Frage der Redaktion: Wie organisiert sich das Orchester neu?
Antwort der Staatsbad GmbH: Die Kollegenschaft der Musiker*innen insgesamt wird künftig das Orchester führen: In kollegialer Führungsarbeit und im Dialog auf Augenhöhe.
Frage der Redaktion: Wie weit sind die Planungen für die Neuausrichtung gediehen und ab wann greifen programmatische Neuerungen?
Antwort der Staatsbad GmbH: Gerne verweisen wir Sie auf die angefügte Pressemitteilung vom 27. Januar.
Tatsächlich ist diese Pressemitteilung durchaus aussagekräftig: Ab März werde es "Themenkonzerte, Instrumentalsolist*innen-Konzerte sowie Wunschkonzerte" geben, heißt es darin. Und: "Interessierte erhalten damit die Möglichkeit, selbst am Konzertprogramm mitzuwirken." Entwickelt worden sei die Neugestaltung der Konzertstruktur von einer Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt und der Staatsbad GmbH.
Das macht neugierig auf den Neustart. Doch wie sortiert sich das Ensemble bis dahin? Wie sieht denn "kollegiale Führungsarbeit im Dialog auf Augenhöhe" aus? Nachdem es nicht möglich ist, mit den Beteiligten zu sprechen, besucht man sie am besten auf der Arbeit. Im Kurkonzert.
"Kollektive Verantwortung"
Trompeter Reinhold Roth hatte schon in der turbulenten Mitgliederversammlung des Fördervereins Mitte Dezember überdeutlich durchblicken lassen, dass zumindest er nicht mit dem Kurs von Leiter Burghard Tölke einverstanden war: "Wir müssen nicht Sinfonien spielen ohne Ende. Dafür sind andere da. Wir sind ein Salonorchester", sagte Roth.
Und so betonte der Trompeter auch als Moderator im Kurkonzert am vergangenen Mittwoch vor mehr als 100 Besucherinnen und Besuchern mehrfach, dass man hier Salonmusik spiele.
"Ich bin begeistert von unserem Zusammenspiel. Wie aus einem Guss. Ein Salonorchester ohne Stehgeiger. Wir brauchen ihn nicht", so Roth auf der Bühne. Das Orchester habe keinen Leiter, es herrsche kollektive Verantwortung für alle Bereiche, von den Instrumenten über das Programm bis zum Management. "Es ist fast Science-Fiction, aber es funktioniert. Und wir behalten es bei, weil es so wunderbar funktioniert."
Musikalisch jedenfalls ist am Zustand der Staatsbad Philharmonie nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Das Ensemble spielt engagiert und mit sichtlichem und hörbarem Vergnügen, schwelgt in süffigen Melodien eines "Nachmittags in Nymphenburg" oder einer "Mondnacht auf der Alster". Und es zelebriert in verschwörerischer Eintracht im Medley "Haydns Himmelsgrüße" den berühmten Paukenschlag.Wie hilflose Opfer, die man vor aufdringlichen Presseanfragen schützen muss, wirken diese fröhlichen, mit viel Beifall bedachten Musikerinnen und Musiker jedenfalls nicht.
Matthias Wiedemann
Reinhold Roth spielt Trompete, der Posaunist heißt Roman Riedel!