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Naturerlebniszentrum Rhön: Wann geht es am Klaushof los?

Noch immer sind keine Pläne für den Neubau der Umweltbildungsstätte am Klaushof bekannt. OB Dirk Vogel und Landrat Thomas Bold mahnen beim Minister mehr Tempo an. Bei den Kosten ist wohl noch vieles unklar. Mit Kommentar
Haben es ebenfalls eilig: die Auerochsen in ihrem Gehege. Am Wildpark Klaushof soll ein Neubau für das Naturerlebniszentrum Rhön entstehen.
Haben es ebenfalls eilig: die Auerochsen in ihrem Gehege. Am Wildpark Klaushof soll ein Neubau für das Naturerlebniszentrum Rhön entstehen. Foto: Benedikt Borst

Kurz vor der Landtagswahl 2018 verkündete der damalige bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU), dass der Landkreis Bad Kissingen für den bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön eine neue Umweltbildungsstätte bekommen soll: das Naturerlebniszentrum (NEZ) Rhön. Ein Jahr später erklärte das Umweltministerium, dass es an zwei Standorten unterkommen wird, im Roten Schloss in Hammelburg sowie in einem Neubau am Wildpark Klaushof in Bad Kissingen.

Im Sommer 2020 haben in zwei Büros in Hammelburg die ersten drei von später einmal zehn Mitarbeitern des Zentrums ihre Arbeit aufgenommen. Im Kellereischloss bekommt das NEZ in Zukunft noch mehr Platz: Sobald die Stadt Hammelburg ihr Bürgerhaus fertig hat, gibt sie die von ihr angemietete Räume im Schloss auf. Wie und vor allem wann es hingegen am Klaushof konkret werden soll - dazu ist nach mehr als drei Jahren noch nichts bekannt.

Dieser Umstand wird in Bad Kissingen inzwischen mit wachsender Sorge betrachtet. Am Rande der jüngsten Stadtratssitzung wurde bekannt, dass Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) und Landrat Thomas Bold (CSU) sich vor wenigen Wochen schriftlich an Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) gewandt hatten. Im Stadtrat sagte Vogel, er habe die Sorge, "dass es nicht vorwärts geht." Er habe nicht den Eindruck, dass die Gelder ausreichen werden, die der Freistaat bislang für das Projekt bereitgestellt habe. Die veranschlagten Kosten würden nicht mit den Ambitionen zusammenpassen. 9,4 Millionen Euro hat der Freistaat bislang in seinen Haushaltsplänen für das Naturerlebniszentrum eingeplant. Nach Ansicht des OBs ist die Summe jedoch zu gering, auch weil für das Projekt noch eine infrastrukturelle Erschließung (z.B. Kanalanbindung in Richtung Bad Kissingen) nötig sein wird. "Wir haben den Minister angeschrieben, dass wir uns freuen würden, wenn dieses wichtige Projekt sich entsprechend im Haushalt wiederfindet", erklärt Vogel auf Nachfrage. Eine Antwort aus München steht noch aus.

Auch Landrat Tomas Bold fordert vom Minister, die entsprechenden Voraussetzungen für das Naturerlebniszentrum zu schaffen. Während in Hammelburg bereits die ersten Schritte getan wurden, gelte es, die Pläne am Wildpark Klaushof möglichst schnell umzusetzen. "Das Raumprogramm ist bereits gebilligt. Jetzt geht es darum, in enger Abstimmung mit dem Freistaat Bayern und der Stadt Bad Kissingen die weiteren Maßnahmen auszuarbeiten und zu realisieren", sagt Bold. Im Landkreis spielen die Themen Natur, Nachhaltigkeit, und Umweltschutz eine sehr große Rolle, entsprechend wichtig sei das Thema Naturerlebniszentrum. Bold betont: "Vom Naturerlebniszentrum Rhön profitieren die Bürger und Bürgerinnen ebenso wie die Gäste."

Ministerium äußert sich nicht inhaltlich

Das Umweltministerium reagiert zwar auf unsere Anfrage zum aktuellen Planungsstand, geht jedoch gegenwärtig auf viele Fragen nicht ein. Das gilt insbesondere für die Kosten. Weder gibt es eine Information, mit welchen Kosten das Ministerium plant und ob es die bislang angesetzten 9,4 Millionen Euro für ausreichend hält, noch äußert es sich dazu, ob der Landtag bei den Haushaltsberatungen zusätzliche Gelder für das Naturerlebniszentrum bewilligen muss. Auch auf die Frage nach den Gründen für die bisherigen Verzögerungen gibt es keine Antwort.

"Aktuell stehen im Umweltministerium Entscheidungen zu den weiteren Planungen bezüglich der Bauvorhaben für das NEZ an", teilt eine Sprecherin des Ministeriums mit. Bevor die Öffentlichkeit informiert wird, bekommen die Kommunen Bescheid. Sie kündigt an: "Die beteiligten kommunalen Partner werden hierzu in Kürze informiert. Dem kann hier nicht vorgegriffen werden." Grundlage für die weiteren Planungen sei das Fachkonzept für das Naturerlebniszentrum. Für den Standort Bad Kissingen sind Angebote für die Zielgruppe Kinder geplant. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf den Themen Wald und einheimische Tiere. Für den Standort Hammelburg werden Angebote für eine jugendlichen Zielgruppe geschaffen. Inhaltlich geht es in Hammelburg vor allem um die Themen Nachhaltigkeit im urbanen Raum, Klimawandel, Energie und Mobilität.

Kommentar: Freistaat steht in der Pflicht

Hängepartie hin, Hängepartie her: Grundsätzlich bieten sich Bad Kissingen mit einem Neubau für das Naturerlebniszentrum Rhön am Wildpark Klaushof viele Chancen. Die Aussage, die Pläne seien sehr ambitioniert, zeigt, dass der Freistaat das Vorhaben ernst nimmt. Dass man sich auf ein Raumprogramm verständigt hat, ist ebenfalls ein gutes Zeichen, schließlich wird im Hintergrund gearbeitet.

Woher kommt dann also die Unruhe bei OB und Landrat? Wenn sich abzeichnen sollte, dass das Projekt deutlich mehr kostet, als die bisher bereitgestellten 9,4 Millionen Euro, dann steht angesichts der Corona-Pandemie zu befürchten, dass das Vorhaben abgespeckt oder schlimmer erst einmal gar nicht umgesetzt wird. Die Pandemie belastet den Haushalt des Freistaates - München konnte in den Vorjahren großzügig mit Geld-Geschenken umgehen, ob das so bleibt, ist fraglich.

Für den Fall, dass der Freistaat beim NEZ kalte Füße bekommt, sei eine Erinnerung erlaubt: 2014 wurde der bayerische Teil des Biosphärenreservats Rhön von 71 000 auf 130 000 Hektar erweitert. Die Erweiterung war von Anfang an verbunden mit der Forderung, eine weitere Umweltbildungseinrichtung in der Rhön aufzubauen. 2018 wurde endlich verkündet, dass nicht nur eine, sondern gleich zwei in die Region kommen sollen - ein Zentrum in den Landkreis Bad Kissingen und eines ins Rhön-Grabfeld. Dieser Entschluss hängt aber auch vor allem mit dem Nein von Markus Söder zu einem Nationalpark in der Rhön zusammen. Die Zentren waren der Kompromiss nach einem hart geführten Nationalpark-Streit. Aufgrund dieser Vorgeschichte steht der Freistaat nun in der Pflicht und muss liefern.