wegen des Andrangs die Testzeiten schon mehrfach ausgeweitet wurden. Inzwischen werde einschließlich der Samstage drei Stunden täglich getestet. Zudem sei die Taktung von zwei Personen auf drei Personen in fünf Minuten ausgeweitet worden. Auch bei Laboklin dauert es etwa 20 Minuten, bis das Testergebnis in schriftlicher Form mitgenommen werden kann.

Zu den ersten Teststationen im Landkreis gehörte Anfang März die Falken-Apotheke in Hammelburg. Rund 1000 Tests hat Apothekerin Rita Schubert samt Team seit vier Wochen genommen. "Die Arbeit macht auch Spaß, weil man manchen Menschen die Angst nehmen kann", sagt sie. Außerdem zeigten sich viele Probanden sehr dankbar. Der Gesprächsbedarf sei groß, auch zu Fragen rund ums Impfen sehen viele das Apothekenpersonal als Ansprechpartner. Nach 20 Minuten gibt es das Ergebnis auf telefonischen Anruf oder bei Online-Anmeldung per Mail.

Rund ein Prozent positiv

Die Zahl der positiven Tests beziffert Schubert auf rund ein Prozent. "Die Leute sind dann erst einmal geschockt. Aber das ist ja kein Todesurteil", fügt sie an. Positiv getestete schickt sie in Quarantäne und verständigt das Gesundheitsamt.

Getestet wird in der Falken-Apotheke jeweils nachmittags von 14 bis 18 Uhr. Wobei die Zeit zwischen 14 und 15 Uhr Menschen vorbehalten ist, die keine Möglichkeit haben, sich über das Internet einen freien Termin zu buchen. Am Montag und Freitag sowie am Samstag (9 bis 12 Uhr) sei am meisten los. Dann stößt sie mit jeweils rund 40 Tests an die Kapazitätsgrenze. Am Karsamstag setzte sie die Tests wegen der Nachfrage sogar spontan bis in den Nachmittag fort. Mit rund 100 Testwilligen erreichte der Andrang unmittelbar vor Ostern den bisherigen Tageshöchststand.

Inzwischen testen im Landkreis nicht nur Apotheken und Laboklin. Nachdem es gerade in den sozialen Medien Unmut über mangelnde Testmöglichkeiten im Raum Bad Brückenau gegeben hat, kommt seit 1. April ein weiteres Testangebot in den Altlandkreisen Bad Brückenau und Hammelburg hinzu. Hier ist jetzt die Firma Med3group mit einem Testmobil in vier oder fünf verschiedenen Gemeinden pro Tag vor Ort und bietet zu festgesetzten Zeiten kostenlose Schnelltests an. Am Mittwoch war das in Oberthulba, Wartmannsroth, Hammelburg, Schondra und Motten der Fall. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen eigens dazu umgebauten Rettungswagen, wie Mario Grohmann erläutert. Ziel sei es, so der Med3group Gebietsleiter für Unterfranken, auch im eher unterversorgten ländlichen Raum ein Angebot von Schnelltestungen zu schaffen.

Das Testmobil ist mit einem "Registrierer" und, das hebt Grohmann besonders hervor, einer ausgebildeten medizinischen Fachkraft besetzt. Einen Termin für den Test benötigt man dort nicht. Bei größerem Andrang ist eben Anstellen angesagt. Etwa 20 Minuten nach dem Test erhält man das Zertifikat in schriftlicher und nicht in elektronischer Form. Das wäre im Prinzip auch möglich. Bei einer entsprechenden Umfrage hätte es aber bislang ausschließlich Zustimmung für die bisherige Herangehensweise gegeben. Das mobile Angebot werde bislang sehr gut angenommen, auch wenn die Zahlen vor den Ostertagen derzeit nicht erreicht würden. Wo das Testmobil jeweils Station macht, werde von Woche zu Woche festgelegt und auf Facebook oder auch auf der Homepage des Landratsamts veröffentlicht. Wie eine Sprecherin des Landratsamtes erklärt, sieht man dort das Angebot der Med3Group als "eine gute Ergänzung" zum Angebot anderer Test-Anbieter in den beiden Altlandkreisen. Reicht das Testangebot im Landkreis aus? Aus dem Landratsamt kommt dazu die Einschätzung, dass dies derzeit der Fall ist. Dem stimmt auch Apotheker Jonathan Schneider zu. Allerdings mit einer Einschränkung. Würden beispielsweise gewisse Lockerungen mit einem Schnelltest verbunden, erwartet er einen Andrang, für den die aktuellen Angebote nicht ausreichend wären. Thomas Pfeuffer und Wolfgang Dünnebier