Dass der Bau der Gewächshäuser unmittelbar neben der Münnerstädter Stadtmauer keine städtebauliche Meisterleistung war, bezweifelt heute kaum noch jemand. Aber sie sind da. Allerdings muss das nicht so bleiben. Als eine von zehn Modellkommunen wurde Münnerstadt vom bayerischen Bauministerium für das Projekt Landstadt Bayern auserwählt. Die Frage ist, wie das rund drei Hektar große Areal einmal aussehen könnte. "Es geht um ein Lebensquartier für die Zukunft", sagt Bürgermeister Michael Kastl. Das versiegelte Gelände soll teilweise renaturiert und für Wohnbebauung genutzt werden. Bei einem Aktionstag am Samstag, 19. November, können die Münnerstädter ihre Ideen einbringen, wie das genau aussehen soll. "Es sollten möglichst viele Leute kommen", sagt Kilian Düring, der für das Stadtmarketing zuständig ist. Von 13 bis 17 Uhr können Interessierte das Gelände besichtigen, sich mit Fachleuten austauschen und ihre Ideen für eine innovative Wohnbebauung einbringen.

Ankaufsrecht gesichert

Es war ein Paukenschlag, als bekannt wurde, dass sich die Stadt Münnerstadt das Ankaufsrecht für das Areal mit den Treibhäusern gesichert hat. Erklärtes Ziel war von Anfang an, das Gelände für eine innovative und bezahlbare Wohnbebauung zu nutzen. Passend dazu hatte der Freistaat das Sonderförderprogramm Landstadt Bayern ausgerufen, bei dem genau solche Projekte bezuschusst werden sollen. Als einzige Kommune in Unterfranken wurde Münnerstadt in das Förderprogramm aufgenommen. Weil die Kernstadt ohnehin gerade ihr Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet, ist das ehemalige Bötz-Gelände als zusätzliches Projekt integriert worden. Eine ganz wichtige Rolle in diesem Prozess spielt die Bürgerbeteiligung.

Ab 13 Uhr steht das Gelände interessierten Besuchern offen. Um 14 Uhr wird Professor Martin Schirmer, dessen Büro das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept begleitet, einen Vortrag über die Möglichkeiten vor Ort halten. Workshops schließen sich an. "Es ist eine einmalige Chance, so ein Quartier mitzugestalten", sagt Michael Kastl. Mit einer Machbarkeitsstudie wird die Zielrichtung der Entwicklung der städtebaulich wichtigen Brachfläche am Rande der historischen Altstadt festgelegt.

Wie sieht das künftige Wohnen und Arbeiten aus? Wie können Städte im ländlichen Raum anstehende Transformationsprozesse gestalten? Wie kann die Lebensqualität des urbanen Raums mit der des ländlichen Raums verknüpft werden? Auf all diese Fragen soll am Samstag, 19. November, eine Antwort gefunden werden.

Jetzt geht es vor allem darum, wie das Areal einmal aussehen könnte. Ideen dazu gibt es schon. Der Talwasserbach, der schnurgerade neben dem Gelände fließt, könnte renaturiert werden. Ein energieautarkes Quartier mit etlichen Wohnungen für Jung und Alt könnte entstehen. Ein Ziel des Bürgermeisters ist es, dass die vielen Pendler, die in Münnerstadt arbeiten, hier auch eine bezahlbare Wohnung finden. Auf dem ehemaligen Bötz-Gelände könnten auch ältere Menschen ein neues Zuhause finden, die derzeit allein in Einfamilienhäusern leben, die ihnen längst viel zu groß geworden sind.

Ideen gibt es viele für das Treibhaus-Projekt. Diese gilt es jetzt erst einmal zu sammeln, um dann eine Machbarkeitsstudie zu erstellen, die in einen Architekten- oder Investorenwettbewerb mündet. Jetzt haben es die Münnerstädter in der Hand, die Zukunft des ehemaligen Bötz-Geländes mitzugestalten.