Mit einer 28-seitigen Sitzungsvorlage samt Fotoanimation informierte das städtische Bauamt den Stadtrat zum geplanten Bauvorhaben an der Kantstraße. Am Waldrand oberhalb der Stadt sollen vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Wohneinheiten entstehen.

Gegen das Projekt hatten Anfang März 68 Bürgerinnen und Bürger eine Petition eingereicht. Sie forderten das Rathaus in einem offenen Brief dazu auf, dass der Bauausschuss sich mit dem Thema beschäftigen möge. Sie befürchten eine Beeinträchtigung der Lebensqualität und eine Belastung durch Lärm und Abgase in der Sackgasse. Außerdem passe das Projekt nicht zum bisherigen Charakter des Wohngebiets.

Die Stadtverwaltung pocht darauf, dass der Stadtrat sich im Normalfall mit einem solchen Bauprojekt nicht befasst, weil er nicht entscheidet. Warum das Thema jetzt doch seinen Weg in das Gremium fand, begründete Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) so: "Wir sind für maximale Transparenz, damit das Thema nicht weiter vor sich hin wabert". Die Räte sollten genau informiert sein, wie die Verwaltung ihre Entscheidung begründet. Andere Stadträte stützten diese Haltung, zeigten aber auch eine gewisse Ungeduld. "Es kann nicht sein, dass wir uns weiter damit beschäftigten", sagte Zweiter Bürgermeister Thomas Leiner (CSU) zum künftigen Vorgehen. Stefan Ziegler, Leiter der Bauverwaltung, hatte vor der kurzen Diskussion zu einzelnen Kritikpunkten aus dem Wohnviertel Stellung genommen. "Niemand hat einen Anspruch auf den Erhalt seiner Wohnsituation", fasste er die Rechtslage zusammen. Die Prüfung durch die Untere Naturschutzbehörde und das Amt für Landwirtschaft habe die Einwände der Nachbarn entkräftet.

Leiter der Bauverwaltung In die Prüfung flossen auch Zahlen ein. Durch das Vorhaben würden 1500 Quadratmeter durch Gebäude und Wege versiegelt, zudem entstünden 600 Quadratmeter Rasenfläche und 885 Quadratmeter Pflanzfläche. Außerdem würden neun Bäume gepflanzt. Mit viel mehr Lärm sei nicht zu rechnen, weil das Gelände an die vorhandene Wohnbebauung anschließe. Auf dem Gelände fänden sich keine gesetzlichen Biotope. Auch im nahen Erholungswald sei nicht von erheblichen Störungen auszugehen.

Die Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes äußerte, laut Ziegler, auch keine Bedenken. Sie schätzt die zusätzliche Verkehrslast als gering ein, zumal in dem Quartier neben Einfamilienhäusern bereits Mehrfamilienhäuser bestehen und pro Wohneinheit nur ein Stellplatz vorgesehen ist. Durch zwei Tiefgaragen reduziere sich die Beeinträchtigung mittels parkender Autos. Die Stadtplanung im Rathaus kommt zu dem Schluss, dass sich das Vorhaben in die nähere Umgebung einfüge, weil sich in der Nähe bereits Mehrfamilienhäuser befinden und es auf dem Grundstück in dem allgemeinen Wohngebiet keine Festlegung auf eine Anzahl der Wohneinheiten gebe. Zudem sei es Ziel einer Novelle der bayerischen Bauordnung vom Februar 2020, beschleunigt Wohnraum bereit zu stellen.

Letztlich verweist Ziegler auf auf eine Wohnungsmarktanalyse, die eine Nachfrage nach Arbeitskräften sowie den Bedarf von 1200 Neu- und Ersatzbauten bescheinige. Hier hakte Klaus Werner (Bündnis 90/Grüne) in der Aussprache nach. Das Projekt wende sich weniger an Arbeitskräfte, sondern an Menschen, "die sich das leisten können". Altbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) bezeichnete es als richtig, dass der Stadtrat ausnahmsweise ausführlicher informiert werde. Aber dann wurde er deutlich: Wer da künftig wohnt, spiele keinerlei Rolle. Wenn das Vorhaben genehmigungsfähig sei, habe der Bauherr einen Anspruch darauf. Peter Eggen (AfD) gab zu erkennen, dass er die Petition gegen das Vorhaben unterschrieben hat. Doch den Darlegungen der Verwaltung hatte er nichts entgegenzusetzen.