von Wolfgang Dünnebier

Zum Teil weite Wege haben die rund 50 Musikerinnen und Musiker auf sich genommen, die am Sonntag nach Bad Kissingen gekommen sind, um sich mit der Staatsbad Philharmonie Kissingen zu solidarisieren. Sie spielten zusammen auf dem Rathausplatz, um die Forderungen ihrer neun Kollegen nach einem Tarifvertrag musikalisch zu untermauern. Außerdem verlangten sie, dass zwei vor Kurzem gekündigte Musiker wieder eingestellt werden.

Die rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten eine wohlklingende Protestaktion, die den Ernst des Konfliktes publikumswirksam untermauern sollte. Mit einem getragenen Kanon von Johann Pachelbel und dem aufrüttelnden Radetzky-Marsch waren es unterhaltsame 25 Minuten bei herbstlichem Sonnenschein.

Gewerkschaft hatte zur Aktion aufgerufen

Über die große Unterstützung freute sich in der Anmoderation Jan-Christian Hübsch, der stellvertretende Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) aus Berlin. Die DOV hatte zu dieser Aktion aufgerufen. Hübsch wertete das Solidaritätskonzert, das das Motto "Verhandeln statt Feuern" hatte, als Zeichen des Zusammenhalts der weltweit einzigartigen Orchesterlandschaft in Deutschland.

Am Konzert beteiligten sich neben der Staatsbad Philharmonie Kissingen auch Mitglieder der Staatsphilharmonie Nürnberg, der Bamberger Symphoniker, der Philharmonischen Orchester in Würzburg, Regensburg und Erfurt, der Nürnberger Symphoniker, der Meininger Hofkapelle und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen. Sie und alle anderen Festangestellten-Orchester in Bayern haben einen Tarifvertrag. Nur die Staatsbad Philharmonie Kissingen hat keinen.

Flächentarif für rund 130 Berufsorchester

Den Mitgliedern stehe eine Tarifvergütung gemäß dem Flächenvertrag für Konzert- und Theaterorchester zu, sagte Hübsch. Dieser regele seit Jahrzehnten ausgewogen die Rechte und Pflichten der rund 130 Berufsorchester in Deutschland.

In den vergangenen drei Jahren sei es gelungen, die Hofer Symphoniker, die Bad Reichenhaller Philharmoniker und das Georgische Kammerorchester in den Flächentarifvertrag zu bringen. Dies garantiere faire Arbeitsbedingungen und etwa Aushilfe bei einer Erkrankung.

Bamberger Geiger: Teilnahme eine Ehre

Von einer enormen logistischen Leistung, die Musikerinnen und Musiker zusammenzubringen, sprach Uli Müller, die Pressesprecherin der Deutschen Orchestervereinigung. Schließlich habe man hier die Exzellenz bayerischer Orchester vereint.

"Ich bin hier, weil andere es in der gleichen Situation für uns auch getan hätten", begründete Christiane Maior von den Nürnberger Symphonikern ihre Anreise gegenüber dieser Redaktion. Sie ist mit acht Kollegen aus ihrem Orchester nach Bad Kissingen gekommen. "Die Teilnahme ist mir nicht nur Verpflichtung, sondern eine Ehre", lässt der dienstälteste Geiger der Bamberger Symphoniker wissen. Ohne Solidarität bekomme man in der Branche nichts verwirklicht.

Auch Gerhard Veith, als Oboist am Staatstheater Augsburg frisch im Ruhestand, ist die Rückendeckung für die Kollegen in Bad Kissingen wichtig. Er erinnert sich an den einen oder anderen Kampf um eine bessere Absicherung in seinem eigenen Berufsleben. Gebessert habe sich das aber erst, als sein Haus Staatstheater wurde.

Dem Publikum jedenfalls gefiel das kurze Konzert auf dem Rathausplatz. Begeistert applaudierte man. Die Zuhörenden zeigten Sympathien für die Forderungen der Musiker. "Das sind alles vernünftige Leute", sagte etwa Ruheständler Manfred Jachmann. Als treuer Zuhörer der Konzerte der Staatsbad Philharmonie hat er Verständnis für die Forderung der Musiker nach mehr Geld. Allerdings vermisste er im Publikum Oberbürgermeister Dirk Vogel.

Unverständnis über den OB beim DOV

Unverständnis äußerte DOV-Pressesprecherin Ulli Müller am Rande der Protestaktion über die Kritik des Oberbürgermeisters an ihrem Verband. In einem Offenen Brief hatte Dirk Vogel von neun Stunden Arbeitszeit der Musiker pro Woche geschrieben. Dies verkenne den logistischen Aufwand der Musiker samt Einzel- und Ensemble-Probe.

Für Aufsehen sorgte ein Kritiker zu Beginn der Protestaktion, der seine Präsenz auf dem Platz nicht als Zeichen der Solidarität gewertet werde wollte. Die bisherigen Schritte hätten dem Ansehen des Welterbe Bad Kissingen stark geschadet, erklärte der Mann. Manch einer wäre froh, ein Gehalt wie die Musiker zu haben.

Der stellvertretender DOV-Geschäftsführer Jan Christian Hübsch wertet die Protestaktion am Sonntag als wichtigen Baustein auf dem Weg zum Tarifvertrag, "auch wenn wir noch einen weiten Weg vor uns haben". Nach dem kurzen Konzert packten die Musikerinnen und Musiker rasch ihre Instrumente wieder ein und machten sich auf den Heimweg. Viele von ihnen hatten am Abend noch einen regulären Auftritt.