Am Montagmorgen war für Daniel Scheffler "Wunden lecken" angesagt. Der Ranger musste den Dienst vom Vortag im Naturschutzgebiet Lange Rhön erst verarbeiten. Was er an jenem Wochenende und vor allem am Sonntag vor einer Woche erlebt hat, übertraf alle seine bisherigen schlechten Erfahrungen. "So turbulent war es noch nie", fasst er das Geschehen etwas verharmlosend zusammen. Tatsächlich war er am Sonntagabend vor einer Woche nicht nur körperlich geschafft. Auch sein Nervenkostüm war reichlich strapaziert.

Von 7.30 bis 16.30 Uhr war Scheffler - teils zu Fuß - zwischen Holzberghof, Heidelstein und Schwarzem Moor unterwegs. Schließlich war abzusehen, dass bei blauem Himmel, Sonnenschein und Schnee an diesem Wochenende Besuchermassen den Rhöner Winter erleben und genießen wollten. Dagegen spricht nach Ansicht des Rangers natürlich nichts. Allerdings sollten die Naturliebhaber die dort geltenden Regeln beachten. Tun sie das nicht, muss er sie darauf hinweisen.

An jenem Wochenende haben die Verstöße eine bisher unbekannte Dimension erreicht. Scheffler blieb nichts anderes übrig als zu versuchen, so viele Besucher wie möglich anzusprechen und sie um das Einhalten der Regeln zu bitten.

Lautstark am Parkplatz gefeiert

Es ging schon am Samstagabend los. Da habe eine größere Gruppe von Jugendlichen lautstark auf einem der Parkplätze im Schutzgebiet gefeiert. Das bedeutete nicht nur eine Störung für die Tiere, sondern auch für Wohnmobilisten, die dort - ebenfalls nicht ganz legal - übernachten wollten und sich entsprechend beschwerten.

Ansonsten waren diesmal nicht die Autofahrer das große Thema. Zwar habe es am Wochenende wieder Chaos auf den Parkplätzen und durch illegales Parken gegeben. "Das war aber nicht das größte Problem!" Denn die Polizei habe auf seine Hinweise reagiert und trotz Personalengpässen Parkverstöße geahndet.

Ein beliebtes Ziel war auch das Schwarze Moor. Das ist zwar im Winter aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der dort lebenden Tiere gesperrt, was aber oft nicht respektiert werde. Massenweise werde der Zaun überstiegen. Teils würden gar Campingstühle mitgeschleppt, um mitten auf dem Pfad im Moor zu sitzen und ein Bier trinken zu können, wie Scheffler mit mehreren Fotos belegen kann.

Hunde nicht angeleint

Dann häuften sich die Fälle von Schneeschuhwanderern, die sich nicht darum scherten, dass sie auf den Wegen bleiben müssen. Im Gegenteil: Sie scheinen prinzipiell auf keinem Weg bleiben zu wollen, so der Eindruck des Rangers. Auch Wanderer waren querfeldein unterwegs. Viele auch noch mit nicht angeleinten Hunden, die frei umhersprangen. "Die wissen überhaupt nicht, was sie anrichten", so Scheffler. Die Tiere, die so aufgescheucht werden, hätten derzeit extrem schwierige Bedingungen, die so verbrauchte Energie wiederzugewinnen. So hat der Ranger einen Wanderer beobachtet, der mit seinem umherlaufenden Hund auf eine Gruppe Rehe zuging, die dann flüchteten und beinahe einen Unfall auf der Hochrhönstraße verursachten.

Dass sie auf den ausgeschilderten Wegen bleiben müssen, interessiert Wanderer oft nicht. Sei erst einmal "eine Spur im Schnee gelegt", so der Ranger, werde sie schnell von weiteren Wanderern genutzt.

Und aus der Spur werde ein breiter Weg, der von allen genutzt werde. Das mache es dann recht schwierig, den Leuten zu erklären, warum sie hier nicht laufen sollten. Der Ranger hat gut sichtbare Schilder zur Verfügung, die er an solchen Trassen aufstellt. Ihr Nutzen gehe allerdings meist gegen null, so die Erfahrung.

Manche Wanderer peilen auch einen Zielpunkt wie den Sendemast am Heidelstein an und laufen dann einfach darauf zu. "Ohne Sachverstand und Rücksicht auf die Tiere". Oft würden Wanderer auch von den Wegen abweichen, da sie ihre Kräfte überschätzt hätten oder zu spät feststellen, dass sie mit Turnschuhen und Jogginghose nicht ganz passend ausgerüstet sind. Erschöpft suchten sie Abkürzungen zum Ausgangspunkt.

Auch das sind Erfahrungen, die Scheffler machen musste. Dass noch ein Kind in den Eisgraben gefallen ist und ein Bänderriss an der Hochrhönstraße zu verzeichnen war, gehört zu den weiteren Vorkommnissen dieses Sonntags.

Einfach schlecht informiert seien Eltern, die mit Schlitten und Rodeln ins Naturschutzgebiet und nicht zu den ausgewiesen Rodelhängen kämen. Hier wie in anderen Fällen seien die Regelverstöße damit begründet worden, dass man dem Massenbetrieb andernorts ausweichen möchte, so der Ranger. Querfeldein laufende Schneeschuhläufer auf ihren Verstoß gegen die Vorschriften anzusprechen, sei nur schwer möglich. Die seien oft zu weit weg und können kaum eingeholt werden, so der Ranger.

Die Reaktionen sind unterschiedlich

Fordere man andere Besucher zur Einhaltung der Regeln auf, seien die Reaktionen oft sehr unterschiedlich. Manch einer sei überhaupt nicht ansprechbar gewesen, andere reagierten mit mehr oder weniger originellen Sprüchen, andere, wie eine Gruppe von Mountainbikern aus Mannheim, zeigen sich sofort verständig und fuhren auf der Hochrhönstraße weiter.

Wieder andere zeigen sich über ihr Unwissen tief betroffen. So habe es sogar in zwei Fällen Tränen der Reue gegeben. Kinder seien oft besonders verständig, weiß der Ranger. So habe er zwei Kindern erklärt, dass sie da, wo sie gerade ihre Schneemänner bauten, Rehen Angst machen. Daraufhin hätten die beiden ihre Kunstwerke mit großem Eifer wieder beseitigt.

Regeln

Das ist zu beachten:

1. Egal ob zu Fuß oder mit Langlaufskiern, nur die ausgeschilderten Wege benutzen.

2. Hunde immer an die Leine nehmen.

3. Abfall jeglicher Art zu Hause entsorgen.

4. Nur auf ausgewiesenen Parkplätzen parken.

5. Das Naturschutzgebiet nicht als Campingplatz missbrauchen. 6. Rodeln nur auf ausgewiesenen Hängen. top