Das Elternhaus ist 101 Jahre alt und könnte mal wieder eine Schönheitskur gebrauchen. "Wir wollen die Fassade erneuern und das Dach neu eindecken", berichtet Max Atzler. Als Malermeister schätzt er schon aus beruflicher Sicht alte Häuser, die Geschichte und den Charme, den sie haben. Ein Haus zu sanieren ist ihm persönlich lieber, als eines auf einer grünen Wiese neu zu bauen. Deshalb findet er es auch wichtig, dass in Arnshausen eine Dorferneuerung ansteht. "Ich finde es wichtig, dass sich im Ort etwas tut. Es wird Zeit", sagt er.

Die Arnshäuser sind es gewohnt, dass sie auf große Infrastrukturvorhaben lange warten müssen. Die B286 neu, die den Verkehr um den Ort herumführen soll, wird seit Jahrzehnten gefordert. Bis die Straße steht, wird es noch dauern. 40 Jahre hat der Stadtteil auf den Radweg nach Bad Kissingen gewartet, der bei der Eingemeindung 1972 zugesichert wurde.

In Sachen Dorferneuerung hat es zwar nicht ganz so lange, aber doch einige Zeit gedauert. Vor acht Jahren beschloss der Bauausschuss, dass die Stadt gemeinsam mit den Bürgern ein Konzept auf den Weg bringen soll. Es ist daher wenig verwunderlich, dass am Mittwochabend viele Zuhörer aus Arnshausen die Stadtratssitzung besuchten, auf der die Ergebnisse der Voruntersuchungen vorgestellt wurden. Das Signal der Planer: Noch in diesem Jahr sollen die ersten konkreten Schritte zur Umsetzung gegangen werden.

Fokus auf Lindenstraße und Kirche

Annika Puderbach stellte für das Planungsbüro "BFS Büro für Städtebau und Bauleitplanung" die Ideen für die Dorferneuerung vor. "Der Fokus liegt auf der gestalterischen Aufwertung des Ortskerns", sagte sie. Das ist der Bereich innerhalb des Alten Dorfrings, besonders das Kirchenumfeld und die Lindenstraße mit Kirchen- und Dorflinde, Altem Feuerwehrhaus, Linden- und Judenbrunnen. "Das ist eine große Maßnahme, in der Verschiedenes zusammengefasst ist", erklärte Puderbach.

Richtig in die Vollen ging die Planung ab Herbst 2019. Seitdem haben das Planungsbüro, die Stadt, das Amt für ländliche Entwicklung und Arnshäuser Bürger Projektideen gesammelt und ausgearbeitet. Neben der Gestaltung des Ortskerns spielen Treffpunkte für die Dorfgemeinschaft eine Rolle, etwa ein Treff für Jung und Alt und ein Beachvolleyballfeld. Für den Treffpunkt ist die Standortfrage noch nicht entschieden, in Frage kommen laut Puderbach das Pfarrheim und das Feuerwehrhaus mit Sportheim. Ebenfalls wichtig ist die Innenentwicklung, um Leerstände zu beseitigen.

Auch Naherholungsangebote spielen eine Rolle. So soll die bestehende Kneippanlage neu gestaltet und ein Rundwanderweg um den Ort - die "Arnshäuser Runde" - ausgeschildert werden. Die mögliche Route könnte durch das Wasserschutzgebiet verlaufen und die Kapelle Terzenbrunn und den Wittelsbacher Turm mit einbeziehen. Auch ist die Beschilderung von Radwegen mit Flow-Trails für Mountainbiker denkbar. Arnshausen würde so das Naherholungsangebot der Kurstadt ergänzen.

Investitionsrahmen: Fünf Millionen Euro

Zum Finanziellen: Das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) fördert die Dorferneuerung mit 1,8 Millionen Euro, erklärt Joachim Mair. Der größte Brocken ist mit einer Millionen Euro für die Gestaltung der Ortsmitte gedacht. Insgesamt betont er: "Das ist kein kleines Budget. Darin können wir die zentralen Projekte unterbringen." Das Amt übernimmt jedoch nur einen Teil der Kosten, der Rest ist Sache der Stadt. "Die Stadt wird mehr Geld in die Hand nehmen müssen", sagt Mair.

Er schätzt die Kosten auf zwei bis drei Millionen Euro, weil die Stadt beispielsweise auch Kanäle und Seitengassen anpacken müsste, die nicht über die Dorferneuerung bezuschusst werden.

Für Privatleute wie Max Atzler wird es interessant, weil auch ein kommunales Fördergebiet für den Altort und den Ortsbereich entlang der B286 geplant ist. Renovierungsarbeiten auf privatem Grund können demnach mit bis zu 30 Prozent bezuschusst werden. Laut Mair wird angestrebt, dass ab Herbst Zuschüsse winken.

Am 21. September soll es eine zentrale Bürger-Infoveranstaltung in der Lollbachhalle geben, im November soll das Verfahren zur Dorferneuerung dann offiziell starten. Erste kleinere Maßnahmen wie das Beachvolleyballfeld und das Kneippbecken können laut Mair bereits nächstes Jahr angegangen werden, bis die Bagger in der Lindenstraße rollen, ist aber noch Geduld gefragt. Die Dorferneuerung erstreckt sich auf rund zehn Jahre.

Mountainbike statt Bundesstraße

Aus dem Stadtrat gab es keine Kritik an den Plänen. Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) will mit der Dorferneuerung in Arnshausen die Weichen stellen, für die Zeit, nachdem die B286 neu gebaut, und die alte Bundesstraße zurückgebaut wurde. "So lange ich Arnshausen kenne, fährt man da durch. Aber irgendwann ist dort Schluss und dann beginnt dort die Mountainbike-Strecke", sagte er. "Wir müssen jetzt die Schritte gehen, die zu den späteren Rahmenbedingungen passen."

In den Stadtteilen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden, dass sie im Vergleich zur Kernstadt zurückstecken müssten. Vogel erklärte dazu im Gespräch mit der Redaktion: "Wir müssen die Stadtteile im Blick haben. Die Stadtteilidentität ist eine Stärke von Bad Kissingen, sie dürfen sich nicht ausgeschlossen fühlen." Aktuell arbeite die Stadt an mehreren Projekten in den Stadtteilen. Die Kita in Poppenroth wird modernisiert und erweitert, außerdem soll in dem Ort ein Dorfladen entstehen und in Reiterswiesen steht die Sanierung des Vereinsheims Krone an.

Die Arnshäuser sind mit dem Vorgehen zufrieden. "Es ist eine einzigartige Möglichkeit, eine so umfassende Dorferneuerung zu bekommen", sagt Harald Wedler, einer derer, die sich seit Jahren für das Thema einsetzen. "Es ist eine Chance, einen ländlich geprägten Ort attraktiv zu machen, auch für junge Familien." Max Atzler freut sich, dass die Stadt das Thema ernst nimmt. "Ich finde es gut, dass sie versuchen, in Arnshausen etwas auf die Beine zu stellen. Wir bekommen dadurch neue Möglichkeiten fürs Dorfleben", sagt er.