Schön, dass es die Kammermusikreihe von Cape Classic gibt. Der Verein, den Gabi Zahn schon 2003 gegründet hat, füllt eine künstlerische Nische, die Kissinger Sommer, Winterzauber und Klavierolymp nicht bedienen, die aber dem Ruf der Kurstadt mit hohem musikalischem Niveau gerecht wird.

"Der Wanderer", Liederbuch eines europäischen Reisenden, war wieder so ein Farbtupfer im Kulturprogramm der Staatsbad GmbH, auf den sich die Fangemeinde von Cape Classic freuen konnte. Die musikalische Reise beginnt in Polen, der Heimat der Pianistin Anna Beinhauer und sie sollte die eigentliche Überraschung des Abends werden, denn die auch in Deutschland ausgebildete Pianistin war alles andere als "nur" Begleitung.

Völliges Einvernehmen

Ausnahmslos anspruchsvolle, virtuose Klaviersätze hatte sie auf dem Pult liegen, die Stimmungen und Raffinesse der Lieder wirkungsvoll unterstrichen. Traumhaft sicher die Einsätze, völliges Einvernehmen in der Gestaltung, so konnte sich ihr Mann ganz auf sich und seinen Ausdruck konzentrieren. Da staunt das Publikum, wie fließend die polnische Sprache "Über mir das Blau des Himmels" ausdrückt. Andreas Beinhauer studierte in Karlsruhe, Thomas Hampson und Brigitte Fassbaender haben ihn geformt.

Die gesungene Reise führt nach Skandinavien zu Jean Sibelius und hier zeigt der lyrische Bariton eine andere Färbung. Erstaunlich, wie sicher er den fast tenorhohen Passagen klaren Tonalität verleiht. Da gibt's dann schon mal spontanen Beifall.

Charmante Moderation

Hafen- und Seemannslieder aus England kündigt Beinhauer an, erzählt kleine Geschichten rund um die Lieder, beschreibt dann aber auch seinen Eindruck beim Besuch der sozialen Projekte in Südafrika, für die Cape Classic mit seinen Konzerten Geld sammelt, schildert die unfassbaren Gegensätze zu unseren Verhältnissen. Aber dann steht wieder die Musik im Vordergrund, auch in Holland wird ein Lied von Matrosen gesungen und eine skurrile Geschichte vom Teufel in der Nacht höchst spannend musikalisch ausgedrückt.

Ravel und Eichendorff

Für Frankreich steht Ravel auf dem Programm, in Spanien Manuel de Falla und mit italienischem Schmelz singt Andreas Beinhauer vom schmerzhaften Bildnis der sagenhaften Phyllis aus der Feder des Vincenco Bellini. Deutschland wird repräsentiert von den ersten fünf der Vertonungen der Eichendorff Gedichte von Robert Schumann. Brillant das Zusammenspiel von Piano und Stimme und bei der "Mondnacht" formuliert das, leider sehr spärliche Publikum, im Geiste mit: "Es war als hätt der Himmel die Erde still geküsst..."

Nur wenige Zuhörer

Wo blieb das treue Cape Classic Publikum, was war passiert? Gabi Zahn hatte zu Beginn des Konzerts nicht nur ihre sozialen-, Bildungs- und kulturellen Projekte in den Townships beschrieben, sondern auch bedauert, dass es keine Werbung für das Konzert gegeben habe, außer der Vorankündigung in der Zeitung. Keine Flyer in den Hotels, keine Plakate auf den Kultursäulen der Stadt. Der Karton mit den Werbemaßnahmen war einfach vergessen worden.

Die Intendantin und die Künstler nahmen es mit Humor, dankten denen, die gekommen waren, ganz besonders herzlich. Das Konzerterlebnis hingegen wird bleiben. Bis zum Mai nächsten Jahres, wieder im Rossini Saal. Ein Barockkonzert mit Mitgliedern der Bamberger Sinfoniker und Solotrompeter Johannes Trunk.