Seit fast fünf Jahren gibt es den Kaffeenachmittag im Seniorenheim Kramers wiesen. Er findet jeweils am Sonntag und Mittwoch für Bewohner, Besucher und Gäste aus der Gemeinde statt und wird ehrenamtlich organisiert. "Das ist eine ganz tolle Sache", sagt Heimleiterin Barbara Mayerhofer über das Projekt. Für das Team und vor allem für die Bewohner sei es eine beispielhafte Bereicherung.

Die Freude teilt Pflegedienstleiterin Anette Gillner: "An den Nachmittagen können sich alle unsere Bewohner im großen Begegnungsraum zu Kaffee und Kuchen treffen. An den anderen Tagen finden die Treffs in der jeweiligen Wohngruppe statt. Der Service gehört im Haus zum Alltag. Nur die Gäste werden um einen Unkostenbeitrag gebeten." Das Seniorenheim - zum einen zentral bei Schule, Rathaus, Kirche und Kindergarten, auf der anderen Seite nahe zur Natur mit wenigen Schritten zu Obstwiesen und Feldern gelegen - entstand vor allem auf Initiative von Bürgermeister Siegfried Erhard (CSU).

"In vertrauter Umgebung"

Ihm war es gelungen, den Gemeinderat von der Notwendigkeit der Einrichtung als Dienst für die Bewohner zu überzeugen. "Unsere älteren Bewohner möchten ihren Lebensabend in vertrauter Umgebung verbringen. Bisher mussten sie eine Lösung in Bad Kissingen oder Münnerstadt suchen", ist seine Meinung. Bei Besuchen habe er immer wieder gehört, dass eine Unterkunft in der Gemeinde lieber angenommen würde. Nach vielen Gesprächen rang sich die Gemeinde zur Realisierung durch, nachdem mit der Diakonie Schweinfurt ein kompetenter Partner für Bau und Betrieb der Einrichtung gefunden wurde. Im Herbst 2008 konnte das Haus mit seinen 47 Plätzen sowie vier Kleinwohnungen eingeweiht werden.

Die Skeptiker überzeugt

Alle Skeptiker wurden rasch eines Besseren belehrt: In relativ kurzer Zeit waren alle Plätze belegt, eine Warteliste entstand. So ist es bis heute. Zum sehr guten Klima tragen die Kaffeekränzchen bei. Diesen Beitrag wünschte sich Bürgermeister Erhard von Beginn an, um den Kontakt mit den Bürgern zu pflegen. Bald ergriffen einige Frauen die Initiative für eine Kaffeetafel, zumal sich der große Versammlungsraum mit angefügter Küche anbot. Weitere ehrenamtliche Helferinnen fanden sich, um die Idee mit zwei Treffs je Woche umzusetzen.

"Wir bekommen so viel zurück", bestätigt Ilse Erhard, Ehefrau des Bürgermeisters, die von Beginn an dabei ist so wie Helga Rauh. "Wir bereiten Kaffee und Kuchen vor, bedienen die Heimbewohner und unterhalten uns mit ihnen. Je mehr Helferinnen wir sind, umso mehr Zeit haben wir für den einzelnen. Wir spüren, wie gut dies den Bewohnern tut", sagt Ilse Erhard. Helga Rauh fügt an: "Wenn wir nach Abschluss heimgehen, sind wir selbst zufrieden im Gefühl, etwas Gutes getan zu haben." Manchmal kämen bis zu 40 Gäste und tauschen sich an den Gruppentischen aus. Da hätten sie viel zu tun, es mache aber immer Spaß.

Ihre Erfahrungen bestätigt Elly Schmitt aus Hain, die seit zwei Jahren im Hause wohnt. In ihrem Dorf hat die gebürtige Erfurterin früher eine Gastwirtschaft betrieben und weiß wovon sie spricht, wenn Gäste sich wohlfühlen sollen. "Das machen die Damen wunderbar. Wir kommen gerne und lassen uns verwöhnen", erzählt die 86-Jährige. Vor allem liest sie gerne und interessiert sich für das, was in der Welt passiert. Dankbarkeit über die Kaffeerunde äußert die 93-jährige Paula Bier aus Reichenbach: "Das ist schön, wenn wir uns zusammensetzen und unterhalten können. Die Kaffeerunde gefällt uns sehr gut."

Immer wieder Termine absagen

In letzter Zeit macht das Projekt Sorgen. Die Zahl der Helferinnen habe sich beispielsweise durch Erkrankungen reduziert. "Zu Dritt müssen wir schon sein", verdeutlicht Frau Erhard, "wir wollen die persönliche Begegnung einbeziehen. Diese Zuwendung schätzen die Bewohner. Nur Kaffee ausschenken und Kuchen verteilen ist zu wenig." Wegen personeller Engpässe habe inzwischen bereits der eine oder andere Kaffeenachmittag entfallen müssen.

Einen Sonntag im Monat zu opfern, sei möglich. Dann vielleicht noch ein oder zwei Mittwochnachmittage. "Immer können wir nicht da sein", ergänzt Rita Müller. Getrud Nöth, die an diesem Nachmittag mit dabei ist, stimmt ihr zu. Sie bestätigen die Freude, die ihnen die Heimbewohner schenken, und ermutigen damit andere, sich dem Kreis anzuschließen. Kaffee und Kuchen stelle das Haus. Selbstbacken sei natürlich möglich und erwünscht. Im Normalfall erstrecke sich die Hilfe auf 13 bis 17 Uhr. Sie brauchen unbedingt Verstärkung. Wer sich für die Aufgabe interessiert, könne sich jederzeit mit dem Seniorenhaus oder mit Helferinnen in Verbindung setzen.