Sie laufen unter den Arkaden entlang, versuchen die Türe zu öffnen oder pressen ihre Gesichter gegen die Scheiben - bei näherer Beobachtung im Kurgarten zeigt sich, dass Kurgäste und Spaziergänger sich nicht so recht damit abfinden wollen, dass das Kurgarten-Café momentan geschlossen hat.

Der frühere Betreiber, Jochen Wehner, hatte bereits im August 2021 erklärt, aufgrund der Corona-Lage den Pachtvertrag nicht zu verlängern. Zum Jahreswechsel hatte er endgültig den Betrieb im renommierten Café neben dem Regentenbau eingestellt. Mitte Januar hatte die Staatsbad GmbH per Annonce einen neuen Pächter oder eine neue Pächterin gesucht, Mitte März lief die Bewerbungsfrist ab. Zum Ergebnis der Ausschreibung verweigerte die Staatsbad GmbH bereits im Mai die Aussage. Auch eine aktuelle Nachfrage der Redaktion, wie viele Bewerberinnen und Bewerber es nun letztendlich auf die Ausschreibung gab, blieb unbeantwortet. Aus Gründen der "Vertraulichkeit", so Pressesprecherin Theresa Preisendörfer.

Ein weiteres Standbein

Nach langem Stillstand ist nun jedoch alles ganz schnell gegangen. "Das Telefon hat vor etwa drei Wochen geklingelt - und der Wirtschaftsförderer der Stadt hat mich gefragt, ob ich nicht Interesse habe, das Kurgarten-Café weiterzuführen", erzählt Florian Höhn.

Der 33-Jährige ist in der Bad Kissinger Gastronomie-Szene kein Unbekannter. In "Emmanuels Restaurant-Bar" in der Grabengasse hat er Fachkraft im Gastgewerbe gelernt und sich nach 13 Jahren dort 2019 mit "Flo's Bistro Bar Lounge" in der Spargasse selbstständig gemacht. "Ich wollte einfach etwas Eigenes eröffnen", sagt er. Neben "Flo's Bar" betreibt er mittlerweile auch die Shisha-Bar "Skyline Lounge" sowie das Kindermodengeschäft Cosimo nebenan.

Von der Stadt kontaktiert

Der Gastronom selbst war überrascht als der Anruf kam. Beworben hatte er sich jedenfalls nicht. "Das hatte ich leider gar nicht mitbekommen", erzählt er. Warum keiner der Bewerber auf die Anzeige die Pacht übernommen hat? Auch dazu gibt es von Seiten der Staatsbad keine Auskunft. Fest steht, dass die Stadt mit auf die Suche ging, wie der städtische Pressesprecher Thomas Hack auf Nachfrage der Redaktion bestätigt: "Die städtische Wirtschaftsförderung hat sich miteingebracht."

Florian Höhn hatte sich nach dem Anruf der Stadt eine Nacht Bedenkzeit erbeten. "Am Abend habe ich mich mit meiner Partnerin Chantal Schneider zusammengesetzt. Sie ist sehr engagiert und wir haben noch in derselben Nacht einen Businessplan geschrieben." Dieser habe bei der Stadt Zuspruch gefunden, sodass es schnell losgehen konnte, erzählt der Gastronom: "Der Zeitplan ist sehr knapp, wir haben Vollgas gegeben." Am 20. Juli wird das Kurgarten Café nun wieder öffnen. Erklärtes Ziel war auch für das Rakoczy-Fest bereit zu sein.

Nach einer Bar und einer Shisha-Lounge nun das Kurgarten-Café - passt das zusammen? "Ich wollte etwas für Bad Kissingen tun", sagt er. "Und ich will zeigen, dass ich auch etwas anderes kann." Die Chance sich zu beweisen, reize ihn.

Nur die Außenterrasse wird bewirtschaftet

Der 33-Jährige will jedoch erst einmal klein starten. "So wie es zuvor betrieben wurde, geht es am Anfang nicht", erklärt er. Dafür reiche auch das Personal nicht. Er wolle Stück für Stück wachsen und sich entwickeln. Insgesamt hat das Kurgarten-Café laut Ausschreibung der Staatsbad GmbH 880 Quadratmeter und 300 Sitzplätze. Höhn will jedoch erst einmal nur die etwa 180 Plätze außen auf der Terrasse vor dem Café bewirtschaften.

Und auch der Pachtvertrag ist vorerst zeitlich begrenzt: er läuft nur bis zum 30. September. "Wir schauen uns das Konzept erst einmal gegenseitig an", so Höhn. Es gehe sowohl darum, ob die Staatsbad mit ihm als Pächter zufrieden sei als auch, ob er sich eine längere Übernahme des Cafés vorstellen kann.

Pacht auf Zeit als Konzept für die Zukunft?

"Solch eine Pop-Up-Geschichte ist gerade nach Corona eine gute Möglichkeit", sagt er. "So kann ich die Reißleine vor dem Herbst ziehen." Gerade für den Winter brauche es ein gutes Konzept, sonst seien die Betriebskosten nicht stemmbar.

"Es ist aktuell schwierig jemanden zu finden, der Verantwortung übernimmt", sagt Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) zur Situation. Er sei deshalb froh, mit Höhn jemanden für das Kurgarten-Café gefunden zu haben. "Die temporäre Verpachtung ist die richtige Antwort auf die derzeitige Lage", so der OB. "Wir werden uns in Zukunft an mehr Fluktuation gewöhnen müssen."

Cocktails, Burger und Zigarren-Tasting

Shisha-Pfeifen wird es auch in Zukunft im Kurgarten Café nicht geben, versichert Florian Höhn. Für gewisse Zielgruppen könne er sich zwar auch Events wie ein Whiskey- oder Zigarren-Tasting vorstellen, im Alltag gibt es aber das "klassische Kaffee- und Kuchengeschäft". Zudem gebe auch Kaffeespezialitäten und Cocktails. "Ich möchte auch eine jüngere Zielgruppe zwischen 30 und 50 ansprechen", sagt der 33-Jährige. Daneben gibt es kleinere Bistrospeisen, aber auch Burger-Abende oder Pizza. "Wir tasten uns mit dem Konzept heran, das wir kennen und für das wir auch die Kapazitäten haben."

Kein Personalmangel

Vielleicht komme in Zukunft auch ein Koch dazu, um eine Speisekarte anbieten zu können, aber das müsse sich nach und nach entwickeln. Obwohl die Gastronomie um Personal kämpft, hat Höhn diese Sorge im Moment nicht: "Ich habe gerade noch drei neue Kräfte bekommen und wir starten mit einem Team von zehn Leuten."

Sein Wunsch wäre es, das Café nach dem Sommer weiter zu betreiben. "Ich hoffe, dass es uns gefällt, dass die Umsätze stabil sind und wir dort wachsen können - das wäre für alle Beteiligten toll", so der junge Unternehmer. Trotz der knappen Vorbereitungszeit freut er sich auf die Eröffnung am 20. Juli. "Die Angst vorm Scheitern spielt eine Rolle, aber wer stehen bleibt, verliert", sagt er. "Ich bin aber sehr optimistisch, da ich ein tolles Team und Familie habe, die hinter mir stehen." Dazu habe die Stadt ihn sehr unterstützt: "Ich bin dankbar, dass sie an mich gedacht haben."

Die Öffnungszeiten

Das Kurgarten-Café hat Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Dienstag ist Ruhetag. Freitags hat es von 10 bis 21 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 22 Uhr sowie sonntags von 10 bis 19 Uhr.Julia Back