War das Glück oder ausnahmsweise präzise Meteorologie? Zehn Minuten, bevor Joe Wulf & The Gentlemen of Swing die Bühne im Garten des Hotels Kaiserhof Victoria betraten, hörte der Sprühregen auf. Und jetzt wissen wir auch, warum ein solches Open-Air-Konzert am besten in einem Hotelgarten stattfindet! Dort gibt es genügend Handtücher, um die feucht geworden Sitzpolster wieder einigermaßen trocken zu reiben.
Es wäre aber auch zu schade
gewesen, wegen der Witterung erst umständlich in den Rossini-Saal umzuziehen. Denn die gute Stimmung im Freien und die Musik passten bestens zusammen. Nichts gegen die Barrelhouse Jazz Band vor 14 Tagen (bei größerer Hitze), aber Joe Wulf & The Gentlemen of Swing spielen in einer anderen Liga. Und nicht nur wegen der anekdotenreichen Schnurren, mit denen der Posaunist seine Mitmusiker vorstellte: Ralph Himmler (Trompete), Sven Hack (Klarinette), Peter Finken (Saxophone), Michael Meranke (Banjo), Bert Thompson (Bass) und Michael Ehret (Schlagzeug).
Aber die Lockerheit ließ schon schließen auf die Musik, die zu erwarten war: ganz leichthändig mit langer Luft geblasen (oder gezupft und getrommelt), mit viel Witz und Phantasie, mit Freude an abrupt wechselnden Klangfarben und virtuosen Ausbrüchen, an ´übermütigen Soli und an einem gut vorwärtstreibenden Rhythmus.
Da war der "Schirmherr" der Veranstaltung natürlich gut gewählt: Louis Satchmo Armstrong. Und da waren sie plötzlich, die ganzen Evergreens wie "Let's fly down to New Orleans" oder "Some day you'll be sorry", in dem sich Joe Wulf nicht nur als ganz weicher Posaunist, sondern auch als Sänger vorstellte. Seine Stimme ist nicht wirklich amerikanisch, aber sie hat eine ganz eigene, glaubwürdige Färbung.
Den Ruß in der Stimme hatte der "special guest" der Matinee, Michael Varekamp. Er entpuppte sich nicht nur als Sänger, sondern auch als Trompeter als ideale Satchmo-Kopie. Man musste die Augen nur halb schließen, um das Original zu hören. Mit ihm kam weiterer Schwung in die Truppe: "Do you know, what it means, to miss New Orleans?" fragte er, oder er lud ein: "Come to the Cabaret". Große Heiterkeit herrschte auf dem Rasen. "What a wonderful world" hätte nicht das Finale sein müssen. Aber der Brunch rief.