Ein mysteriöser Aufruf sorgte für Aufregung an Frankens Schulen. Über den Nachrichtendienst Whatsapp kursierte unter Jugendlichen eine Meldung (siehe "Nachricht im Wortlaut"), in der es unter anderem um den Terroranschlag in Paris ging. Anscheinend nutzten die Verfasser dieses Attentat, um Propaganda gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Asylpolitik zu betreiben.

Am Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium in Münnerstadt kamen am Dienstag tatsächlich viele der Schüler in Dunkler Kleidung zum Unterricht. Mit dem Whatsapp-Aufruf hatte das aber nichts zu tun: "Die Schülersprecher hatten dazu im Anschluss an die Schweigeminute am Montag aufgerufen", sagt Schulleiter Joachim Schwigon.


Schweigeminute an Schulen

An der Schweigeminute beteiligte sich auch das Franz-Miltenberger-Gymnasium in Bad Brückenau. Außerdem hat die Schule einen "Ort des Schweigens" im Rondell, dem runden Platz auf dem Schulhof, angelegt. "Die Schweigeminute war sehr bewegend, auch bei den jüngeren Schülern", sagt Dirk Hönerlage, stellvertretender Schulleiter. Auf Initiative der Schüler sind Blumen und Kerzen zum Gedenken niedergelegt worden. Dass ein Whatsapp-Kettenbrief in der Schülerschaft kursierte, glaube er nicht. Ihm sei auch nicht aufgefallen, dass die Schüler am Dienstag vermehrt in schwarzer Kleidung zur Schule gekommen sind.

Auch bei den Mittelschulen in Hammelburg und Bad Kissingen sei nichts auffälliges beobachtet werden können, ist aus den Schulen zu hören. Sie und ihre Kollegschaft haben ihre Schüler weder in schwarzen Klamotten beobachtet, noch etwas von der Nachricht mitbekommen, sagt Ingeborg Hofmann, Schulleiterin der Hammelburger Mittelschule. Gleiches bei der Staatlichen Realschule Bad Brückenau.


Virtuelle Überflutung

Im Landkreis Bad Kissingen scheint die Whatsapp-Nachricht also keine großen Wellen zu schlagen. Dennoch macht die Wirkung, die sich andernorts zeigt, einige Lehrer nachdenklich. "Das macht mich besorgt", sagt Frank Kubitza, Schulleiter des Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasiums. "Die Rationalität wird ausgeschaltet", meint er. Besonders alarmierend findet er die Botschaft des Kettenbriefs, der die Schüler erreichen sollte: "Die Trauer wird mit einer generellen Fremdenfeindlichkeit gemischt." Kinder und Jugendlichen werden überflutet von "Meinungsäußerungen von jedem Neurotiker".Ungefiltert baue sich daraus eine gefährliche, virtuelle Realität. Nur durch Zufall dringen solche Kommunikationen wie der Whatsapp-Kettenbrief, der sich in einigen Regionen verselbstständigt hatte, "in die Erwachsenenwelt". "Wir kriegen das nur durch Zufall mit", sagt Frank Kubitza.


Absender unbekannt

Wer dieses Anschreiben verschickt, steht bislang nicht fest. Fragwürdig ist auf jeden Fall die Art und Weise, wie versucht wird, die Flüchtlings-Politik der Kanzlerin mit den schrecklichen Ereignissen in Paris zu verknüpfen. Sogar in Hannover meldete eine Mutter den Umlauf der Nachricht.

Derartige Kettenbriefe sind im Übrigen kein Einzelfall. Im Jahr 2013 wurden Jugendliche in Niedersachsen von einer bizarren Todesdrohung auf ihren Handys verunsichert, die ebenfalls per Whatsapp wie ein Kettenbrief weitergereicht worden war. Damals riet das Landeskriminalamt Kindern und Jugendlichen, die Nachricht direkt zu löschen, damit sie sich nicht weiter verbreitet.