von unserem Redaktionsmitglied 
Thomas Ahnert

Bad Kissingen — Es waren ja eigentlich zwei Fragen, die die Kammermusikfreunde am Samstagvormittag in den Rossini-Saal trieben: Woher kommt eigentlich der Name des polnischen Meccorre String Quartet und, natürlich wichtiger: Was können die vier Leute? Denn beim Kissinger Sommer waren sie noch nie. Die erste Frage war einfach zu beantworten: von dem Programm-Projekt "MecCorrespondances". Die zweite war noch einfacher: fabelhaft viel.
Bei Mozarts D-dur-Quartett KV 575 konnten die Meccorres zwar beeindrucken, aber noch nicht wirklich überraschen. Hier spielten sie sehr lyrisch, sehr weich, ein bisschen auf Schönklang und sehr gut ausbalanciert. Das tun andere Streichquartette auch.
Aber es deutete sich schon etwas an, was in den beiden "französischen" Streichquartetten von Claude Debussy und Maurice Ravel und dem wunderbaren 2. Streichquartett von Karol Szymanowski voll zur Geltung kam: die interne musikalische Auseinandersetzung von einem ganz anderen, überraschenden Ausgangspunkt aus. Sie machen diese Auseinandersetzung nicht zum messenden Muskelspiel, sondern sie fragen - und das bewahrt sie davor, jemals plakativ zu werden - wie laut sie überhaupt werden müssen, um als Gegenpart wahrgenommen und relevant zu werden. Dieses Ausgehen von der Stille als leisester Form der Musik ermöglicht eine unglaubliche Feindifferrenzierung, in der nicht das geringste technische Bemühen hörbar wurde - was bei einer derart verfeinerten Spielweise freilich auch fatal wäre. Sie fordert den Musikern ein Höchstmaß an gestaltender Disziplin ab. Und dem Publikum in raffiniert-hinterhältiger Weise ein Höchstmaß an konzentriertem Zuhören. Denn man möchte sich nichts entgehen lassen.
So wurde es ein Vormittag der Intensität, vieler neuer oder gründlicherer Wahrnehmungen auch bei Werken, die man bereits gut zu kennen glaubte. Mit diesen Interpretationen haben es die Meccorres ihren Kollegen schwer gemacht zu beeindrucken. Die vier Jungs sollten wiederkommen.