Einstimmig hat sich der Gemeinderat Burglauer in seiner jüngsten Sitzung gegen ein interkommunales Gewerbegebiet mit der Stadt Münnerstadt ausgesprochen. Das Gelände sollte der Firma Seger Transporte in Münnerstadt zur Betriebsverlagerung dienen.
Die Idee für ein solches Gewerbegebiet war schon Anfang dieses Jahres von Münnerstädter Stadträten aufgebracht worden, um das in Münnerstadt bereits bestehende Gebiet
"Hörnau" großflächig erweitern zu können. Zusätzliche Aktualität hatte das Thema durch das Anliegen der Firma Seger bekommen, die einen neuen Betriebsstandort sucht und nach eigenen Angaben gerne in Münnerstadt bleiben würde.Im Ort fehlen aber aktuell Gewerbeflächen in entsprechender Größe.
Bürgermeister Kurt Back (CSU, Burglauer) erläutert, dass es mehrere Gründe für die Entscheidung des Gemeinderates gegen ein gemeinsames Gewerbegebiet gegeben hat. Zum einen habe Burglauer noch ausreichend Gewerbeflächen zur Verfügung, die man vermarkten könne. Zum anderen sprechen nach Ansicht des Gemeinderates auch viele Gründe gegen den von der Stadt Münnerstadt vorgeschlagenen Standort eines interkommunalen Gewerbegebietes. Die Gemeinderäte sehen keine Möglichkeit, das Gelände zwischen Lauer und Bahnlinie wirtschaftlich zu vermarkten. Die Flächen auf Burglaurer Gebiet befinden sich nicht in Gemeindehand, müssten also zugekauft werden.
Vorgesehen war zudem, die Haupterschließung über Burglauer zu führen, da die Anbindung des Gewerbegebietes über die Münnerstädter Hörnau für größeren Transportverkehr nur schwer verwirklichbar wäre.
Hinzu kommt nach Auskunft von Kurt Back, dass das gesamte Gelände nur einseitig entlang des Bahndamms bebaubar wäre, weil die Lauerseite Hochwassergebiet ist. Das verteuert die Erschließung zusätzlich. Die Stadt Münnerstadt hatte diese überschlägig auf 5,5 Millionen Euro kalkuliert.
Daraus ergibt sich ein Preis von fast 70 Euro pro Quadratmeter Gewerbefläche.Kosten für die Planung sowie Ausgleichsmaßnahmen müssten ebenfalls noch hinzugefügt werden. Das Gebiet würde dann aber in Konkurrenz mit den Gewerbegebieten benachbarter Kommunen stehen. Dort verlange man aktuell Quadratmeterpreise von ca. 30 bis 35 Euro, so Back.
Kritisch sieht Bürgermeister Back zudem die Tatsache, dass das angedachte Gewerbegebiet durch seine Lage zwischen Bahndamm und Lauer keine Erweiterungsmöglichkeiten bietet. Schwierigkeiten sieht er auch bei der Entsorgung des Abwassers.


Ungeeignetes Gelände

"Aus Sicht des Gemeinderates lässt der Standort sowie die sehr aufwendige und ungünstige Erschließung nicht annähernd eine wirtschaftlich vertretbare Umsetzung des Projektes zu", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, die die Kommune Burglauer am Donnerstag herausgegeben hat.
Für den Gemeinderat Burglauer war ein weiteres Entscheidungskriterium die grundsätzliche Problematik eines interkommunalen Gewerbegebietes. Das habe nichts mit dem Verhältnis zwischen beiden Kommunen zu tun, vermerkt Back. Man arbeite gut zusammen. Aber er sieht Probleme, wie ein solches Gelände gemeinsam vermarktet wird, wie die unterschiedlichen Gewerbesteuern abgerechnet werden etc. Deshalb fiel die Entscheidung in Burglauer eindeutig aus. In der schriftlichen Stellungnahme der Gemeinde Burglauer heißt es: "Der Gemeinderat Burglauer hält das Gelände für die Ausweisung eines Gewerbegebietes für gänzlich ungeeignet".
Bürgermeister Helmut Blank (CSU) hatte in der Sitzung das Rederecht, um die Pläne vorzustellen. Bürgermeister Helmut Blank bedauert die Entscheidung des Gemeinderates, betont aber, dass aus Sicht der Gemeinde Burglauer diese nachvollziehbar sei.


Kleine Lösung denkbar?

Mit der Entscheidung der Gemeinde Burglauer ist die Gewerbegebietserweiterung in der Hörnau noch nicht unbedingt gestorben. Denkbar wäre, dass Münnerstadt alleine erschließt. Allerdings sind die angedachten Ackerflächen in der Münnerstädter Gemarkung ebenso im Landschaftsschutzgebiet auf auf Burglaurer Seite. Eine Stellungnahme des Landratsamtes stehe noch aus, so Blank.
Bei einem Alleingang der Stadt Münnerstadt sieht Blank vor allem die verkehrstechnische Erschließung als problematisch an, denn der Lastverkehr der Firma Seger müsste in diesem Fall am Gymnasium vorbeigeführt werden. Alternative wäre eine Lauerbrücke, wie sie im Stadtrat bereits vorgeschlagen wurde. Hier stellt sich unter anderem die Frage der Kosten. Die Stadt werde jetzt weiter schauen, wo sich alternative Flächen anbieten, so Blank. Problem sei der zeitliche Druck, da die Firma Seger die neuen Flächen schnell benötige, sagt Blank.
Diesen bestätigt auch Christine Seger. "Es ist dringend", sagt die Unternehmerin. Sie hofft, dass es dennoch gelingt, einen Standort in Münnerstadt zu finden. Viel Zeit sollte nicht mehr verstreichen. Vom Landratsamt habe sie die Auskunft, dass eine Gewerbegebietsplanung in einem Jahr zu bewältigen sei. Anderswo hätte sie sofort die Möglichkeit hätte, den Betrieb anzusiedeln, sagt Seger. Jetzt hofft sie, dass parallel noch andere Standorte geprüft werden und sich eine in Münnerstadt zeitnah realisierbare Perspektive für das Unternehmen auftut.