In Bad Kissingen ist Erwin Horak möglicherweise nicht so bekannt wie in München. Bedeutung hatte und hat der Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung für die Spielbank und damit auch für die Kurstadt aber durchaus. Der 66-Jährige verabschiedet sich jetzt in den Ruhestand. Eine gute Gelegenheit, ein klein wenig über sein künftiges Leben und ganz viel über die Entwicklung der Spielbank zu reden.

Frage: Die Spielbank Bad Kissingen feierte 2015 ihr 60-jähriges Bestehen. Wie viele Jahre davon haben Sie die Spielbank als Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung begleitet?
Erwin Horak: Ich war beinahe 19 Jahre Präsident von Lotto Bayern. In dieser Position bin ich auch für die neun bayerischen Spielbanken verantwortlich und damit auch für die Spielbank Bad Kissingen.

Welche Turbulenzen haben Sie in Ihrer Amtszeit erlebt?
In erster Linie erinnere ich mich an die vielen positiven Erlebnisse und an die vielen interessanten Menschen, die ich kennengelernt habe. Absolute Highlights waren die Spielbank-Eröffnungen in Bad Füssing, Bad Kötzting, Feuchtwangen, Bad Steben und der Neubau der Spielbanken Lindau und Bad Wiessee. Bad Kissingen haben wir 2003 und 2004 generalsaniert. Eingangsbereich und Restaurant wurden zeitgemäß ausgebaut und völlig neu gestaltet. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als die Architekten das Modell des Umbaus gezeigt haben. Im Erdgeschoss sollte nicht mehr viel von der vorhandenen Bausubstanz übrig bleiben. Da habe ich den damaligen Direktor Otmar Lutz gefragt, ob er sich das zutraut. Er hat ja gesagt - und wir haben bei laufendem Spielbetrieb umgebaut. Natürlich war das mit viel Arbeit und Stress verbunden. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Vor einigen Jahren hat auch das Kissinger Casino einen Einbruch beim Bruttospielertrag und bei den Besucherzahlen erlebt. Was waren dafür die Ursachen?
Dazu hat der Boom der gewerblichen Spielhallen geführt, der noch Jahre anhalten wird. Allein in Bayern gibt es rund 20 000 Geldgewinnspielgeräte in den Spielhallen. In den neun bayerischen Spielbanken sind es dagegen nur 1100 Geräte. Ein weiterer Faktor ist der Bereich Online-Glücksspiel. Mehr als 4000 illegale Glücksspiel-Seiten findet man im Internet. Diese Unternehmen zahlen in Ländern wie Malta oder Gibraltar, wo viele ihren Firmensitz haben, nahezu keine Steuern. Gegen solche Unternehmen haben wir es schwer, zumal in Deutschland nur sehr zögerlich durch die Innenbehörden gegen derlei Angebote vorgegangen wird.

In welchem Umfang profitieren Stadt und Staat von der Spielbank?
Zum einen als Arbeitgeber, in Bad Kissingen haben wir immerhin 67 Beschäftigte. Natürlich profitieren auch der Bayerische Staatshaushalt beziehungsweise die Standortkommune direkt. Im Zeitraum von 2000 bis 2014 haben wir von den bayerischen Spielbanken insgesamt 743 Millionen Euro abgeführt, 200 Millionen davon an die neun Standortkommunen. Die Stadt Bad Kissingen hat in diesem Zeitraum aus den 61,39 Millionen Euro an Spielbankabgabe rund 18,09 Millionen Euro Gemeindeanteil erhalten. Ich denke, das sind Zahlen, auf die alle stolz sein können.

Es gibt noch andere Gewinner. Die Spielbank unterstützt den Kissinger Sommer. Wieviel Geld ist hier inzwischen geflossen?
Für den Zeitraum 1991 bis 2015 kommen da fast 500 000 Euro zusammen, wenn man den Empfang nach dem Konzert mit einrechnet. Darüber hinaus sind wir seit 2012 auch Mitglied im Förderverein Kissinger Sommer.

Sie zeigten beim Empfang nach dem Kissinger Sommer-Konzert im vergangenen Jahr verhaltenen Optimismus in Bezug auf den Bruttospielertrag. Wie sieht es aktuell damit aus?
Der Bruttospielertrag ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,87 Prozent gestiegen. Wir sind zufrieden. Aber die Restriktionen für die Spielbanken in Bayern, aber auch in Deutschland, sind leider nach wie vor sehr streng. Wir haben daher unsere Werbelinie im Freistaat überarbeitet. Mit dem Claim "Bühne, Bar, Restaurant, Casino" wollen wir verstärkt auf das ganzheitliche Angebot der Spielbanken aufmerksam machen. Dies ist uns bereits gut gelungen, wir wollen es aber weiter optimieren.

Wo steht die Kissinger Spielbank im Verbund mit den anderen acht Spielbanken in Bayern?
Wenn man allein den Bruttospielertrag 2015 betrachtet, liegt Bad Kissingen hinter Bad Wiessee, Feuchtwangen, Garmisch-Partenkirchen und Lindau an fünfter Stelle.

Welche Projekte unterstützt das Casino noch vor Ort?
Neben dem Kissinger Sommer engagiert sich die Spielbank noch beim Rakoczy-Fest. Und seit 1991 findet bei jedem Sommerfest die Aktion Drehen und Spielen für Bedürftige statt. In dieser Zeit konnten rund 50 000 Euro an soziale Organisationen, Vereine und Verbände übergeben werden.

Die Spielbank ist im denkmalgeschützten Luitpoldbad angesiedelt, das zu einem Behördenzentrum ausgebaut wird. Hat die Spielbank davon einen Nutzen?
Ich bin mir sicher, dass dieser Ausbau und die Neugestaltung des Innenhofs für Bad Kissingen eine große Chance darstellt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das auch auf die Spielbank auswirken wird. Immerhin kann die Spielbank als unmittelbarer Nachbar mit attraktiven Angeboten im Bereich Gastronomie, Event und Spielangebot einiges bieten.

Gibt es konkrete Pläne dazu?
Wir stehen als Gesprächspartner jederzeit zur Verfügung. Ich bin sicher, dass Frau Vorndran, unsere Direktorin der Spielbank Bad Kissingen, zusammen mit ihrem Event-Team hier schon kreative Ideen hat.

Sie haben manchen Geburtstag beim Kissinger Sommer gefeiert. In diesem Jahr werden Sie 66. Welches Leben fängt jetzt für Sie an?
Ich habe mir den Klassiker von Udo Jürgens noch mal angehört. Lieder im Stadtpark singe ich ganz sicher nicht! Und ein Motorrad kaufe ich mir auch nicht. Aber meine alte Vespa werde ich wieder flott machen für Fahrten in den sonnigen Süden. Eines ist klar: Nicht nur zurücklehnen, sondern neue Aufgaben im gemeinnützigen Bereich übernehmen, Reisen, Fitness und alles tun, damit ich meinen Arzt, der übrigens mein Schwager ist, so wenig wie möglich brauche. Bad Kissingen werde ich vermissen. Aber hierher lohnt sich jede Reise, da muss man nicht Präsident von Lotto Bayern sein.

Das Gespräch führte Ursula Lippold.