Bad Kissingen
Titel

Unesco sagt ja: Bad Kissingen ist Welterbe

Am Samstag Nachmittag hat die Unesco Bad Kissingen und die Great Spas of Europe auf die Welterbeliste aufgenommen. Bad Kissingen ist damit die neunte Welterbestätte Bayerns. Erste Stimmen, Glückwünsche und Einordnungen zu einem historischen Tag für die Stadt.
Haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts wesentlich dazu beigetragen, dass Bad Kissingen sich ab sofort Welterbe nennen darf: Ohne Prinzregent Luitpold (links, Peter Krug) und seinen Baumeister Max Littmann (Erwin Full) gäbe es keinen Regentenbau und andere zentrale Kurbauten. Foto: Benedikt Borst
Haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts wesentlich dazu beigetragen, dass Bad Kissingen sich ab sofort Welterbe nennen darf: Ohne Prinzregent Luitpold (links, Peter Krug) und seinen Baumeister Max Littmann (Erwin Full) gäbe es keinen Regentenbau und andere zentrale Kurbauten. Foto: Benedikt Borst
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Zehn Jahre Vorbereitung und am Ende ging es ganz schnell: Am Samstag Nachmittag, 24. Juli, gegen 14.30 Uhr rief der Vorsitzende des Welterbekomitees, Xuejun Tian, den Nominierungsantrag der Great Spas of Europe auf. Gute fünf Minuten später senkte Tian bereits wieder den Hammer und gratulierte den elf historischen Kurorten dazu, dass sie von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt wurden. Damit sind Bad Kissingen, Baden-Baden und Bad Ems (Deutschland), Karlsbad, Marienbad und Franzensbad (Tschechien), Baden bei Wien (Österreich), Montecatini Terme (Italien), Spa (Belgien), Vichy (Frankreich) und Bath (Vereinigtes Königreich) ab sofort Teil einer gemeinsamen Welterbestätte.

In Bad Kissingen ist die Freude über diesen historischen Moment riesig. "Wir sind Welterbe!" Diesen Satz wirft ein Beamer im Max-Littmann-Saal im Regentenbau in großen Buchstaben an eine Leinwand. Davor haben sich Kulturreferent und Unesco-Projektleiter Peter Weidisch und Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) mit einem Glas Sekt fürs Pressefoto postiert. Die Anspannung ist weg, die Stimmung eine Mischung aus Gelöstheit, Freude und auch etwas Euphorie. Es wird sogar geflachst: "Das Welterbe ist in Gefahr", scherzt der OB, als ein Mitarbeiter vor versammelter Presse eine Tür zum Weißen Saal öffnen will und plötzlich die Klinke in der Hand hält.

OB Dirk Vogel: Champions League der Aufmerksamkeit

"Wir haben heute einen historischen Tag erlebt", sagt Vogel. Er erinnert an das Jahr 1883, als König Ludwig II. von Bayern Kissingen per Dekret zum Badeort erhob. 138 Jahre später würdigt die Unesco das europäische Kurphänomen und nimmt Bad Kissingen als Kurstadt mit den zehn anderen wichtigsten Vertreten dieses Stadttyps in die Weltkulturliste auf. Deren Bedeutung für die Weltgemeinschaft werde damit auf besondere Weise gewürdigt.

Bad Kissingen lande "in der Champions League der Aufmerksamkeit deutscher Städte". Die Stadt müsse den Titel als Mittel für sich einsetzen. "Es gilt nicht nur unser Welterbe zu bewahren, sondern es auch zu nutzen", sagt der Oberbürgermeister. Etwa um Investitionen nach Bad Kissingen zu holen und seit Jahrzehnten leerstehenden Gebäuden eine Perspektive zu bieten. Als Beispiel nannte er die Untere Saline. Der Welterbetitel könne da nur helfen. Vogel: "Ohne Titel haben wir es nicht geschafft, dort eine Nutzung hineinzubringen."

