Werner Wohnhas wundert sich. Der Diplom-Kaufmann vertritt die Meinl Bank in Wien. Die AG will das Steigenberger Hotel sanieren lassen, wieder eröffnen und - mittelfristig - vergrößern. Bis heute habe sie vom Eigentümer Freistaat auf ihre Anfrage keinerlei Antwort erhalten. Wohnhas: "Keine Reaktion. Null. Ich frage mich, was das soll."

Die Sache ist komplizierter als es aussieht. Motor ist Vadim Dubovskiy, ein Russe mit Wohnsitz in Bad Kissingen.
Er spielt eine wichtige Rolle in der Peresvet Group, einer Entwicklungs- und Investment-Gesellschaft in Moskau. Wie Wohnhas sagte, hat Dubovskiy gute Verbindungen zur Meinl Bank. Er würde das Projekt an einen seriösen EU-Anbieter vermitteln, falls es Ressentiments gegen russische Investoren geben sollte.

Peresvet-Direktor Oleg Pronin zeigte in einem Schreiben (Datum unklar) an das bayerische Finanzministerium Interesse. "Wir sind nach intensiver Prüfung aller Kriterien zu dem Ergebnis gekommen, uns in Bad Kissingen zu engagieren und teilen Ihnen mit, dass wir das ehemalige Steigenberger-Hotel erwerben möchten." Beabsichtigt sei, das Areal ohne Abriss zu sanieren. Das sei die wirtschaftlich beste Lösung mit den wenigsten Beeinträchtigungen für Bad Kissingen. Ziel sei die Errichtung eines Fünf-Sterne-Hotels.

Bis zu 30 Millionen Euro

Er gehe davon aus, so Pronin, dass das etwa 20 bis 25 Millionen Euro bedürfe. "Selbstverständlich sind wir in der Lage, das erforderliche Kapital dem Eigentümer (...) nachzuweisen."

Man beabsichtige, einen international renommierten Betreiber einzusetzen. Man sei an einem kurzfristigen Kaufabschluss interessiert und "selbstverständlich in der Lage, ein dem Standort angemessenes hochwertiges Hotel zu erstellen", schreibt Pronin weiter.

Mit renommierten Betreiber

Auch die Meinl Bank hat sich - im Oktober - an Bayerns Finanzministerium gewandt und sich auf die Gespräche mit Vadim Dubovskiy bezogen. Bank-Vorstand Peter Weinzierl äußert Interesse. Er geht von geschätzten Renovierungs- und Umbaukosten von 30 Millionen Euro aus. Von Dubovskiy habe man erfahren, dass der Freistaat die Sanierung des Hauses mit 40 Prozent der Investition subventionieren würde und auch in der Folge das Vorhaben unterstütze. "Die verbleibenden (...) notwendigen Mittel (60 Prozent der Kosten) würden von der Meinl Bank als Investor kommen."

Wie Pronin versichert Weinzierl wortgleich, selbstverständlich in der Lage zu sein, ein dem Standort angemessenes hochwertiges Hotel zu erstellen. Es solle einen international renommierten Betreiber bekommen.
Nach Angaben von Werner Wohnhas sind beide Schreiben mit der Bitte um erste Gespräche auf taube Ohren gestoßen.

Architekt Christian Teichmann, habe erste Vorentwürfe erstellt. Vorgesehen sei eine Nutzung als Hotel. Wohnungen sollten nicht entstehen. Angedacht sei der Abriss des Kurgastzentrums. Dort sollten Hotelzimmer entstehen: Nur mit über 200 Betten sei ein Fünf-Sterne-Hotel rentabel zu führen.

Noch in der Bearbeitung

Teichmann und Dubovskiy waren nicht zu erreichen. In einem Schriftstück - "für den, des es angeht" - bekräftigt Dubovskiy. die international tätige Peresvet-Invest AG sei in der Lage, das Projekt umzusetzen.

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) sagte, er könne sich an Anfragen von Peresvet und Meinl Bank nicht konkret erinnern. "Wenn ich etwas bekommen habe, habe ich das wie immer sofort an den Freistaat als Eigentümer weiter gegeben." Er habe beim Ministerium nachgefragt und dort die Antwort erhalten, die Angelegenheit werde noch bearbeitet. Dort lägen die Schreiben erst seit kurzem vor, so ein Sprecher.

Meinl Bank: Die AG mit Sitz in Wien ist eine Privatbank mittlerer Größe. Sie wurde 1923 gegründet, hat nach eigenen Angaben (Wikipedia) 54 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 430,5 Millionen Euro (2011). Nach der Übernahme des Hauses durch Julius Meinl V. 1983 sei es gelungen, in andere Länder zu expandieren und Tochtergesellschaften zu gründen.

Peresvet-Group: Das Unternehmen wurde 1995 gegründet, ist in Österreich, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und in den Vereinigten arabischen Emiraten engagiert. Es beschäftigt sich mit Projektentwicklungen, Immobilienverkauf und kommerziellen Projekten. Laut Vadim Dubovskiy beträgt das Investitionsvolumen 4,2 Milliarden US-Dollar. ed