Am Mittwochabend erreichte die Menschen in Bayern über die Medien die Nachricht, dass Bayern in Hausarztpraxen den Impfstoff von AstraZeneca für alle Menschen ab 18 Jahren freigibt. Die neue Regelung gelte sofort, hat in einem Interview des BR Gesundheitsminister Klaus Holetschek angekündigt. Eine offizielle Bestätigung dieser Aussagen lag den Hausärzten jedoch auch am Donnerstagnachmittag noch nicht vor. Sie haben wie auch alle anderen von der Freigabe nur aus den Medien erfahren und aktuell sieht es auch nicht danach aus, dass den Praxen überhaupt das AstraZeneca-Vakzin zeitnah zur Verfügung steht.

Denn eigentlich ist der aktuelle Planungs- und Wissensstand der Hausärzte und der Apotheken ein anderer. In dieser Woche haben die Hausärzte noch Impfdosen der Marke AstraZeneca erhalten, in der nächsten Woche wird es aber keine Lieferungen damit geben, sondern ausschließlich mit BioNTech/Pfizer-Impfdosen. Das bestätigen der Bad Kissinger Hausarzt und ärztliche Leiter des Landkreis-Impfzentrums, Dr. Ralph Brath wie auch die Hausärztinnen Dr. Esther Schreppel und Dr. Gertrud Kuchler aus der Münnerstädter Hausarztpraxis Schreppel. Das ist auch der Kenntnisstand von Apothekerin Susanne Stäblein, die für zwei Münnerstädter Hausarztpraxen die Bedarfsmeldung entgegennimmt und an den Großhandel weiterleitet und von dort die zugeteilten Mengen erhält und an die Ärzte verteilt. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern informierte dazu , dass die Bestellmenge kurzfristig erhöht wurde und nunmehr 24 bis 48 Dosen von BioNTech/Pfizer pro Arzt beträgt. Ärzte, die ihre Bestellung bereits aufgegeben haben und nunmehr die Zahl der BioNTech-Dosen ändern wollen, können ein neues Rezept einreichen.

Das Hin und Her um den Impfstoff von AstranZenca hat vor allem zu einem geführt: Zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung. Es hat den Eindruck erweckt, es gebe Impfstoffe erster und zweiter Klasse, meint Ralph Barth. Dem sei aber nicht so, betont der Bad Kissinger Mediziner. Das bestätigen die Münnerstädter Ärztinnen. "Das ist ein super Impfstoff", sagt Gertrud Kuchler. "Ich bin um jeden Impfstoff froh. Jeder Impfstoff, der zugelassen ist, ist ein guter", ergänzt Ralph Brath. Dass es mittlerweile aber Patienten gebe, die nur einen bestimmten Impfstoff möchten, verschweigt Esther Schreppel nicht.

Weshalb AstaZeneca in Hausarztpraxen bereits ab 18 Jahren geimpft werden darf, die bayerischen Impfzentren das Vakzin des britisch-schwedischen Konzerns jedoch nicht mehr als Erstimpfung verabreichen, bleibt eine offene Frage.Ralph Brath kann darauf keine Antwort geben. Manche Beschlüsse seien medizinisch nicht nachvollziehbar, sagt der Arzt.

Bereits vor dem Beschluss am Mittwoch hatte die Bayerische Staatsregierung verfügt, dass AstraZeneca in Zukunft ausschließlich in Hausarztpraxen verimpft wird, so die Stellungnahme aus dem Landratsamt "Im Impfzentrum Bad Kissingen wurde am 18. April zum letzten Mal Erstimpfungen mit AstraZeneca durchgeführt", heißt es weiter. Wer seine Erstimpfung dort bekommen hat, erhält im Zentrum die zweite Gabe mit AstraZeneca .

Eine Regel, wie die Hausärzte mit der Freigabe des Impfstoffes ohne Priorisierung umgehen sollen, gibt es nicht. Es sieht wohl so aus, dass jeder Arzt selbst entscheiden kann, ob er AstraZeneca nach Priorisierung oder nach Reihenfolge der Impfanmeldung verabreicht. "Jeder findet seinen Weg", meint dazu Ralph Brath.

Viel mehr Sorgen macht dem Mediziner, dass immer noch zu wenig Impfdosen zur Verfügung stehen. 2 819 Erstimpfungen sowie sieben Zweitimpfungen wurden bis Donnerstag in Hausarztpraxen durchgeführt. "Es tröpfelt, es sprudelt nicht", sagt er. In den Hausarztpraxen und im Impfzentrum könnte deutlich mehr geimpft werden, sagt er zum zögerlichen Nachschub. Alle Kollegen würden beklagen, dass nicht genügend da ist.

Auch Susanne Stäblein hat als Apothkerin diese Erfahrung gemacht. In den letzten drei Wochen hätten Hausärzte oft nur ein Drittel ihres bestellten Kontigents erhalten. Informationen ändern sich zudem ständig. Was morgens noch gültig war, kann abends schon anders sein.

Ralph Brath hofft nun, dass die Impfkampagne im Mai endlich richtig an Fahrt aufnimmt und die angekündigten und benötigten Mengen auch wirkliuch in den Arztpraxen und im Impfzentrum zur Verfügung stehen. "Wir müssen die Impfstoffe schnell in viele Arme unserer Bevölkerung bringen".