Welterbe-Titel ein Quantensprung

Peter Weidisch hat die Mission Weltkulturerbe inhaltlich von Beginn an geleitet. "Ein Traum geht in Erfüllung. Ich hoffe nicht nur für mich, sondern für uns alle", sagt er. Inhaltlich sei die Arbeit eine Herausforderung gewesen. "Es ist ein komplexes Thema. Wir mussten den Typus europäische Kurstadt in allen Facetten abbilden. Das ist uns gut gelungen", meint er. Bad Kissingen stehe in der Gruppe als Musterbeispiel für ein Weltbad zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Gruppe habe seriös und wissenschaftlich gearbeitet. Bad Kissingen habe schon während der Bewerbung bei Bauprojekten und in der Stadtplanung gezeigt, dass es den Schutz seines Welterbes ernst nimmt. Er verweist auf die Fassadengestaltung des geplanten Kurparkresort, die eng abgestimmt wurde mit dem Internationalen Denkmalrat (Icomos). Dieser berät die Unesco.

Der Kulturreferent hofft, dass der Titel nun eine Aufbruchsstimmung in der Stadt auslöst. Weidisch: "Ich denke es ist ein Quantensprung, der nach innen und nach außen wirkt."

Freistaat sichert Unterstützung für neue Welterbestätte zu

Thomas Gunzelmann hat die Bewerbung für den Freistaat für das Landesamt für Denkmalpflege ebenfalls seit 2010 unterstützt. Bad Kissingen sei Teil eines großen Gesamtpakets. "So einen komplexen Welterbe-Antrag habe ich noch nicht begleiten dürfen. Das ist einer der komplexesten Anträge, die es auf die Welterbe-Liste geschafft haben", sagt der Denkmalpfleger. Bad Kissingen habe es historisch verdient, Teil dieser Liste zu sein.

Die Stadt stehe nun in der Verantwortung, ihr Welterbe zu schützen. Die Unesco macht hier keine gesetzlichen Vorgaben, sondern überlässt den Schutz den staatlichen Regelungen. "Die bestehenden Gesetze müssen konsequent umgesetzt werden", mahnt Gunzelmann. Er sicherte beim Schutz die Unterstützung des Freistaates zu. "Bad Kissingen soll ein würdiger Bestandteil des universalen Menschheitserbes sein."

Alt-OB Kay Blankenburg: Wert kann nicht hoch genug eingeschätzt werden

Vogels Amtsvorgänger , Kay Blankenburg (SPD), hatte die Bewerbung politisch auf den Weg gebracht und den Großteil der Zeit als Oberbürgermeister begleitet. Fast zehn Jahre gemeinsamer harter Anstrengungen werden belohnt. "Der neue Status kann von seiner Bedeutung für Bad Kissingen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Durch dieses Prädikat, das man nicht kaufen kann und das weltweit weniger als 1200 mal vergeben wurde, werden wir uns eine neue, interessante Klientel erschließen", sagt der Alt-OB.

Glückwünsche von höchster Stelle

Bayerns Kultusminister Bernd Sibler (CSU) sprach am Samstag in einer Pressemitteilung von "großartigen Nachrichten für Bad Kissingen und das Kulturland Bayern". Mit dem Kurort hat der Freistaat nun neun Welterbestätten vorzuweisen - mit Bamberg, Bayreuth, Würzburg und Bad Kissingen befinden sich davon vier in Franken. Bad Kissingen habe "mit einer Mischung aus gelebter Tradition und Moderne überzeugt".

Nicht nur von Landes- auch von Bundesebene gingen zahlreiche Glückwünsche an die Fränkische Saale. "Ich freue mich sehr über den Erfolg der elf europäischen Kurstädte, der dank enger internationaler Zusammenarbeit ermöglicht wurde", so Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt. Brigitta Ringbeck von der Welterbe Koordinierungsstelle im Auswärtigen Amt sagt: "Herzlichen Glückwunsch zu dieser hohen Auszeichnung für das, was in dieser herausragenden Kurstadt an außergewöhnlichen, universellen Werten geschaffen und bewahrt worden ist."

"Im Antlitz der heute ausgezeichneten Kurstädte spiegelt sich Europa", erklärt die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission Maria Böhmer. "Vielfalt und Einheit gehen hier Hand in Hand. Die Tradition der Kurbäder und ihre besondere Architektur, ihre Gemeinsamkeiten und Eigenheiten offenbaren sich hier wie nirgendwo sonst", betont sie.