Sie wollten unbedingt einmal miteinander spielen: der Geiger Iskandar Widjaja und der Pianist Vestard Shimkus. Jetzt hatten sie die Gelegenheit dazu beim "Präludium" des Kissinger Sommers im Rossini-Saal. Aber der Wille stand noch nicht für die Tat. Die beiden spielten zwar gemeinsam, aber es drängte sich nicht der Eindruck auf, dass sie auch zusammen spielen würden. Mag sein, dass die beiden gut zusammen passen, denn beide verstehen die eruptive Spielweise. Aber mehr zeigte schon die einleitende f-moll-Sonate Nr. 1 von Sergej Prokofjeff nicht. Obwohl die beiden bis zur letzten Minute geprobt hatten, war es ihnen nicht gelungen, so etwas wie ein Interpretationskonzept zu entwickeln. Sie spielten das, was in den Noten stand, durchaus mit risikobereiter Motorik und starker virtuoser Gestik. Aber das reicht halt noch nicht, um aus organisierten Geräuschen auch Musik zu machen. Vielleicht hätten sich die beiden einfach nur einen Tag mehr Zeit nehmen sollen.
So ganz klappte es allerdings auch nicht alleine. Franz Liszt hätte Shimkus' "Dante-Sonate" nicht unbedingt verstanden - dafür war einfach zuviel Shimkus drin. Nicht im Notentext. Aber der junge Mann hatte mitunter sehr gnädige Tempi gewählt - für den Pianisten, er setzte Pausen, wo keine sind, und er brutaliserte seine linke Hand. Natürlich geht es auch um die Hölle, aber selbst da ist Liszt eigentlich immer noch Erzähler geblieben.
Einfacher wurde das Zusammenspiel im zweiten Teil. Denn in seinem "Poème" wusste Ernest Chausson offenbar nicht so genau, wie er Violine und Klavier gleichzeitig eigenständig beschäftigen sollte und bot ihnen wenig Berührungs- und Reibungspunkte, sodass Iskandar Widjaja erstmals wirklich seine etwas rustikale, weniger auf Schönklang als auf Effekte zielende Virtuosität ausspielen konnte und Vestard Shimkus die Melodielinie der Violine mit schmückenden Akkorden betupfte. Das verstärkte sich noch bei Wieniawskis "Faust-Fantasie": fulminante Violine, bescheiden dienendes, nur durch das Tempo gefordertes Klavier. Die absolute Steigerung in dieser Aufgabenverteilung bot allerdings die Zugabe: Henri Vieuxtemps' "Souvenirs d'Amérique" oder auch "Variations on American Yankee Doodle" op. 17. Die spielte Iskandar Widjaja so furios, dass sogar Vestard Shimkus Probleme hatte, ihm zu folgen.