Schon länger wundern sich die Fachleute, dass der wirtschaftliche Aufschwung seit vielen Jahren weitergeht, dass die übliche Konjunkturdelle nach sechs, sieben Jahren einfach ausfiel und ein Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs - der sich auch in erfreulich sinkenden Arbeitslosenzahlen abbildet - nicht in Sicht sei. Das gilt noch immer für weite Teile Bayerns. Doch im Arbeitsagenturbezirk Main-Rhön ist die seit 2009 sinkende beziehungsweise stagnierende Arbeitslosenquote 2019 plötzlich wieder gestiegen.

Zwar nur leicht, aber der Knick der Kurve ging im elften Jahr wieder nach oben. Die Zahl der erwerbslos Gemeldeten stieg im Jahresschnitt um 454 auf 7456, die Arbeitslosenquote von 2,8 Prozentpunkten im Jahr 2018 auf 3,0 Prozent. Damit lag die Region Main-Rhön - das sind Stadt und Landkreis Schweinfurt plus die Landkreise Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld - letztes Jahr um 0,2 Prozentpunkte über dem bayerischen Durchschnitt (2,8 Prozent) sowie 0,3 Prozentpunkte höher als der Durchschnitt in Unterfranken (2,7 Prozent). Was ist der Grund?

Im hiesigen Agenturbezirk dominiere das verarbeitende Gewerbe, der Produktionsbereich, sagt Agenturchef Thomas Stelzer bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2019. "Wenn es dort schwierig wird, merkt man's in Schweinfurt zuerst." Daher rühre der leichte Anstieg der Arbeitslosenquote. Die Drei-Prozent-Quote "ist immer noch niedrig, aber der Anstieg ist neu", sagt Stelzer.

Beschäftigung auf Rekordniveau

Dass die produzierenden Betriebe der Region Main-Rhön mit Schwerpunkt Metallverarbeitung Auslastungsprobleme haben, zeigt sich auch an der Kurzarbeit. Die stieg im vierten Quartal 2019 deutlich an. Hatten zu Beginn des Jahres 22 Betriebe oder Abteilungen für 465 Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet, waren es in den letzten drei Monaten im Schnitt 62 Betriebe mit 1700 Beschäftigten. Weder der leichte Anstieg der Erwerbslosigkeit noch die Kurzarbeit seien Zeichen einer nahenden Krise, so der Agenturchef, sie zeigten nach all den Boom-Jahren aber in eine andere Richtung.

Kurzarbeit als gutes Zeichen

Entgegen dieser Parameter hat sich 2019 die positive Beschäftigungsentwicklung fortgesetzt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse stieg erneut im Vergleich zum Vorjahr um 1722 Personen (1,0 Prozent) auf 177.795. Seit 2009 stieg diese damit kontinuierlich um 25 845 Personen an, wobei der Zuwachs des letzten Jahres eine bemerkenswerte Besonderheit aufweist.

Vier Fünftel der zu diesem Rekordwert neu hinzugekommenen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind laut Arbeitsagentur Ausländer, nur knapp 20 Prozent sind Deutsche.

Der Bestand an offenen Stellen liegt im Jahresschnitt 2019 zwar mit knapp 5000 gut sechs Prozent unter dem Wert des Vorjahres (5320 Stellen), aber doch weiterhin "auf hohem Niveau", so der Agenturchef.

Die durchschnittliche Zeit, in der eine Stelle besetzt werden kann, habe sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, so Stelzer. Er weiß auch, warum trotz einiger tausend Arbeitsloser auch mehrere tausend offene Stellen nicht besetzt werden können: Während Betriebe meist ausgebildete Fachkräfte suchten, fänden die sich oft nicht unter den Erwerbslosen. 36 Prozent der Arbeitslosen seien dem Helferbereich zuzuordnen - die umfassen aber nur 19 Prozent der angebotenen Stellen.

Das Fazit des Agenturleiters: In diesem Jahr sei mit einem leichten, nicht jedoch mit einem großen, Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Damit rechne offenbar auch nicht das für den Agenturbezirk so wichtige verarbeitende Gewerbe. Es nutze das Mittel der Kurzarbeit, um seine festen Fachkräfte zu halten für wieder auftragsstärkere Zeiten. Weil er aber schon mit einem Anstieg der Arbeitslosen rechnet, hat Stelzer für dieses Jahr mehr Geld für aktive Arbeitsmarktpolitik beantragt: 22 Millionen Euro. Im letzten Jahr waren es noch 16 Millionen.Stefan Sauer