Die 70 Rettungsassistenten, -sanitäter und Rettungsdiensthelfer im Landkreis machen in dieser Woche Überstunden. Ursache sind aber nicht besonders viele Notfälle, sondern eine technische Umrüstung sämtlicher Einsatzfahrzeuge: Telematik heißt das Schlagwort. "Das neue System spart uns im Schnitt 30 Sekunden pro Einsatz", erhofft sich Thomas Schlereth, Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) in Schweinfurt, dadurch eine Zeitersparnis, die Leben retten kann.
Dafür müssen aber zunächst einmal alle 18 Einsatzfahrzeuge aus vier Standorten in Bad Kissingen umgerüstet werden - bei laufendem Betrieb.

Übersicht über alle Fahrzeuge

Im Ernstfall muss es im Rettungsdienst schnell gehen: "Derzeit benutzen wir handelsübliche GPS-Geräte", erläutert Rudolf Baier, der im Rot-Kreuz-Kreisverband den Bereich Einsatzdienste leitet. Das bedeutet: Bislang wird das Ziel per Hand eingegeben - und zwar nachdem per Funk Einsatzort und Informationen zu Patient und Lagebild durchgegeben wurden.

All das geht in Zukunft auf einen Schlag per Mobilfunk: Parallel zur Alarmierung schickt der Disponent von der Leitstelle sämtliche Infos an den neuen GPS-Bordcomputer. Es erscheint nicht nur der Text zum Einsatz, sondern es wird auch gleich die schnellste Route angezeigt. Die Rettungskräfte können also direkt losfahren. Und noch einen Vorteil hat das neue System: "Der Disponent sieht auf einem großen Display den Standort aller Fahrzeuge samt der Info, ob es gerade im Einsatz ist." Auch das spare Zeit.

Wieso kommt dieses System erst 2013? "Das war ein langer Weg", berichtet Baier über die schwierige Absprache mit anderen Rettungskräften. "Nicht alle Systeme können dieses Datenvolumen darstellen", verweist er auch auf technische Probleme. Am Ende wurde die jetzt eingebaute Telematik-Lösung vom Bayerischen Roten Kreuz zentral für alle 26 Leitstellen im Freistaat ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt das Münchner Unternehmen GHt. "Wir haben bereits 1200 Einsatz-Fahrzeuge ausgerüstet, insgesamt sind es 1500", berichtet Projektmanager Michael Schmidmeier.

"Schweinfurt ist die drittletzte Leitstelle, die wir ausrüsten." Das System arbeite also in weiten Teilen Bayerns bereits erfolgreich. Mit den rund 70 Fahrzeugen im Bereich Main-Rhön will Schmidmeier in drei Wochen fertig sein. Nach einer kurzen Übergangsphase soll es noch heuer in Betrieb gehen. "Das ist ziemlich einfach zu bedienen", ist sich ILS-Leiter Schlereth auch sicher, dass es bei dem Zeitplan bleibt.

"Auf den Funk können wir nicht verzichten", bleiben die alten Funkgeräte laut Baier vorerst trotzdem in den Fahrzeugen. 2014 werde dann auf den digitalen Behördenfunk umgestellt. "Der Funkverkehr wird dadurch natürlich entlastet", betont Baier. Zudem seien personenbezogene Daten besser geschützt, weil sie direkt an den Bordcomputer übertragen werden. Auch an den Orts- und Straßenkarten auf Papier halten die Sanitäter fest: "Unsere alten Karten werden wir als Redundanz behalten, schließlich kann das System auch mal ausfallen."

Zentrale Das Rettungswesen in der Region Main-Rhön wird seit Juli 2012 über die neue Integrierte Leitstelle (ILS) in Schweinfurt organisiert. Sämtliche Notrufe unter der Nummer 112 kommen bei den 26 haupt- und 24 nebenberuflichen Mitarbeitern der ILS an, die dann Rettungsdienst-, Krankentransport-, Katastrophenschutz- und Feuerwehr-Einsätze in der Stadt Schweinfurt sowie den Landkreisen Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld koordinieren.
Gebiet Die ILS betreut auf einer Fläche von 3992 Quadratkilometern rund 437 000 Einwohner; sie ist damit der drittgrößte Leitstellenbereich Bayerns. Insgesamt stehen der Leitstelle in ihrem Zuständigkeitsbereich 1771 Einsatzfahrzeuge zur Verfügung, davon 70 Rettungsdienstfahrzeuge, davon 18 im Landkreis Bad Kissingen, sowie 1194 Feuerwehr- und 66 THW-Fahrzeuge.

Einsätze Im ersten Jahr verzeichnete die ILS rund 74 000 Rettungsdienst- und 3600 Feuerwehr-Einsätze. 20 886 Rettungsdiensteinsätze entfielen auf den Landkreis Bad Kissingen mit seinen vier Rettungswachen in Bad Kissingen, Hammelburg, Bad Brückenau und Maßbach sowie dem tagsüber besetzten Stellplatz in Münnerstadt. Die 120 Feuerwehren im Kreis rückten zwischen August 2012 und Juli 2013 811 Mal aus: 278 Mal zu Bränden, 444 Mal für Technische Hilfeleistungen und 89 sonstige Einsätze.